Nach acht Tagen der Erlebnisse und Touren, plante ich am neunten Tag einen Besuch in der Blauen Lagune in der Nähe von Grindavík zum Erholen ein. Die Blaue Lagune ist ein Geothermalbad inmitten von natürlichen, über 800 Jahre alten Lavafeldern. Da die Blaue Lagune in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt liegt und sich internationaler Berühmtheit erfreut, ist diese auch sehr gefragt. Mit entsprechend vielen Badegästen rechnete ich auch.

5D4 3898Zunächst legte ich die paar Kilometer vom Übernachtungsplatz in Richtung Grindavík zurück. Auf dem Weg dort hin lag noch Krysuvík und das Hochtemperaturgebiet von Seltún. Die dort austretenden vulkanischen Gase sind schon von weitem wahrzunehmen. Auf dem Areal blubbert und zischt es überall. Zahlreiche Schilder warnen vor Dampfexplosionen und hohen Temperaturen des Wassers. Die Erde ist durchzogen von bunten Flächen. So farbenfroh wie beim letzten Besuch im November 2015 war Seltún jedoch nicht. Das lag zum einen an der gerade erst aufgegangenen Sonne und an der geschlossenen Schneedecke. Nach etwa 20 Minuten habe ich meinen Rundgang beendet, gerade einmal drei Fotos sind es geworden. Dann brach ich auf und setzte meinen Weg weiter fort in Richtung Blaue Lagune. Zuvor tankte ich das Auto noch in Grindavík voll, zeigte die Reichweite im Display nur noch 100 Kilometer an.

Um kurz vor 11 Uhr war ich auf dem Parkplatz der Blauen Lagune angelangt. Der Besuch in der Blauen Lagune muss im Voraus geplant werden. So buchte ich meinen Aufenthalt bereits im Januar von zu Hause aus. Ein ausgedrucktes Ticket führte ich mit mir und musste es beim Eintritt vorzeigen. Entsprechend dem hohen Eintrittspreis von 77 Euro (!) konnte ich auch etwas Exklusivität erwarten. Diese Erwartung wurde aber nicht enttäuscht. So nahm sich mir ein Mitarbeiter an, welcher mir Handtuch, Badeschuhe und Bademantel sowie das mit Chip versehene Armband aushändigte. Er zeigte mir, wo man als nächstes hingehen musste. Auf diesem großen Areal hätte man sich schon verirren können.

GOPR0388Die Umkleiden waren sehr sauber. Das Schließfachsystem war sehr ausgeklügelt: hat man seine Sachen in einem geöffneten und freien Fach verstaut und schließt die Tür, so hat man etwa 10 Sekunden Zeit, seinen Chip an einen zentralen Sensor zu halten, um die Tür zu verriegeln. In einem Display wird dann die Schließfachnummer angezeigt, welche man sich merken sollte. Ein Kontrollgriff zeigte, dass die Tür auch tatsächlich verschlossen war. Mit Bademantel und Schlappen bewaffnet, einem Jediritter gleichend, ging es dann in Richtung Badeareal. Raus aus dem Warmen, rein in die Saukälte, minus 4 Grad hatte es an diesem Morgen. Das beschleunigte meinen Gang in Richtung Wasser erheblich. Rein ins 38 Grad warme Wasser und ich hätte gern beschlossen, das Wasser nie wieder zu verlassen. Es war sehr angenehm und entgegen meinen Erwartungen war gar nicht so viel los.

Ich durchforstete den riesigen Badepark, der sich aus mehreren "Becken" zusammensetzt. Insgesamt dürfte sich das Badeareal auf gut 200 Meter erstrecken. Ich hatte keine Probleme, ein ruhiges Eck für mich zu finden, aber nicht ohne vorher meinen Gratisdrink an der "In-water-Bar" abzuholen. Ich habe mich für einen Bananenskyr entschieden. Der regüläre Preis beträgt knapp 10 Euro. Nicht schlecht für 300 ml joghurtähnliches Getränk. Doch er war wirklich lecker. Je nachdem, an welcher Stelle ich mich befunden hatte, schwankte die Wassertemperatur zwischen 37 Grad und 42 Grad. Die heißesten Stellen waren dabei wirklich HEISS!

GOPR0352Auffallend war, dass geschätzt zwei von drei Badegästen irgendeine Form einer Kamera mit sich führten, sei es eine GoPro oder ähnliches oder das Smartphone in einer wasserdichten Hülle. Die Hüllen konnten ebenfalls in der Bar erworben werden für schlappe 20 Euro. Ich führte meine GoPro mit mir und machte damit einige Bilder. Unterwasseraufnahmen waren sinnlos, da die Sichtweite unter Wasser keine 10 Zentimeter betragen hatte. Dies rührte von den Kieselalgen her. Mit den Algen konnte man auch sein Gesicht einschmieren, was eine angeblich hautstraffende und regenerierende Wirkung haben sollte. Ja, ich habs gemacht. Ich fühle mich zwar keine 15 Jahre jünger, aber dennoch tat es irgendwie gut :).

GOPR0389 MomentHin und wieder kam ich auch ins Gespräch mit fremden Menschen, die man nach einigen Minuten des Plauderns quasi als Freund wieder verließ. Merkwürdig fand ich jedoch die Unterhaltung zweier dunkelhäutiger Damen, die sich angeregt über das Datingverhalten ihrer bisherigen Freunde unterhalten hatten. Ich kam nicht umhin, dem Gespräch zu lauschen, war ich mit den beiden doch allein. Als sie mich dann fragten, wie ich sie daten würde, trieb es mir dann etwas die Schamesröte ins ohnehin bereits von der Sonne gefärbte Gesicht. Nach einem Foto, welches eine der beiden von uns machen wollte, zog ich von dannen, ich entschloss mich dann doch lieber, mir noch einen von den Skyrs zu holen.

GOPR0373Nach insgesamt sechs Stunden Aufenthalt brach ich ziemlich erschöpft gegen 17 Uhr auf in Richtung Unterkunft in Reykjavík. Ich fand das Gríma Guesthouse auch auf Anhieb und man empfing mich sehr herzlich. Dort sollte ich zwei Nächte verbringen. Ich schaffte all mein Gepäck ins Zimmer, schließlich musste ich schon langsam ans Packen denken. Agnes, die Inhaberin, erklärte mir, wo ich in der Küche was finden könnte und wir unterhielten uns über meinen bisherigen Islandaufenthalt. Außer mir waren noch drei Damen aus Birmingham und London in der Unterkunft. Diese kamen just in dem Moment vom Einkaufen zurück. Auch mit diesen verstand ich mich auf Anhieb. Da sie ihren ersten Tag auf Island hatten, fragten sie mich aus, welche Anlaufpunkte sie denn auf jeden Fall anfahren sollten.

GOPR0377Da der Aufenthalt in der Blauen Lagune doch sehr anstrengend war, unternahm ich an diesem Abend nichts mehr. Meine Aktivitäten besschränkten sich auf das Schreiben des Blogs sowie dem Schauen einer Episode der Gilmore girls (Staffel 1, Episode 11 *g*). Recht bald fiel ich ziemlich geplättet ins Bett. Der kommende Tag würde nicht sehr viel an Programm mit sich bringen, in erster Linie stand Reykjavík auf dem Plan. Also... gute Nacht... góda nótt.

Mit dem achten Tag nähert sich das Ende meiner Islandreise mit großen Schritten. Doch solange diese noch nicht komplett vorüber ist, genieße ich jeden Augenblick in vollen Zügen. Auch an diesem... ähm... Mittwoch!! (man muss an freien Tagen immer wieder überlegen, welcher Wochentag ist) lachte die Sonne vom winterlichen Islandhimmel und bescherte mir so langsam aber sicher erste Färbungen im Gesicht. Aber Urlaub wäre schließlich nicht Urlaub, wenn es nicht genau so wäre, oder? :)

1DX 0847Laut meinem Plan hätte ich heute lediglich einen Ausflug ins Thingvellir vor mir gehabt. Grundsätzlich fuhr ich von Selfoss aus auch erst einmal in diese Richtung. Etwa 50 Kilometer trennen Selfoss von dieser faszinierenden Stätte am gleichnamigen See, dem Thingvallavatn. Dass die kürzeste Strecke über die Straße 36 führt, die nur spärlich geräumt war, verschlechterte meine Laune dabei aber nicht. Ich kam gut voran und man gewöhnt sich an das Fahren auf vereister Fahrbahn. Ich erzählte meinen Gastgebern immer, dass das Fahren im winterlichen Deutschland wesentlich schwieriger ist. Zum Einen dürfen in Deutschland keine Spikes auf den Reifen verwendet werden, die in Island gang und gäbe sind. Man hört dies schon am Abrollgeräusch. Ihr dürft euch jetzt keine 5 Zentimeter lange Stacheln vorstellen, die sich in den Asphalt bohren, es sind lediglich kleine Nupsies, die für ungleich mehr Halt sorgen.

Zum Anderen, und das ist meines Erachtens nicht weniger zu unterschätzen, freaken die Autofahrer in Deutschland aus, sobald nur eine Schneeflocke am Fallen ist. Dann herrschen Ausnahmezustände auf Deutschlands Straßen. Ich hoffe, ihr stimmt mir weitgehend zu. Meine Gastgeber lachten jedenfalls stets herzlich, wenn ich ihnen bildlich davon berichtete. "Wanna learn driving in winter? Come to Iceland!". Ich bilde mir ein, nach mittlerweile 2.500 Kilometern den Dreh einigermaßen raus zu haben. Dennoch ließ ich die Vorsicht nie außer Acht, auch wenn bei erlaubten 90 Stundenkilometern, der eine oder andere Autofahrer (muss dann ein Isländer sein) mit gefühlten 30 km/h Überschuss an mir vorbei zieht. Aber gehupt hat wenigstens bis jetzt keiner.

5D4 3722So... es ging also ins Thingvellir. Nun bereits zum zweiten Mal, nachdem mich meine Reise zum Geysir und Gullfoss bereits daran vorbei führte. Ich berichtete bereits an Tag 4 Grundsätzliches über das Thingvellir. Für genaueres könnt ihr gerne im dazugehörigen Wikipedia-Eintrag nachlesen. Es ist aber immer wieder ein besonderes Gefühl, in diese Landschaft einzufahren. Ich entschloss mich, dieses Mal den oberen Parkplatz anzufahren, auch wenn ich befürchtete, dass dort 272 Busse und 4.812 Autos stehen würden, welchen 1.2 Millionen Touristen entsteigen würden.

Dem war aber bei weitem nicht so, trotz der eigentlich besten Reisezeit von 14 Uhr. Ich stellte mein Auto ab und berappte ein zweites Mal 500 Kronen für das Parken. Auf den etwa 100 Metern zur Aussichtsplattform kamen mir nur eine Handvoll Personen entgegen. Dann folgte der Blick ins Tal... einfach herrlich. Die Sicht in die Weite, auf die Berge im Hintergrund, den markanten fünf Häuschen im Tal mit der Thingvallakirkja, der zerklüfteten, von Furchen und Rissen durchzogenen Landschaft... der Blick schweift nach rechts auf den riesigen See. Dort könnte man Stunden verbringen, ohne dass es langweilig werden würde.

Bereits von weitem konnte ich erkennen, dass drei Busse am Anrollen waren. Also beschloss ich, mich auf den Weg zu machen. Ich hatte vor, das Thingvellir etwas zu Fuß (!) zu erkunden. Also lief ich die Allmannagjá (die Allmännerschlucht) hindurch. Dort fanden vor über 1.000 Jahren die jährlichen Volksversammlungen statt. Der Marsch durch die Schlucht ist sehr beeindruckend, ragen die Felswände links und rechts teilweise doch gut zwanzig Meter in die Höhe. Wegweiser verrieten, wo die nächsten Sehenswürdigkeiten gelegen sind. Im Hinterkopf hatte ich, den Öxarárfoss und die Thingvallakirkja zu besichtigen. Insgesamt sollten dies etwa fünf Kilometer Fußmarsch bedeuten.

5D4 3739Der Weg zum Wasserfall erwies sich anfangs als recht einfach. Lediglich die letzten 200 Meter waren teilweise spiegelglatt und ich konnte einige unachtsame Touristen Bekanntschaft mit Gravitation und Erdboden machen sehen. Auch die Spuren im Schnee verrieten genau, wo es einen in die Waagrechte gelegt hatte. Ich grinste jedes Mal dabei, musste aber zusehen, nicht selbst zu diesem Publikum dazuzugehören. Man musste einfach tierisch darauf achten, wie man einen Fuß vor den nächsten setzen würde. Neben all den Spuren säumten links und rechts der Wege Schriftzüge den Schnee. Viele verewigten ihre Anwesenheit im Eis, zumindest solange, bis es abtauen würde :).

5D4 3733Ich konnte dann aber auch der Versuchung nicht widerstehen und präparierte eine kleine Fotosession im Schnee. Hierzu holte ich den mitgenommenen Danbo (das "Amazon-Kartonmännchen") heraus und probierte etwas herum. So etwas macht sich immer gut als Titelbild für ein Fotobuch. Zwei ältere Damen beobachteten mich dabei und anscheinend gefiel ihnen, was sie da sahen. Sie unterhielten sich auf jeden Fall herzlich mit mir. So... nachdem Danbo symbolisch im Schnee versenkt worden ist, setzte ich meinen Weg zum Öxarárfoss fort. Ich konnte ihn schon hinter der Schlucht hören, zu sehen war er jedoch noch lange nicht. 600 Meter sollten es laut Wegweiser noch sein.

Da war er dann... ich war zunächst allein und konnte sowohl Fotos machen, als auch den Anblick und die Anwesenheit genießen. Der Wasserfall ist nicht besonders hoch, aber man kann den fallenden Wassermassen recht nahe kommen. Schade, dass es dort keine Bank zum Setzen gibt, denn dann wäre die Entspannung noch besser gewesen. Ich stellte mir diesen Ort als Aufnahmekulisse für eine Fotosession vor, des nachts, während der Himmel grün und lila im Schein der Nordlichter funkelt. Ich zog dies auch durchaus in Erwägung, sollte ich die kommende Nacht ja ohne Unterkunft im Auto verbringen. Doch ein Blick auf die WetterApp ließ mich den Gedanken verwerfen, für die Nacht waren Wolken im Thingvellir angekündigt.

Meine Gedanken wurden durch das Anrücken einer Horde Touristen unterbrochen. Genau jene Sorte, die einen fremdschämen lässt. Ein Rudel von etwa sieben Personen jüngeren Alters, teilweise nur mit Jogginghose und T-Shirt bekleidet kam lauthals angeschlichen. Dass dabei die ausgewiesenen Pfade verlassen wurde, dürfte ja selbstredend sein. Man begab sich sogar auf die vereisten Felsen und Eisschlossen fast komplett unterhalb des Wasserfalls, nur um Pose für ein Foto zu stehen. Dass diese Schießbudenfiguren dann natürlich die komplette Szene und Andacht zerstörten, dürfte klar gewesen sein. Zum Glück hatte ich meine ruhigen Momente und konnte den Ort dann auch zufrieden verlassen :).

5D4 3760Der gleiche Weg, der mich zum Wasserfall führte, führte auch zur Kirche. Doch dieses Mal musste ich an den glatten Stellen besondere Vorsicht walten lassen, denn es ging bergab. So kam zur ohnehin quasi überhaupt nicht vorhandenen Haftreibungskraft auch noch Hangabtriebskraft hinzu... eine gefährliche Kombination. Doch alles ging gut. Sowohl Mensch als auch Technik blieben unversehrt. Auf dem Weg zur Kirche waren immer wieder solche gefährlichen Stellen vorhanden. Schließlich war ich auf den letzten Metern zur Kirche. Ein kleines, gemütliches Gebäude mit Friedhof. Nebendran fünf kleine Häuschen. Ich weiß nicht, was sich darin befindet. Aber Wohnen wäre darin sicher sehr nett. Andererseits würden mir die vielen Menschen auf den Geist gehen :).

Nach etwa vier Stunden Aufenthalt und 100 gemachten Bildern begab ich mich zurück zum Auto. Die Blase forderte noch ihr Recht ein und ich suchte eine Porzellanabteilung auf. 200 ISK sollte der Besuch kosten, zahlbar bequem mit Kreditkarten oder 2 x 100 ISK Stücken. Es war sogar offensichtlich eine Person dafür eingstellt worden, den Bezahlvorgang und Funktionstüchtigkeit der Geräte zu garantieren. Dafür waren die Toiletten aber auch in einem tadellosen Zustand, trotz der Masse an Touristen, die diese im Minutentakt aufsuchten.

5D4 3767So... goodbye Thingvellir. Schön wars, ergiebig wars. Eine kurze Verschnaufpause, Essen und Trinken im Auto. Ein Blick auf die Uhr verbunden mit dem Gedanken "was machste nu?" ließ mich weitere spontane Ideen sammeln. So kam ich zu dem Entschluss, aufgrund des guten Wetters noch einmal zum Seljalandsfoss zu fahren. Auch die etwa 120 Kilometer bis dorthin ließen mich nicht abschrecken. Ich wollte unbedingt ein Bild des Wasserfalls mit untergehender Sonne im Hintergrund haben. Zeitlich würde es genau hinhauen, also begab ich mich auf den Weg.

Die Fahrt war absolut unproblematisch, die Straßen waren frei. Am Seljalandsfoss angekommen, freute ich mich, dass dort gerade mal nur noch fünf Autos und ein Bus standen. Teilweise waren diese gerade im Begriff, den Wasserfall zu verlassen. Bis zum Sonnenuntergang hatte ich noch 30 Minuten, so dass ich meine Kameratasche packte und mit dem Stativ losgegegangen bin. Die etwa 200 Meter Wegstrecke bis hinter den Wasserfall entpuppten sich als weitaus gefährlicher als beim ersten Besuch. Durch die wesentlich kälteren Temperaturen gefror das aufgespritzte Wasser augenblicklich und verwandelte die ohnehin unwegsame Strecke in eine Rutschpartie. Teilweise beförderte ich mein Stativ mit den Füßen auf dem glatten Boden, damit ich mich mit beiden Händen festhalten konnte. Eine mit entgegenkommende Touristin meinte auf englisch, dass es nass sei, der Weg sich aber lohnen würde. Ach nee...

5D4 3798Hinter dem Wasserfall angekommen und ca. 150 Liter Wasser absorbierend, fand ich ein recht windstilles, trockenes Plätzchen, an welchem ich Stativ und Kamera aufbaute. Doch die mitgenommenen Tücher und Tüten kamen trotzdem zum Einsatz, um Kamera und Linsen weitgehend wasserfrei halten zu können. Eine asiatische Touristin kam mir entgegen und meinte nur "you're brave, sir". Ja... ich will ja auch was für meine Fotos tun. Außerdem stand sie ja selbst in der riesen Sauerei. Wenn das Wasser wenigstens warm gewesen wäre, hätte ich gerne auch Eintritt dafür bezahlt :).

Doch trotz der widrigen Umstände konnte ich mein fotografisches Bedürfnis erfüllen. Der Blick auf die untergehende Sonne hinter den Wassermassen war einfach umwerfend. Zurück am Auto stellte ich fest, dass ich mittlerweile allein am Seljalandsfoss war. Ich warf den Motor an, zog die triefend nasse Jacke aus und breitete sie zum Trocknen im Kofferraum aus. Auch die mit etwa 16 Litern Wasser vollgesogenen Schuhe zog ich aus und legte sie zum Trocknen in den Fußraum des Beifahrersitzes bei voll laufender Heizung, was sich als gute Idee erwies, denn während der 110 Kilometer langen Autofahrt zum nächsten Stop trockneten diese fast völlig.

5D4 3815Ich entschloss mich also, eine weitere Strecke zu fahren, damit ich am nächsten Morgen nicht mehr so lange unterwegs sein müsste. So begab ich mich schon grob zurück in Richtung Reykjavík. Bereits unterwegs zeigten sich am dunkel werdenden Himmel Nordlichter. Diese waren teilweise sehr hell. Ich fuhr eine Seitenstraße hinein und hielt kurz an. Ich konnte sehen, wie ein Auto nach dem anderen teilweise direkt auf der Ringstraße anhielt. Die Insassen stiegen aus und wollten ebenfalls das Spektakel der Nordlichter beobachten. Ich machte trotz nassen Füßen Aufnahmen, nach etwa 20 Minuten jedoch entschloss ich mich, meine Fahrt fortzusetzen.

Als Ziel wählte ich die Strandarkirkja, etwa 45 Kilometer südlich von Reykjavík. Dort stellte ich mein Auto ab und schlief erst einmal eine Runde. Dann färbte sich der Himmel plötzlich wieder grün: Nordlichter! Nach einigen Aufnahmen an der Kirche, die auch des nachts hell erleuchtet ist, fuhr ich einige Kilometer weiter, um unter dunklem Himmel zu stehen. Dort machte ich noch eine Handvoll weitere Bilder, legte mich aber kurz danach endgültig schlafen, denn es war ein recht anstrengender Tag. Knapp 300 Kilometer Autofahrt, 10 Kilometer Wanderung, da merkt man, dass man was erledigt hat :).

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1DX 0777Hallo zusammen... heute hatte ich mit über 400 Kilometern die längste Etappe vor mir. Konkret bedeutete dies den Start vom "Wendepunkt meiner Reise" in Höfn an der Südostküste Islands zurück in Richtung Reykjavík. Doch ganz verschlägt es mich noch nicht in die Haupstadt, schließlich habe ich noch drei Tage Aufenthalt in Island vor mir :). Diese lange Etappe führt mich ein zweites Mal an all den Sehenswürdigkeiten vorbei, die ich bereits auf meinem Weg entlang der Ringstraße passiert hatte. Ich plante dieses ursprünglich als Chancenaufwertung, falls auf dem ersten Hinweg das Wetter oder sonstige Einflüsse mir nicht wohlgesonnen sein sollten. Dies entpuppte sich jedoch zum Glück als irrelevant :).

1DX 0789Mit diesem Wissen wachte ich am Morgen auf. Mein ursprünglicher Plan hatte einen Start um 7 Uhr vorgesehen. Da ich die meisten Solls jedoch schon weitgehend zu meiner Zufriedenheit erfüllen konnte, drehte ich mich nochmal im Bett um. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten nahm ich auch Heidas freundliche Einladung zum Frühstück an. Die anderen anwesenden Gäste aus Japan waren gerade fertig geworden mit Frühstücken, so dass ich mit Heida, ihrer Enkelin und dem Hund Fonn allein war. Wir plauderten dabei etwas und sie war hellauf begeistert von den Fotos der Nordlichter, die ich in der Nacht machen konnte. Sie fragte, ob sie mir eines davon als Poster gegen Bezahlung zusenden könne. Ich bot ihr an, ein Bild per Mail zu schicken, das sie sich dann so groß ausdrucken kann, wie sie möchte. Sie konnte es nicht glauben und schenkte mir eine selbstgemachte Seife mit eingearbeiteter Vulkanasche. Hat sicher einen netten Peelingeffekt :).

1DX 0798Das Frühstück war sehr gut. In Island gibt es einige nette Brotaufstriche, so eine Art Käseaufstrich mit Schinkenstückchen darin. War auf jeden Fall sehr lecker. Nach dem Frühstück packte ich mein Zeug zusammen. Die Sonne lachte vom absolut wolkenlosen Himmel herab. Ich dachte da an das Sprichwort "wenn Engel reisen..." :). Um kurz vor Mittag, also fast fünf Stunden nach der planmäßigen Abfahrt, trat ich meine 400 Kilometer lange Reise an. Zuerst fuhr ich ein paar Kilometer weiter in Richtung Vestrahorn, einem sehr fotogenen Bergmassiv. Ich begnügte mich jedoch mit Bildern aus den eher ungewohnten Perspektiven. Für einen angeblich besten Blick muss man auf die Stokksnes Halbinsel fahren/laufen, welche sich im Privatbesitz befindet und der Besitzer neuerdings 600 Kronen verlangt. Das wäre zwar nicht viel gewesen, ich habe dieses Vorhaben trotzdem verworfen. Unterwegs legte ich dennoch unzählige Fotostops ein. Dementsprechend viele Bilder sind am Ende des Tages heraus gekommen :).

1DX 0805Auch an der Jökulsárlón Gletscherlagune hielt ich noch einmal kurz an. Wie erwartet tummelten sich auf dem Hauptparkplatz bereits Hunderte von Touristen. Auf "meinem" Nebenparkplatz, den ich wieder direkt angefahren bin und jedem Islandreisenden nur wärmstens empfehlen kann, waren es mit mir jedoch lediglich fünf Personen. Die klassische Ansicht von auf dem Wasser treibenden Eisbergen -die man von dieser Stelle ebenso gut hat wie vom danebenliegenden Parkplatz- hatte ich auch überhaupt nicht im Sinn. Ich wollte den Vatnajökull aus großer Nähe fotografieren. Details aus der Nähe von Gletschern faszinierten mich schon beim letzten Besuch mit Timm im Jahre 2015. Hinzu kam das fantastische Licht und der satt blaue Himmel. Insgesamt hatte man fast den Eindruck, auf einem fremden Planeten zu sein.

1DX 0819Aus diesem Grunde habe ich mir als weiteres Ziel den Svinafellsjökull ausgesucht. Der Name bedeutet ins Deutsche übersetzt "Schweineberggletscher". Knappe 60 Kilometer Fahrt liegen zwischen dem Jökulsárlón und dem Svinafellsjökull. Diese Strecke war keinen Meter lang langweilig. Die letzten paar Meter vor dem Gletscher führten über eine holprige, zum Teil von Eis und Schnee bedeckte Piste, die aber selbst mit nur wenig vorhandenen driving skills gut zu bewerkstelligen war. Man muss nur aufpassen, in der richtigen Frequnz über die Schlaglöcher zu fahren, andernfalls fliegt das lose Zeug im Auto rum :). Zu meiner Überraschung befanden sich weitere etwa fünf abgestellte Fahrzeuge dort. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sich keiner dorthin verirren würde. Aber gut... der Gletscher ist ja groß genug :)

1DX 0817Ein paar Hundert Meter Fußmarsch führen in Richtung Gletscher, an welchen man je nach Bedarf quasi beliebig nahe kommen kann. Dies wurde wohl auch zwei jungen Deutschen im Jahre 2004 zum Verhängnis, die seit einem Besuch seit dieser Zeit vermisst werden. Überall warnen Gefahrenschilder vor rutschigen Stellen und möglichen Steinschlägen. Ein Fall in eine Gletscherspalte kann bei Unachtsamkeit gar nicht so unwahrscheinlich sein. Mir wurde etwas mulmig bei der Vorstellung, dass irgendwo in meiner Nähe in einer Spalte seit 13 Jahren die Überreste von zwei damals 25-Jährigen liegen würden... Dementsprechend ließ ich besondere Vorsicht walten.

Der erste Trip führte mich wirklich extrem nahe an die faszinierenden Strukturen des Gletschers heran. Besonders gut erkennbar waren die Einschlüsse von schwarzer Vulkanasche. So konnte man bestens erkennen, mit welchen Schichten der Gletscher über viele Jahrhunderte gewachsen sein musste. Besonders dicke und schwarze Schichten entsprechen Jahre mit Vulkanausbrüchen... Geologie, Glaziologie und Vulkanismus hautnah zum Erleben. Ein tolles Gefühl. So etwas ziehe ich jedem Gammelurlaub am Strand vor! Dann ging ich zurück zum Auto und legte dort die Kameraausrüstung ab. Dafür kam noch die Drohne zum Einsatz. Schließlich hatte ich eine Erlaubnis dafür und ausnahmsweise wehte mal fast kein Wind. Schon auf dem Bildschirm der Fernsteuerung konnte ich erkennen, dass die Eindrücke aus der Luft nochmal ganz andere sein würden. Ich habe das Bildmaterial noch nicht gesichtet und werde dies auch erst zu Hause tun. Ich bin darauf sehr gespannt. Hinzu kommt die Vorstellung, dass am selben Ort der Blockbuster "Interstellar" teilweise gedreht wurde und zwar die Szenen, die auf Dr. Mann's unwirtlichen Eisplaneten spielen (ach nee... *g*).

1DX 0824Dann ging es weiter die Ringstraße entlang. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, kaum entgegenkommende Touristen. Je mehr ich mich jedoch in Richtung Vík i Mýrdal näherte, desto "dichter" wurde der Verkehr. Zunächst fuhr ich am Örtchen Kirkjubaejarklaustur vorbei. Einem Örtchen, für dessen Namen sogar die isländischen Namensschilder zu kurz sind. Nach weiteren 70 Kilometern erreichte ich schließlich Vík i Mýrdal zum zweiten Mal während meiner Reise. Dieses kleine Örtchen ist immer wieder schön,, egal zu welcher Tageszeit oder zu welchem Wetter. Natürlich ist es am schönsten, wenn die gegend in tolles Sonnenlicht eingehüllt ist.

1DX 0831Dort tankte ich jedoch nur kurz und schmälerte meinen Wurstbestand. Schließlich verdirbt so etwas ja auch irgendwann und ich wollte kein Risiko eingehen, mir auf Island mitten im Nirgendwo den Magen zu verderben :).

Ich machte bei dem kurzen Zwischenstop also lediglich ein Foto der hübschen Kirche, während der Zapfhahn den Tank des Mazda mit Diesel vollpumpte. Danach fuhr ich auch gleich weiter in Richtung Dýrholaey, der Halbinsel mit dem bekannten Felsbogen, dem Leuchtturm und dem Blick auf die schwarzen Strände. Hierfür muss man mit noch einmal etwa 20 Minuten Fahrt von Vík aus rechnen.

1DX 0833Die Halbinsel selbst ist dabei recht groß. Mehrere Schilder weisen darauf hin, dass dies ein Vogelpark ist. Insbesondere die Papageientaucher können in den Sommermonaten hier beobachtet werden. Den Winter über befinden sich diese jedoch auf dem offenen Meer, so dass vogeltechnisch hauptsächlich Möwen unterwegs waren. Aus der Ferne waren dabei wenige Touristen erkennbar, war die erstaunlich schneefreie Gegend um Vík um diese Uhrzeit (18 Uhr) durch die tiefstehende Sonne in ein fantastisches, warmes Licht gehüllt. Oben auf dem höchsten Punkt der Halbinsel sah dies dann aber wieder anders aus. Etwa 20 Fahrzeuge waren dort geparkt, ein Gedränge kam jedoch keines auf, ist der Platz da oben doch sehr weitläufig.

5D4 3645Der Blick auf den Felsbogen war schon sehr imposant. Dieser war durch die untergehende Sonne in ein wahnsinniges Licht getaucht. Auf dem Felsen tummelten sich Tausende von Möwen. Es herrschte eine dementsprechende Geräuschkulisse. Auch das Felsmassiv, auf welchem der Leuchtturm stand und der Blick nach unten in die Weite auf den schwarzen Strand... unbeschreiblich schöne Eindrücke, die kaum in Worte oder Bilder zu fassen sind. Man muss es einfach selbst erlebt haben. Ich freue mich auf jeden Fall über das wahnsinnige Glück, was das Wetter betrifft.

5D4 3655Nach einigen Bildern und vor allem Momenten des Genusses brach ich weiter auf in Richtung Unterkunft in Selfoss. Immerhin hatte ich noch etwa 120 Kilometer vor mir. Das Navi sagte etwas von eineinhalb Stunden Fahrt. Ich schrieb meiner Gastgeberin, dass ich um etwa 20 Uhr eintreffen würde. Diese Zeitangabe konnte ich auch recht gut einhalten und ich traf um etwa 20 Uhr in Selfoss ein. Selfoss ist ein kleines Städtchen mit etwa 6500 Einwohnern und damit für isländische Verhältnisse eine kleine Großstadt :). Von hier aus kommt man auch in einer Stunde nach Reykjavík. Es liegt also sehr günstig an der Ringstraße. Und es gibt hier einen KFC :).

5D4 3714Dort erwarteten mich Asthildúr und ihr Mann. Alt wurde ich an diesem Abend nicht, war ich von der langen Fahrt, der vielen Sonne und den gewonnenen Eindrücken doch recht erschöpft. Auch die angekündigten Nordlichter konnten mich nicht dazu bewegen, dem Bett fern zu bleiben. So... soviel zum siebten Tag meiner Reise. Der achte Tag würde mich panmäßig ins Thingvellir bringen, um dort eine weitere Nacht im Auto zu verbringen. Aber aufgrund meiner Flexibilität würde es doch etwas anders kommen :)

 

5D4 3601 mSo... Tag 6 ist nun auch vorbei. Nach einer abwechslungsreichen Nacht an der Jökulsárlón Gletscherlagune mit einigen Polarlichtern, führte mich mein Weg weiter ins etwa 80 km entfernte Bjarnanes in der Nähe von Höfn. Dies sollte der "Wendepunkt" meiner Reise sein. Doch ich fuhr nicht los, ohne vorher ein Bild der Gletscherlagune bei Tageslicht sowie den "Diamond beach" besucht zu haben. Die vom Vatnajökull abgekalbten Gletscherbruchstücke treiben auf der Lagune entlang in Richtung Meer, wo sie durch eine nur wenige Hundert Meter breite Enge hinaustreiben. Dieses nur sehr kurze Stück hat einen eigenen Namen, nämlich die "Jökulsá". Auf dem offenen Meer angekommen, werden die Eisberge von teilweise beträchtlicher Größe doch recht schnell kleingemahlen beziehungsweise stranden gleich wieder, so dass die Bruchstücke angeschwemmt am schwarzen Strand herumliegen.

1DX 0735 mWie Diamanten auf schwarzem Samt liegen sie da. Klarstes Gletschereis ohne jegliche Trübungen, lediglich Einschlüsse von Vulkanasche sorgen für Abwechslungen. Eisblöcke in allen Größen, Varianten, Form- und Farbgebungen sorgen für volle Speicherkarten der Kameras. Dementsprechend waren hier einige Fotografen unterwegs. Jeodch weit weniger als auf der anderen Seite der Straße an der Gletscherlagune. Es war etwa 10 Uhr, das ist die Anreisezeit aus den umliegenden Orten und Unterkünften.

1DX 0745 mWeiter ging es in Richtung Höfn. Etwa 30 Kilometer vorher gibt es eine Abzweigung zum Fláajökull, einem weiteren Gletscher, an welchen man vergleichsweise nahe herankommen kann. Von der Abzweigung sind es noch 8 Kilometer holprige Schotterpisten, bis man den nächstmöglichen Parkplatz zum Gletscher erreicht hat. Von dort aus sind es noch einige Hundert Meter zu Fuß, die einen zunächst über eine etwa 30 Meter lange Hängebrücke über einen Fluss führen. Ich fühlte mich dabei etwas wie Indiana Jones, ganz wohl war mir nicht dabei, hinzu kam noch der unerträglich starke Wind. Wenn jetzt Handy, Schlüssel oder sonst was runterfallen würden, hätte ich ein riesiges Problem gehabt...

1DX 0769 mIch schaffte es denoch wohlbehalten, am Gletscher anzukommen. Außer mir verirrten sich noch einige Andere dorthin. Der Wind war teilweise so stark, dass ich kaum die Kamera ruhig für ein scharfes Foto halten konnte. Unterwegs teilte mir Heida, die gastgeberin meiner nächsten Unterkunft noch mit, dass ich gerne ab sofort schon kommen könne, da ihr letzter Gast sehr früh abgereist sei. Das kam mir sehr gelegen, da ich mich nach der Nacht im Auto doch ziemlich stark nach einer Dusche sehnte. Also begab ich mich zurück zum Auto und brach die letzten 30 Kilometer zur Unterkunft auf.

5D4 3605 mZunächst erledigte ich in Höfn jedoch einige Einkäufe und tankte das Auto voll. Ich war um 12:30 Uhr dort, es musste gerade Mittagspause einer ind er Nähe befindlichen Mädchenschule stattgefunden haben. Auf jeden Fall wimmelte es in dem Supermarkt von Mädels, die sich für ein paar Kronen ihr Mittagessen kauften.

Um etwa 13 Uhr war ich dann in Heidas Unterkunft angekommen. Es empfing mich eine überaus freundliche Dame, deren gute Bewertungen mir bei AirBNB aufgefallen sind. Sie erfüllten sich ausnahmslos alle als wahr.

mazdaDie Unterkunft war wirklich außerordentlich gut und die Gastgeberin und ihr Mann extrem freundlich und zuvorkommend. Sie machten mir am Abend sogar etwas Warmes zu essen, was bei Buchungen über AirBNB eigentlich nicht üblich ist. So kamen wir auch sehr gut ins Gespräch. Es war sehr angenehm. Heida bot sogar an, mich zu wecken, falls es Polarlichter geben würde.

5D4 3619 mDas war aber gar nicht nötig, denn die Polarlichter erschienen recht früh am abend, so dass ich mich gleich fertig machen und losziehen konnte. Ich wollte erst zum Fláajökull fahren, da dieser eine schöne Kulisse für Fotos abgeben würde, aber der starke Wind würde das zunichte machen. Daher war die Standortwahl sehr schwierig, überall herrschte starker Wind. Doch ein paar Kilometer hinter Höfn in Richtung Vestrahorn fand ich eine recht ansehnliche Stelle. Es ist am Allmannaskardpass, wo jetzt ein 1.300 Meter langer Tunnel durch das Bergmassiv führt. auch dort wehte ein heftiger Wind. Ich musste das Stativ festhalten, dass es nicht umkippte und einigermaßen scharfe Aufnahmen gewinnen zu können.

5D4 3627 mLetztendlich war ich jedoch sehr zufrieden mit den Ergebnissen, so dass ich nach etwa 30 Minuten den Heimweg antrat und auf keine weitere Polarlichtaktivität abwartete. Zuhause angekommen sichtete ich zufrieden das Bildmaterial und ging dann auch recht schnell schlafen, denn am nächsten Tag erwartet mich eine Mammutetappe zurück nach Selfoss mit über 400 Kilometern Fahrtstrecke. Gute Nacht und bis morgen!

5D4 3402 mDa ich wie bereits gestern erwähnt im leichten Rückstand mit dem Anliefern der Reiseberichte bin, und ich von dieser aktuellen schönen Unterkunft noch nicht wirklich weg will und mein Tagesplan sehr flexibel ist, schreibe ich gleich früh morgends am Bericht zu Tag 5. Es ist jetzt 08:30 Uhr. In Deutschland denken die meisten Arbeitenden sicher schon an die Mittagspause, mit wem sie sie verbringen oder was sie essen werden. Hier ist es schon hell, absolut blauer Himmel. Leider auch jetzt noch geht dieser unerbittliche Wind, der gerne mal heftig am aufgestellten Fotostativ zerrt.

Tag 5 begann am frühen Morgen mit einem kleinen Schock. Ich stellte meinen Wecker planmäßig auf 7 Uhr, da ich einiges vor hatte. Ich habe sehr gut geschlafen, bin jedoch das eine oder andere Mal aufgewacht und jedesmal war draußen dieser heftige Wind zu hören. Rausgeschaut habe ich jedoch nciht, sondern habe mich tief in mein warmes Bettchen gemümmelt. Als schließlich der Wecker das Ende der gemütlichen Nacht bereitete, stand die morgendliche Pflege an, die Utensilien und Wechselwäsche hatte ich ja am Vorabend (zum Glück) mit in die Unterkunft genommen. Dann die Sachen zusammengepackt und auf dem Weg zum Auto. Ja... wo is denn das Auto...? Schon als ich die Tür aufmachte, dachte ich mir "oh... ist der Boden über nacht einen halben Meter höher geworden?" Ja, isser. Es hat heftigst geschneit und das Auto (welches ich am Vorabend bei zwei anderen Autos abgestellt hatte), war auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen.

5D4 3374 mEs versteckte sich unter einem sprichwörtlichen Haufen Schnee. Zum Glück schon in startfertiger Montur, befreite ich das Auto von Schne und Eis, und das bei anhaltendem Schneefall und dem bösartigen Wind. Keine angenehme Sache. Der Diesel des Mazda kam nur schwer in die Gänge, daher dauerte es auch recht lange, bis die Scheibenheizungen ihren Dienst verrichteten und die Scheibenwischer wieder zum Leben erweckten. Das Ganze dauerte eine gute halbe Stunde. Während dieser Zeit, in welcher die Heizung warm wurde, schaute ich die Straßenkonditionen an und siehe da... die Ringstraße ist (mal wieder) gesperrt. Ich befand mich zwischen den beiden Orten Selfoss und Hella mitten in der Sperrung. Aus Richtung Reykjavík kommend waren alle Straßen unpassierbar. Auf der Webseite road.is ist deutlich zu erkennen, welche Windgeschwindigkeiten bei welchen Temperaturen herrschen und auch wo sich gerade der Schneepflug befindet. Offensichtlich gab es aber eine Strörung, denn die Angaben aktualisierten sich nicht wie sonst. Also begab ich mich nach dem Freischaufeln des Autos zurück in die Unterkunft. Zwischenzeitlich waren auch die anderen wach. Steingrimur, der Hauseigentümer und auch das Pärchen aus Kalifornien, die sich das Káfholt Guesthouse als Unterkunft für die Dauerihres Urlaubs gemietet hatten. Von dort aus starteten sie jeweils ihre Tagestrips. Auch eine gute Möglichkeit. Bei einem heißen Tee unterhielten wir uns angenehm.

5D4 3420 mNach etwa einer Stunde sagte road.is, dass die Straße nach Hella wieder frei sei. Sodann begab ich mich auf den Weg, nicht aber ohne vorher zu fragen, wie es schneetechnisch mit der etwa 2 Kilometer langen Auffahrt vom Gästehaus auf die Ringstraße aussieht. Da beruhigte mich Steingrimur und meinte, dass der Bulldog den meisten Schnee schon weggeräumt habe. Ok, das sollte dann kein Problem sein. "If there's snow, don't stop, or you're stuck", meinte er als wahrscheinlich gut gemeinten Rat. Na toll... ich bleibe zwar im Fahren, rolle aber in einen Wasserfall hinein oder wie?

5D4 3471 mOhne Probleme kam ich auf die Ringstraße. Nach ein paar Kilometern wurden die Bedingungen wesentlich besser, der Schneepflug leistete ganze Arbeit, so dass das Fahren absolut keine Probleme bereitete. Die erlaubten 90 km/h waren gut zu fahren. Da ich aber nicht als einziger von der Sperrung betroffen war, sondern auch die Millionen Touristen, die bis dahin auch in Reykjavík fest saßen, keimte in mir die Hoffnung, als einer der ersten an meinem ersten Tagesziel zu sein: dem Seljalandsfoss. Die 50 Kilometer bis dort hin begegneten mir etwa drei Fahrzeuge auf der Ringstraße. Am Wasserfall angekommen, erfüllte sich mein Wunsch weitgehend. Es standen lediglich drei Autos da. In ungewohnter Gemütlichkeit konnte ich meine Fotos machen. Am Seljalandsfoss ist es möglich, hinter den 66 Meter hohen Fall der Seljalandsá zu wandern und quasi unter dem Wasserfall hindurch nach draußen in die Landschaft zu blicken. Durch dann trudelten nach und nach weitere Besucher ein, zunächst nur Individualreisende, später dann die berüchtigten Busse voll Asiaten (das ist nicht abwertend gemeint, ich mag Kultur aus dem asiatischen Raum und ich liebe Godzilla, aber als Touristen sind diese Menschen einfach eine Zumutung!).

5D4 3502 mMit total nasser Kamera, Stativ und Jacke kam ich wieder unter dem Wasserfall hervor. Etwas abseits von dem mittlerweile großen Trubel ließ ich die Drohne aufsteigen und filmte das Schauspiel von oben. Zuvor versicherte ich mich, ob irgendwo Verbotsschilder angebracht waren. Ich konnte keine entdecken. Der Seljalandsfoss und Skógafoss wären die beiden einzigen Örtlichkeiten gewesen, an welchen ich keine offizielle Genehmigung gehabt hätte. Aber wahrscheinlich machte ich mir einfach zu viele Gedanken, denn bisher habe ich an jeder Sehenswürdigkeit eine Drohne rumfliegen sehen. Und ich glaube kaum, dass die Piloten sich um eine Erlaubnis bemüht hatten.

Genug Seljalandsfoss, die Fahrt führte mich weiter an den nur 30 Kilometer entfernt liegenden Skógafoss. Das ist bis dato mein absoluter Favorit. Über 60 Metrer tief stürzt das Wasser der Skóga auf eine Breite von 25 Meter eine Felskante hinab. Das Faszinierende ist, dass man auch an diesen Wasserfall fast beliebig nahe hinkommen kann, je nach individueller Mut- und Wasserfestigkeitsgrenze. Ich beließ es bei etwa 5 bis 7 Metern. Fotos kann man in dieser Entfernung ohnehin keine vernünftigen gewinnen, da einem gefühlte 25 Liter Wasser pro Sekunde entgegenrieseln. Lediglich die GoPro Kamera nahm ich auf diese kurze Distanz mit :).

5D4 3507 mAuch zum Skógafoss fanden die zahlreichen Touristen langsam ihren Weg, doch diese verteilen sich weitläufiger auf dem Areal, so dass die Menge gar nicht so sehr auffällt. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen, welche Bilder ich an diesem Wasserfall machen möchte. Und dafür stand die Sonne leider noch zu niedrig: eine Felskante warf einen großen Schatten auf den Wasserfall, so dass ich noch eine Weile hätte waten müssen. Also entschloss ich mich kurzerhand um und begab mich auf den Weg zum nur 1 Kilometer entfernt liegenden Kvernufoss. Die Wegbeschreibungen im Internet dazu waren gut, doch es stand nirgends, wo ich mein Auto hätte abstellen können. Also ging ich ins Skógar Museum und fragte dort eine nette, junge Dame, die mir sehr freundliche Ausunft gab. Es hat nur noch gefehlt, dass sie mich zum Wasserfall begleitet hat.

Also ging ich zu Fuß los. Nach ein paar Metern muss man eine Trittleiter über einen Zaun klettern. Auf der Koppel standen Pferde. Ich hoffte nur, dass die mich nicht töten würden, von Pferden hörte man schon so manche Dinge ;). Doch diese waren sehr friedlich und ließen sich sogar streicheln und fotografieren. Nach 100 Metern quer über die Weide kam ich auch schon zur Kverna, dem Bach, an welchem das Wasser am gleichnamigen Wasserfall ein paar Hundert Meter weiter oben hinabstürzt. Auch unter der Schneedecke konnte ich den Pfad problemlos ausmachen. Zwischendrin gab es jedoch einen kleineren etwas steilen Anstieg, aber alles war ohne Probleme möglich. Man hört das Rauschen des Wasserfalls schon aus der Ferne, sieht ihn aber noch nicht. Erst nach dem Passieren eines Felsens, zack! Da isser!

So erreichte ich den Kvernufoss und verbrachte dort fast zwei Stunden -allein! Ohne weitere Touristen. Denen ist der Weg wahrschienlich einfach zu weit. Wie beim Seljalandsfoss ist es möglich, hinter den Kvernufoss zu wandern. Dabei kommt man diesem jedoch wesentlich näher als dem Seljalandsfoss. Auch hier macht einem der Sprühnebel als Fotograf etwas zu schaffen, man schafft es aber problemlos, schöne Bilder zu machen. Neben all der Fotografie habe ich mir aber versprochen, vor allem eins zu tun: Genießen! Einfach dastehen und die Eindrücke wirken lassen. Und allein dafür hat es sich gelohnt, den Fußmarsch auf mich zu nehmen.

Seit ich den Skógafoss verlassen hatte, sind gute zwei Stunden vergangen. Ich begab mich daher auf den Rückweg, in der Hoffnung, dass sich die Lichtsituation verbessert hat. Ein kurzer Halt am "Skóga Restaurant" führte mich zu einer dringend erforderlichen Toilette. Ich möchte ja nicht für noch einen Wasserfall in Island sorgen. Die Touristensituation hatte sich auch etwas entspannt, war es zwischenzeitlich schon nach 14 Uhr. So konnte ich meine geplanten Bilder machen und auch die Drohne kam nochmals zum Einsatz. Skógafoss: check!

5D4 3518 mIch begab mich auf die Weiterfahrt. Da ich am Kvernufoss mehr Zeit beansprucht hatte, als ich eingeplant hatte, entschloss ich mich kurzerhand, einige Etappen des Tages auszulassen. Nächster obligatorsicher Stop wäre Vík i Mýrdal, die kurz zuvor gelegenen Standorte Reynisfjara und Dyrholaey strich ich aus der Liste. Zum Dyrholaey (Schlüssellochfelsen) würde ich eventuell bei der Rückfahrt von Höfn vorbei schauen. In Vík angekommen erwartete mich das wie gewohnt kleine verschlafene Örtchen. Ein kurzer Besuch in einem Laden und was zum Essen zur Stärkung und es ging weiter in Richtung Tagesziel: der Jökulsárlón Gletscherlagune.

Auf dem Weg dorthin liegt der Fjadrargljufur Canyon. Dieser liegt eigentlich gut erreichbar an der Ringstraße. Eigentlich... eine etwas steilere Abfahrt und die Warnungen von vier Touristen, dass kurz zuvor ein 4x4 Geländewagen stecken geblieben ist, ließen mich das Auto auf einem Parkplatz etwa 1 Kilometer vor dem Canyon abstellen. Da die vier Touristen, einem Mädel aus England und einem Pärchen und einer Freundin aus Irland ebenfalls zum Canyon wollten, schlossen wir uns kurzerhand zusammen. Auf dem Weg dorthin kamen wir ins Gespräch und tauschten uns aus.

5D4 3534 mDer Besuch am Canyon selbst war recht kurz, da die Sonne bereits untergegangen war und das Licht unheimlich wurde. Mit Straßenbeleuchtung habens die Isländer ja ohnehin nicht so und schon gar nicht an Straßen fernab der Ringstraße. Also begaben wir uns wieder zu unseren Autos, tauschten noch Kontaktdaten via Facebook aus und unsere Wegge trennten sich wieder. Für mich hieß es dann noch weitere 120 Kilometer zur Jökulsárlón Gletscherlagune. Je weiter man sich dabei von Reykjavík entfernt, desto leerer werden die Straßen. Es scheint, als würde Vík i Mýrdal dr am weitesten angefahrene Punkt von Tagestouren aus Reykjavík zu sein. Danach beginnt das touristische Nichts. Dies bestätigten die leeren Straßen, etwa alle zehn Minuten kam mir mal ein Auto entgegen.

5D4 3543 mZwischenzeitlich war es dunkel. Als ich an der Gletscherlagune ankam, war es etwa 21 Uhr. Dieser Punkt zieht dann doch noch mal ordentlich Touristen an. Auf dem Hauptparkplatz tummelten sich etwa 30 Fahrzeuge. Es herrschte reger Hektikverkehr. Autos auf, Autos zu, Blinker an, Blinker aus, Taschenlampenfuchteln, Geschrei asiatischen Ursprungs, Rumrennerei... etwas viel Hektik in meinen Augen. Schlafen wäre dort fast nicht möglich gewesen. Also habe ich wieder den Vorteil ausgenutzt, für mich selbst zu sein und habe schlicht den Standort gewechselt auf einen etwa 500 Meter entfernten Parkplatz, der schlicht nicht in den Touristen- und Reiseführern eingezeichnet und auch nicht gut ausgeschildert ist. Man muss aus Richtung Vík kommend einfach VOR der Brücke links auf den Parkplatz biegen. Und da war ich dann auch fast allein. Zwei Autos standen da, ebenfalls Fotografen, die auf Nordlichter warteten.

Die Nordlichter kamen später dann auch kurz. Während der ganzen Zeit war im Norden ein schwach grünlich glimmender Bogen am Himmel auszumachen. Dieses wurde von Zeit zu Zeit stärker und es gab etwas Auroraaktivität. Diese hielt ich natürlich trotz der Kälte fest. Es kam mir sehr gelegen, dass zum Einen der Wind und zum anderen die Bewölkung zunahmen, während gleichzeitig die Nordlichtaktivität zurück ging. Dies deutete ich als Zeichen, mich Schlafen legen zu können :). Das tat ich dann auch. So... dann bis zum nächsten Mal, wenn es mich nach Höfn führt.

aurora js

5D4 3270 mIch melde mich hiermit mit dem vierten Hauptteil meines Resieblogs zu Wort. Entschuldigt bitte, dass ich zwei Tage im Verzug bin. Aber die Fülle an Eindrücken, das (mir selbst) auferlegte "Programm" und der eine oder andere unvorhersehbare Zwischenfall sowie die Übernachtungen im Auto lassen mir kaum Zeit zum Schreiben. Ich muss ja auch noch irgendwann schlafen. Aber nun genug der Worte, hier der vierte Tag.

Ich nächtigte im Grábrók Guesthouse ganz in der Nähe einiger alter Vulkankrater. Mein Plan war eigentlich, den gleichnamigen Krater zu besteigen und vor allem mit der Drohne zu überfliegen. Aber aufgrund der späten Ankunft am Vorabend sowie extrem starken Windes strich ich den Krater kurzerhand aus meinem Vorhaben. So erfreute ich mich vor allem am Abend der heilen Ankunft und ruhte mich aus. Am nächsten Tag war eine frühe Abfahrt geplant. Auch die erste Etappe, der Kerid-Krater, ließ ich aus den gleichen Gründen wie den Grábrók-Krater aus, der Wind war einfach zu stark. Hier habe ich aber noch später die Möglichkeit, das spontan nachzuholen, da ich ein paar Tage später nochmals in die Gegend des Kerid-Kraters kommen werde. Mein erstes Etappenziel sollte also der Strokkur Geysir sein. Nach einem Zwischenstopp in Borgarnes an der Küste, fuhr ich weiter in Richtung Reykjavík. Ich überlegte kurz, den Fjord entlang zu fahren und am Glymur vorbei zu schauen, verwarf das dann aber aufgrund der Fülle meines Tagesprogramms und nahm letztendlich den "Hvalfjardargöng" -also den Tunnel. Kurz vor der Einfahrt machte ich einen Halt und entsorgte meinen Müll in einem Container. Es ist nicht gerade ein schöner Anblick, am frühen Morgen einen kotzenden Asiaten zu sehen, aber ihm war die Fahrt und eventuell das Wetter nicht so bekommen, so dass er an der gleichen Stelle ebenso einen Zwangsstopp machen musste.

5D4 3275 mMit einem kleinen Trauma fuhr ich durch den Göng (lol) vorbei an den Millionen Blitzern darin (wehe, es schimpft nochmal jemand über die Blitzer in Bad Mergentheim) und kam schließlich urz vor Reykjavík raus. Doch kurz vorher muss man links abbiegen in Richtung Thingvellir. Von dirt aus sind es lediglich 40 km. Das Thingvellir ist ein großer Nationalpark mit dem gleichnamigen See: Thingvallavatn. Eigentlich wollte ich das Gebiet auf dem Weg zum Geysir nur durchfahren, aber aufgrund des schönen Wetters und nur eines kleinen Umwegs entschied ich mich dann doch dazu, Thingvellir (gesprochen "think-vet-lir" mit dem englischen th) zu besuchen. Eintritt kostet es ja keinen. Im Thingvellir wurden bereits vor über 1.000 Jahren Volksversammlungen abgehalten. "Thing" bedeutet altisländisch "Volksversammlung".

1DX 0678 mAlso fuhr ich einen der Parkplätze an. Eine der Neuerungen gegenüber meinem letzten Besuch in 2015 war nun die "Parkscheinlösepflicht". 500 Kronen kostet ein Parkticket, das sind umgerechnet 4 Euro, bezahlbar bequem mit Kreditkarte. Ich plante zwar keinen langen Aufenthalt, aber bevor mein Auto von Thors Hammer zerschlagen werden würde, löste ich einen Parkschein. Das schöne Wetter ausnutzend, lief ich eine ganze Weile, ehe sich aus Richtung Küste eine Schneefallwand ankündigte. Ich erinnerte mich an den Spruch "Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach 5 Minuten". Dieser Spruch hat auch in umgekehrter Reihenfolge Gültigkeit: "Wenn das Wetter gut ist, beeil dich, denn du hast nur 5 Minuten". So in etwa wars dann auch. Heftiger Schneefall setzte ein, der viele Besucher, und auch mich, zum Aufbruch bewegten. Aber nach 5 Minuten war auch dieser vorbei, im Laufe der weiteren Fahrt herrschte wieder bestes Winterwetter.

5D4 3281 mIch näherte mich dem Strokkur im Hochtemperaturgebiet des Haukadalur. Schon etwa 15 Kilometer vorher war durch die Lüftung des Autos ein eindeutiger Schwefelgeruch wahrnehmbar. Und bevor dem Leser jetzt unkeusche Gedanken durch den Kopf schwirren: der Geruch kam von AUSSEN! Dann war er da: der Parkplatz vor dem Geysir. Und mit ihm etwa elf Millionen weitere Touristen. Ich erwischte genau die Hauptzeit um etwa 14 Uhr. Auch Google Maps vermeldete "außergewöhnlich viele Besucher" des Strokkur. So fuhr ich kurzerhand zum nur 10 Kilometer entfernten Gullfoss, dem goldenen Wasserfall. Dort war etwas weniger los. Verständlich, denn die Touristenfahrten starten für gewöhnlich von Reykjavík und Umgebung und klappern eine Sehenswürdigkeit nach der anderen ab. Am Gullfoss war ich dem Hauptstrom offensichtlich ein paar Minuten voraus. Hier machte ich also ein paar Bilder des goldenen Wasserfalls, der von einem Regenbogen verziert war. Die rötliche Farbgebung am oberen Bildrand rührt von einem sogenannten Farbverlaufsfilter her, der nur dem oberen Bildteil eine Farbgebung verleiht. Mir hat das ganz gut gefallen, also hab ichs so gelassen :). Der Weg zurück führte mich wieder am Geysir vorbei. Dort war die Besuchersituation unverändert, so dass ich ich dazu entschloss, den Geysir erst mal auszulassen. Auch hier könnte ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zurückkehren.

5D4 3336 mDie nächste Etappe führte mich zum etwa 70 km entfernt gelegenen Hjalparfoss. Der eine oder andere wird sich jetzt vielleicht fragen, weshalb ich wegen ein bisschen fallenden Wassers solche Fahrtstrecken auf mich nehme. Ich habe mich für diesen Wasserfall entschieden, weil er eben aufgrund der Entfernung außerhalb der Reichweite der Touristen liegt. So kam es dann auch. Zudem haben mich die Bilder im Internet angesprochen und somit wollte ich selbst einmal Fotos davon machen. Als ich dort ankam, stand nur ein einziges Auto am Parkplatz, der direkt am Wasserfall liegt. Dieses Auto fuhr aber sogleich weiter, so dass ich allein war. Leider setzte zeitgleich heftiger Sturm und Schneefall ein. Ich dachte wieder an besagten Spruch mit den 5 Minuten. Allerdings waren es dieses Mal etwas längere 5 Minuten, so dass es eine gute halbe Stunde dauerte, bis ich den in etwa 70 Metern Entfernung liegenden Wasserfall wieder erkennen konnte. Zwischenzeitlich hielten vier Jugendliche am Wasserfall an, stapften ohne Jacke durch den Schnee, machten ein paar Fotos, johlten rum, ließen auch noch eine leere Getränkeflasche einfach so stehen und fuhren wieder davon. Muss man nicht verstehen, aber so ein Verhalten prägt dem Tourismus nicht gerade eine positive Marke auf. Also... den Hjalparfoss konnte ich mehr oder wenger erfolgreich ablichten. Leider machte die Lichtsituation nicht so mit, wie ich das gerne gehabt hätte, und ich wäre dort auch gerne mit der Drohne geflogen, aber auch hier mal wieder: der Wind...

5D4 3359 mWeiter ging es in Richtung Selfoss. Knapp 90 Kilometer Fahrt lagen vor mir, die bei bestem Wetter ohne Zwischenfälle verlief. Der eine oder andere Fotostopp musste bei dieser genialen Landschaft einfach sein. In Selfoss besprgte ich mir noch etwas Bargeld, gab dem Mazda und mir etwas zu futtern und fuhr in Richtung Unterkunft, dem "Kálfholt Guesthouse". Auf dem Weg dorthin und nur etwa 4 Kilometer davon entfernt, fiel mir die Wegweisung zum "Urridafoss" auf, zu welchem ich auch Bilder im Internet gesehen hatte. Ich rgriff die Gelegenheit, machte einen kurzen Abstecher dorthin und nahm ein paar Bildchen auf. Der Urridafoss, dessen Wassermassen des Flusses "Tjorsá" etwa 6 Meter tief fallen lässt und das auf eine Breite von 40 Metern, gilt als Islands wassereichster Wasserfall.

So... das wars bildertechnisch. Ich erreichte die Unterkunft und war ob der langen Fahrtstrecken ziemlich geschlaucht, so dass ich recht schnell das Bett suchte. Zum Glück nahm ich alle meine Habseligkeiten aus dem Auto mit in die Unterkunft. Weshalb, das erfahrt ihr im nächsten Teil meines Blogs :).

03 wald mDer dritte Tag war der bisher aufreibendste meiner Reise. Nachdem ich aufgrund der Sturmwarnung und damit verbundenen weiträumigen Straßensperrungen bereits um etwa 2 Uhr vom Kirkjufell in Richtung drittes Tagesziel auf der Vatnsnes Halbinsel losgefahren bin, legte ich nach etwa 130 Kilometern eine Pause ein und ruhte mich länger aus. Nachts fahren kann anstrengend sein. Lange Fahrten auch. Wenn es schneit kann es auch ermüdend sein. Und wenns windig ist, ist das auch nicht schön... So... wenn es jetzt aber nachts schneit und so stürmt, dass der Schnee waagrecht fällt und noch 140 Kilometer vor einem liegen, da macht man doch eher Pause. Gesagt, getan. Der Rastplatz -ein simpler Platz mit einer Holzbank- kam mir bekannt vor, vor zwei Jahren machten Timm und ich da meines Wissens Pipipause :).

01 hvitserkur mOhne Zwischenfälle kam ich auf der Vatnsnes an. Die letzten 30 Kilometer zum Hvitserkur Felsen sind über eine Schotterpiste zu erreichen. Es stürmte allerdings sehr. An ein Aufsteigen mit der Drohne war da nicht zu denken. Der Felsen bot jedoch einen spektakulären Anblick. Nach etwa einer halben Stunde trat ich die Rückreise an. Außer mir verirrten sich noch weitere drei Personen in einem Auto zu dieser Sehenswürdigkeit. Der etwa 15 Meter hohe Felsen mit dem Namen Hvitserkur, was so viel bedeutet wie "weißes Hemd", bekam seinen Namen aufgrund der weißen Färbungen von hinterlassenschaften von allerhand Fluggetier. Insbesondere Küstenseeschwalben hocken auf dem Ding drauf und sauen es ein. Diese Vögel nisten auch gerne am Boden und haben es zu Brutzeiten gerne auf arglose Touristen abgesehen. Sie legen dann ein äußerst agressives Verhalten an den Tag. Doch ich blieb an dem Tag verschont :). So machte ich mich schließlich auf den Heimweg. Nach etwa 100 Kilometern blinkte es jedoch schon von weitem sichtbar auf der Straße...:

05 n1 mDann geschah es... die Ringstraße wurde gesperrt. Ich war gerade auf Höhe von "Stadur", habe also gerade die Halbinsel verlassen, stand ich vor der Sperrung. Vor Fahrtantrit war die Sperrung noch nicht aktiv. Nun gut... ich fragte den Sperrmenschen, wie lange etwa mit der Sperrung gerechnet werden muss. Er meinte "irgendwas zwischen 21 Uhr und 22 Uhr". Toll... zu diesem Zeitpunkt war es gerade mal 13 Uhr. Ich hatte also die Wahl zwischen acht Stunden abwettern oder dem Suchen einer Alternativroute. Nun gut... immerhin war direkt daneben eine Tankstelle mit Restaurant. Verhungert wäre ich also nicht. An Benzinmangel gestorben auch nicht. Tod aufgrund verrissener Blase konnte auch ausgeschlossen werden, Toiletten waren vorhanden. Doch nach einer Nacht im Auto war mein Verlangen nach einer Dusche doch schon recht stark.

02 ponies mDennoch... es waren gemütliche Stunden. Nach und nach trudelten weitere Festgesessene ein, am Ende waren es etwa 20 Personen. Gespräche entstehen. "Woher kommt ihr?", "Wo geht ihr hin?" und so weiter... Eine sehr interessante Beschäftigung ist es auch immer, Asiaten im Ausland zu beobachten. Erstaunlich, immer wieder... Die Angestellten der Gaststätte bemüten sich und waren sehr freundlich, auch das Essen war gut. Es gab sogar kostenlos Getränke.

Doch nach vier Stunden entschloss ich mich dann doch, eine gefundene Alternativroute zu fahren. Regulär hätte ich noch 50 Kilometer vor mir gehabt. Die Alternativroute war mit 95 Kilometer knapp doppelt so lang. Mir war auch klar, dass es vereiste Schotterpisten sein würden. Dennoch wagte ich es. Die ersten 15 Kilometer waren völlig problemlos. Doch dann ging es los. Schotte, Schlaglöcher, Schneematsch, geneigte Fahrbahn, Gegenverkehr und noch der Sturm. Die etwa 40 Kilometer von hinter Bordeyri bis Budardalur stehen auf meiner Liste der "worst road experience" ganz weit oben, noch vor der C 14 von Solitaire nach Walvisbaai im Jahre 2013.

Dennoch... ich kam heil am Grábrók Guesthouse an. Bei Ankunft bekam ich mit, dass die Straßensperrung aufgehoben wurde. Ich freute mich nur auf die Dusche und dann aufs Bett. Die nette Dame an der Rezeption fragte auf Englisch, ob sie mir helfen könne. Ich gab mich zu erkennen und meinte dann nur "wir können auch deutsch reden". Na prima... mitten im Nichts eine Deutsche, die ein Gästehaus betreibt :).

04 schneestrasse mSie zeigte mir die Unterkunft, ich ging dann noch etwas unter die Leute in der daneben liegenden Bar. Man kommt bei so etwas auch immer mit irgend jemandem ins Gespräch. Doch alt wurde ich gestern nicht. Aufgrund der langen Wartezeit während der Sperrung gibt es vom dritten Tag auch nur wenig lohnenswerte Bilder.

Ansonsten führt mich der vierte Tag in landschaftlich sehr interessante Gebiete wie den Gullfoss Wasserfall oder ins Thingvellir am Thingvallavatn. Mehr dazu dann im nächsten Blog :).

tag02 borgarneskirche mSo... nachdem die Ringstraße wegen Sturms gesperrt ist (mehr dazu im Blog zu Tag 3) und ich hier im Café direkt neben der Sperrung mehr als genug Zeit habe, komme ich dazu, die Bilder von gestern zu sichten und zu bearbeiten. Eine Auswahl dazu werdet ihr hier sehen können. Der gestrige zweite Tag begann mit der Abfahrt aus Reykjavík. Ziel der Etappe sollte am Abend der Berg Kirkjufell sein, der norödstlich der Snaeffelsnes Halbinsel liegt. Schon beim letzten Islandurlaub nächtigte ich dort und konnte zusammen mit Timm Ansätz von Polarlichtern sehen. Ich plante und hoffte, dass es dieses Mal besser klappen würde. Und...? Hat es geklappt? Seht ihr nachher :).

Die geplante Route führte mich erst unter dem Hvalfjördur hindurch. Ja... "unter" ist korrekt. Die Ringstraße in Richtung Westfjorde führt durch einen etwa sechs Kilometer langen Tunnel unter dem Fjord hindurch. Der Tunnel hört auf den anmutend klingenden Namen "Hvalfjardargöng" und liegt an der tiefsten Stelle 165 Meter unter dem Meeresspiegel. Man merkt auch deutlich, dass es steil hinab geht. Am Scheitelpunkt angekommen, geht es ebenso steil wieder nach oben. 1.000 Kronen -also etwa 8 Euro- kostet der Spaß, wenn man nicht aufpasst, unter Umständen auch mehr, denn gefühlt etwa alle 250 Meter sind Starenkästen installiert, die teure Fotos von einem machen können :). Ich blieb aber wenigstens davon verschont, so dass es bei den 1.000 Kronen blieb. Man kann alternativ zu dem Tunnel auch den Hvalffjord entlang fahren, muss dann allerdings 60 Kilometer Umweg in Kauf nehmen.

tag02 hraunfossar02 mDie Maut entspricht in etwa dem Benzinverbrauch, bringt allerdings einen erheblichen Zeitvorteil. Andererseits bietet einem die Fahrt den Fjord entlang fantastische landschaftliche Anblickem unter anderem kommt man am Glymur vorbei, einem Wasserfall in einem Canyon. Ein Ausflug dort hin hat etwas von Abenteuerurlaub. Ursprünglich plante ich den Glymur als Zwischenstopp. Da ich allerdings in 2015 bereits mit Timm dort war, entschied ich mich für ein anderes Ziel: die Hraunfossar (ch'röin-fossar, "Lavafälle").

Nach einem Tank- und Raststopp begab ich mich also auf den Weg zu den Hraunfossar. Diese Wasserfälle (ja, Plural) "stürzen" auf eine Breite von etwa 700 Meter unter einem erkalteten Lavafeld hervor. Das Wasser des Flusses Hvitá läuft unterirdisch und tritt an der Stelle der Hraunfossar wieder hervor. Man erkennt deutlich das etwa 1.000 Jahre alte Lavafeld, welches auf den Namen "Hallmundarhraun" hört. An diesen Wasserfällen sah ich die ersten Touristen überhaupt. Das ist das Gute an der Winterzeit: man ist weitgehend allein an den Sehenswürdigkeiten. Etwa fünf Autos befanden sich vor Ort. Freundliche Menschen vor Ort runden das Urlaubsgefühl ab, es entstehen ungezwungen Gespräche, vor allem unter Fotofreunden. Man merkt den sich gegenseitig musternden Blick und einer macht immer den Anfang bei einem Gespräch :).

tag02 snaeffelsnes mNur einen Steinwurf von den Hraunfossar entfernt liegt der "Barnafoss" ("Kinderwasserfall"). Einer isländischen Sage nach stürzte ein ehemals über die Fälle gehender Steinbogen ein und kostete zwei Kindern das Leben. Wenn man sich den Wasserfall anschaut, spreche ich dem dort Reingefallenen auch wenig Chancen zu, lebendig da wieder raus zu kommen. An den Hraunfossar ließ ich auch erstmals die Drohne steigen. Die Luftbilder werde ich allerdings separat einstellen.

tag02 budir01 mMein weiterer Streckenplan führte mich auf die Snaeffelsnes Halbinsel. Die Halbinsel ist benannt nach dem gleichnamigen Vulkan, dem Snaeffelsjökull. Dort begann im Roman von Jules Verne die "Reise zum Mittelpunkt der Erde", einer meiner Lieblingsfilme, Romane lese ich nicht so gerne :). Bereits die Anfahrt begeisterte mich. Der namensgebende Vulkan lag weitgehend wolkenfrei im Licht der abendlichen Sonne. Auch der vorgelagerte "Stapafell", der besonder schön vom kleinen Fischerörtchen Arnarstapi aus zu sehen ist, beeindruckt durch Form und Nähe. Arnarstapi gehört zur Gemeinde "Snaefellsbaer" und hatte zu Glanzzeiten 147 Einwohner laut Wikipedia. Genaue aktuelle Angaben finden sich nicht, aber ich stellte jetzt auch keine großen Anstrengungen an, danach zu suchen :).

Vor dem Besuch in Arnarstapi machte ich halt an der "Budakirkja", einer einzeln im Feld stehenden Kirche, kurz vor der Halbinsel. Das vorhin genannte Örtchen Arnarstapi gehörte auch zu einem meiner Stopps. Ein starker Wind wehte und machte es teilweise sehr schwer, Bilder vom Stativ aus zu gewinnen. Am Parkplatz wird man von einer gewaltigen Statue von Bárdur Snaeffelsás empfangen, ein etwa fünf Meter hohes Kunstwerk des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson. Bárdur stellt eine isländische Sagenfigur dar.

tag02 arnarstapi01 mSehr interessant ist die Küstenformation von Arnarstapi. Der Atlantik brescht hier mit voller Gewalt an die Basaltsäulen. Das Zusammenspiel der Kräfte von Wasser und Wind lassen einen da recht klein erscheinen. Hier kommt sehr deutlich der Ursprung Islands zum Vorschein. Man kann den Vulkanismus fast allgegenwärtig spüren, insbesondere durch solche Basaltfelsen. Ich würde gerne mal einen Zeitraffer von der Entstehung Islands sehen oder wie die Insel bzw. die Kontinentalplatten auseinander driften. Schließlich sind es jedes Jahr 2 Zentimeter, die die eurasische Kontinentalplatte sich von der nordamerikanischen Platte entfernt.

tag02 arnarstapi03 mMein Weg führte mich einmal um die Halbinsel herum. Ich durchquerte das Örtchen Òlafsvík und passierte später schließlich den Kirkjufell. Bevor ich dort mein "Nachtlager" errichtete, betankte ich noch schnell das Auto und erledigte kleine Einkäufe im nahegelegenen Örtchen Grundarfjördur. Dann fuhr ich einen Parkplatz an (nicht DEN Parkplatz mt den Wasserfällen), an welchem ich die Nacht im Auto verbringen wollte.

Ein Blick auf die Aurora-App sagte mir, dass die Aktivität für Nordlichter in der kommenden Nacht vielversprechend seien. Allerdings kamen aus Richtung Landesinnerem immer wieder starke Schneestürme herein. Diese dauerten etwa 15 Minuten an, ehe diesen stets ein paar Minuten lang klarer Himmel folgte. So leuchteten einige durchaus eindrucksvolle Nordlichter durch die Wolkenlücken. Dies bedeutete für mich natürlich, etwa alle 15 Minuten aus dem warmen auto auszusteigen, das Fotozeug aufzurödeln und einige Bilder zu machen. Nach ein paar Malen ließ ich das Stativ einfach draußen stehen. Ich vertraute den etwa acht Chinesen im Bus hinter mir, die anscheinend ebenfalls auf Polarlichtjagd waren, enn auch sie stiegen bei jeder Sichtbarkeit aus und erfreuten sich lautstark an der Erscheinung.

tag02 kirkjufell mGegen 1 Uhr in der Nacht gab es dann weder Polarlichtaktivität noch Wolkenlücken. Gleichzeitig las ich im Internet eine Sturmwarnung der "Icelandic Road and Coastal Administration". Am folgenden Tag, also am Freitag sollten heftige Stürme den Südwesten des Landes heimsuchen mit Böen bis 130 km/h. Daher entschloss ich mich spontan, um etwa 01:30 Uhr die Zelte am Kirkjufell abzubrechen und mich mitten in der Nacht in Richtung nächstes Etappenziel, dem Hvitserkur Felsen auf der Vatnsnes Halbinsel aufzumachen. Dieses Ziel liegt in etwa 250 km Entfernung zum Kirkjufell. An einem etwa auf halber Strecke gelegenen Parkplatz stellte ich mich jedoch letztendlich ab und machte eine Pause bis 7 Uhr am nächsten Morgen, ehe ich mich vollends auf den Weg zum Hvitserkur machte. Die Bilder dazu gibt es im Blog zu Tag 3 meines Islandtrips :).

tag02 kirkjufellaurora mHier aber noch das "Bild des Tages", zumindest war es mein Highlight, das Polarlicht über dem Kirkjufell. zeitweise war der komplette Himmel wolkenfrei, so dass ich mit meiner zweiten Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv noch weitere Bilder machte. Man kann vieles planen, auch bei einer solchen Fotoreise. Allerdings sind weder das irdische Wetter noch das Weltraumwetter vorhersagbar. Insbesondere in Bezug auf das irdische Wetter kann man recht schnell sehr alt aussehen, was sich heute, also am dritten Tag, gezeigt hat. Mehr dazu aber morgen :).