2019 09 19 (2)Anscheinend hatte die Sonne auch an Tag 5 keine Lust, für uns zu scheinen, der Himmel war wieder grau und teilweise regnete es auch. Also waren wir gezwungen, entweder wieder dunkle Höhlen oder Erdlöcher aufzusuchen, in welchen wir uns vor dem Regen verstecken konnten oder uns als Alternative der Bildung zu widmen und ein Museum aufzusuchen. Aber das ist eben Island und so versuchten wir, aus der Wettersituation das Beste zu machen. Bei jedem Wetter gibt es etwas zu erleben, so dass wir uns vom grauen Himmel keinen Strich durch die Rechnung machen ließen. Bei den vielen Wasserfällen ist es ohnehin an der Tagesordnung, nass zu werden... :)

2019 09 19 (2)Unser geplanter Weg sollte uns die Südküste entlang weiterführen, so dass wir uns für letzteres entschlossen haben. In Hvolsvöllur (gesprochen: kvols-vöt-lur) gibt es seit einigen Jahren mit dem „Lava Centre“ ein neuartiges und modernes Museum rund um Island und seinen Vulkanismus. Zwar ist der Eintrittspreis mit 3.590 Kronen pro Nase, also 26 Euro, recht teuer, doch im Nachhinein haben wir es nicht bereut. Islands Entstehungsgeschichte wird ebenso beleuchtet und visualisiert wie die Erklärung verschiedener Vulkan- und Lavatypen. Die prominentesten Vulkane Islands werden vorgestellt, wann sie zuletzt ausgebrochen sind und was die Folgen der Eruptionen waren. All das ist interaktiv und hochmodern. Es gibt auch einen „Earthquake corridor“, einen Gang, bei dessen Betreten und Nachdenken über den Namen sich schon ein etwas mulmiges Gefühl einstellt: nach dem Zufallsprinzip wird der Korridor durch Rüttelplatten durchgeschüttelt und so soll ein Erdbeben simuliert werden. Das Ganze wird untermalt von tiefem und lautem Grollen aus Surroundboxen, so dass man durchaus eine Vorstellung bekommen kann, wie sich so ein Erdbeben anfühlt.

2019 09 19 (2)Die Zeit verging wie im Fluge und so haben wir uns eineinhalb Stunden im Museum aufgehalten. Hvolsvöllur liegt kurz vor dem bekannten Wasserfall Seljalandsfoss, welcher direkt an der Ringstraße liegen. Unser Primärziel für diesen Tag war der weniger bekannte Kvernufoss, ein Wasserfall der Kverná, die keine zwei Kilometer östlich des ebenfalls sehr bekannten Skógafoss etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt.

Ähnlich dem Seljalandsfoss kann man hinter dem Kvernufoss gehen und den Wasserfall quasi von hinten bestaunen. Für mich war dies nicht das erste Mal am Kvernufoss, bereits in 2017 habe ich diesen Ort aufgesucht. War ich vor zweieinhalb Jahren noch allein an diesem Wasserfall, pilgerten dieses Mal schon etwa 30 Personen über einen Zeitraum von einer guten Stunde dort hin. Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft noch etwas mehr werden, aber die Wanderung von etwa 800 Metern nehmen nur Kenner auf sich. Die Wanderung ist nicht schwierig und der Anblick der Umgebung ist einfach nur traumhaft. Jedoch werden sich hierher wohl kaum viele Bustouristen verirren.

Das Wetter war nicht optimal, jedoch war es zum Glück trocken, dass die DJI wieder ihre Runden fliegen durfte. Dabei sind sehr schöne Bilder und Videos herausgekommen.

Um etwa 17:00 Uhr haben wir in unserer Unterkunft in Ásólfsskáli eingecheckt. Dies ist nicht direkt eine Ortschaft, aber eine kleine Ansammlung von Gehöften und Häusern mit einer Kirche. Dies liegt zwischen dem Seljalandsfoss und dem Skógafoss am Fuße des Eyjafjallajökull in einer idyllischen Umgebung mit zwei weiteren kleinen Wasserfällen und einem Canyon. Die Unterkunft war in einem Bauernhof, der Pferde- und Schafzucht betreibt. Annika, unsere Gastgeberin, hat uns freundlich empfangen und uns wertvolle Tipps zur Erkundung der Umgebung gegeben. Am Abend haben wir uns lange unterhalten. Sie erzählte von ihrer Familie und wie sie den Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahre 2010 erlebt hatten.

2019 09 19 (2)An diesem fünften Tag sollte planmäßig nichts mehr gelaufen. Das übliche Laden aller Kameraakkus gehörte ebenso zum automatischen Tagesablauf wie das Sichten der Bilder. Doch abends haben wir uns kurzerhand entschlossen, die 65 Kilometer nach Vík í Mýrdal zu fahren, um die bekannte Kirche im Licht der Abenddämmerung zu fotografieren. Doch ein starker Wind machte es nahezu unmöglich, vernünftige Aufnahmen zu erhalten. Mit ausgebreiteter Jacke direkt über das Stativ gebeugt versuchten wir den störenden Wind abzuhalten. Es muss fast so ausgesehen haben, als ob sich Batman mit seinem Umhang schützend auf die Kameras stürzt...

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des fünften Tages:

Der Kvernufoss

Der Kvernufoss

Der Kvernufoss
   
Nebelverhangen    

Tag 6 auf Island und immerhin wurden wir mit ein paar Flecken blauen Himmels geweckt. Wir brachen früh auf, so dass wir noch vor 07:00 Uhr am 15 Kilometer entfernten Seljalandsfoss Wasserfall eingetroffen sind. Die leichte Bewölkung verfärbte sich rosa im Licht der Morgendämmerung und zauberte eine mystische Stimmung über die Umgebung. Außer uns waren lediglich sechs Schafe am Wasserfall zugegen. Andere Menschen waren noch nicht anwesend. Wir haben uns eine Weile fotografisch ausgetobt. Aber schon kurz nach 07:00 Uhr sind die ersten PKW angefahren gekommen und es dauerte auch nicht lange, bis die Touristenbusse aus Reykjavík angefahren gekommen sind.

Als es uns zu voll geworden ist, sind wir in Richtung Merkjárfoss gefahren. Dieser ist nicht weit vom Seljalandsfoss entfernt. Etwa vier Kilometer westlich des Abzweigs zum Seljalandsfoss muss man in die „250“ einbiegen und nach etwa 12 Kilometern Schotterpiste gelangt man an diesen schönen Wasserfall. Doch auch der Weg dort hin ist gesäumt von zahlreichen Fotomotiven. Vom Parkplatz sind es lediglich noch 50 Meter zu Fuß. Er besteht aus zwei Fallstufen, die untere davon kann auch wieder „hintergangen“ werden. Fast lädt die Szenerie zu einem Picknick hinter dem Wasserfall ein, doch es wird mit der Zeit dann doch etwas feucht und Nicole ist der Meinung, dass es da sehr eng sei :).

Ganz so schön war das Wetter nun nicht mehr, es hatte sich mittlerweile wieder etwas zugezogen, doch immerhin ist es trocken geblieben. Für den Rückweg haben wir eine andere Route genommen als für den Weg zum Merkjárfoss. Die „261“ führte uns wieder durch Hvolsvöllur, ehe wir dann von dort aus wieder auf die Ringstraße gelangt sind. Zahlreiche Schafe und Pferde sind neben und auf der Straße zu sehen, Fotomotive tun sich hier quasi alle paar Meter auf.

Wir gönnten uns eine Pause in der Unterkunft. Gastgeberin Annika hat uns empfohlen, in einen Canyon unweit des Hauses zu wandern. So starteten wir um 13:30 Uhr unsere Wanderung. Von Annikas genanntem Punkt aus soll man eine tolle Aussicht auf die Umgebung haben. Wir sollten jedoch auf die herabgetriebenen Schafe Acht geben: zum sogenannten „Réttir“ werden die Schafe aus dem Hochland zurückgeholt. Hierzu werden diese von Hütehunden „überredet“, ins Tal in ihre Stallungen zu kehren.

Die Wanderung war toll, sogar die Wolken hatten sich verzogen. Die Landschaft war in ein warmes Sonnenlicht gehüllt, so dass es wieder genügend Fotomotive gegeben hat. So kennt und liebt man Island!

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des sechsten Tages:

Der Seljalandsfoss

Der Seljalandsfoss

Der Seljalandsfoss
Bei Ásólfsskáli Bei Ásólfsskáli Bei Ásólfsskáli
Aus der Luft Aus der Luft Aus der Luft

An diesem siebten Tag wurden wir erwartungsgemäß wieder von einem bewölkten Himmel begrüßt. Da es nicht geregnet hat, waren wir jedoch nicht weiter eingeschränkt. Wir sind recht früh aufgebrochen, um unsere Reise weiter in Richtung Osten fortzusetzen. Nach 15 Kilometer legten wir einen unplanmäßigen Fotostopp am Skógafoss ein. Der Grund war lediglich der, dass zu dieser frühen Stunde keine oder nur wenige Besucher dort anzutreffen sind. Die Lichtbedingungen allein waren kein Grund für diesen Fotostopp, wir wollten den Wasserfall "für uns allein haben", was auch der Fall war. Außer uns waren noch drei weitere Personen anwesend.

Nach einigen wenigen Bildern setzten wir unsere Fahrt fort in Richtung „Dyrhólaey“, einem Felsen, der aufgrund seiner namensgebenden Form wie ein Schlüsselloch aussieht: der „Türlochfelsen“. Da der Aussichtspunkt auf den Felsen weit in den Atlantik ragt und sich auch etwa 100 Meter über die Umgebung erhebt, wehte ein starker Wind. Wegen der Drohne habe ich mein Anemometer, ein Windmessgerät, mitgenommen. Zeitweise gab es Windgeschwindigkeiten von 87km/h! Aufgrund des starken Windes haben wir nur eine kleine Runde am Aussichtspunkt gedreht. Die Aussicht war aufgrund der Bewölkung auch nicht sehr toll, so dass wir recht schnell in Richtung „Reynisfjara“, dem schwarzen Strand, gefahren sind.

Nach etwa 13 Kilometern haben wir den berühmten Schwarzen Strand erreicht. Der Parkplatz war schon sehr voll, was uns verwundert hatte. Trotz des starken Windes und des trüben Wetters haben wir uns hier eine ganze Weile aufgehalten. Die versteinerten Trolle, die Reynisdrangar, drei bis zu 60 Meter hohe Gesteinssäulen im Meer, sind auch bei ungünstigem Wetter einen Besuch wert. Der Wellengang war sehr hoch, so dass sich ständig hohe Wellen an den Säulen gebrochen hatten. Gischt spritzte in die Luft, weiße Wellen trafen auf den schwarzen Sand und starker Wind peitschte immer wieder groben schwarzen Sand umher. Da war schnelle Reaktion gefragt, denn Kameras und Objektive mussten abgedeckt werden, will man keine bleibenden Schäden auf den Glasflächen haben, umherfliegender Sand wirkt dann wie Schmirgelpapier. Trotz fehlendem Sonnenschein kamen wir jedoch auch hier fototechnisch auf unsere Kosten.

Zur Mittagszeit sind wir wieder in Vík í Mýrdal eingetroffen, was wir ja bereits am Vorabend besucht hatten. Vík ist ein kleines Städtchen, durch welches man unweigerlich fahren muss, wenn man der Ringstraße folgt. Mittlerweile mit 318 Einwohnern, zählt Vík eher zu der Kategorie „Dorf“ oder „Gehöft“. Dennoch gibt es hier alles, was man zum Leben braucht: Tankstellen, Apotheken, Einkaufscenter, Bekleidungsgeschäfte, Imbissbuden, Hotels und vieles mehr. Sogar einen Sportplatz gibt es. Wir essen zu Mittag und decken uns im Einkaufscenter mit neuen Vorräten ein. Vík bietet immer eine willkommene Gelegenheit für eine Pause.

Unweit von Vík í Mýrdal befindet sich etwa 3 Kilometer abseits von der Ringstraße die „Hjörleifshöfði“ und eine Halbhöhle, deren Umrisse von innen betrachtet an „Yoda“ aus Star Wars erinnert. Deshalb trägt die Höhle auch mehr oder weniger offiziell den Namen „Yoda cave“. Weil der Umweg nicht groß ist und eine Höhle bei jedem Wetter begangen werden kann, statteten wir der Höhle einen kurzen Besuch ab. Die geplante Wanderung über den Felsen haben wir nicht unternommen, da der Himmel mit einem Einheitsgrau übrzogen war. Eine spektakuläre Aussicht war demnach also nicht zu erwarten, so dass wir unseren Aufenthalt auf die Höhle beschränkt haben.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir den "Fjaðrárgljúfur“, einen Canyon, in welchen man nach einer kurzen Wanderung einen fantastischen Einblick hat. Auch hier spielt das Wetter kaum eine Rolle. Egal ob bei Sonnenschein, Bewölkung oder Schnee… der Blick in den Canyon mit dem darin fließenden Fluß „Fjaðrá“ ist immer einen Abstecher wert, zumal der Parkplatz am Canyon gerade mal 3 Kilometer von der „1“ entfernt liegt. Inklusive Wanderung zur Aussichtsplattform am Ende des Canyons und zurück sowie einigen Fotostopps haben wir eine gute Stunde Zeit benötigt. Der Canyon selbst verläuft leicht im Slalom, ist von grünen Moosen gesäumt, welche mit den grauen Felsen im tollen Kontrast stehen. Am Ende des Canyons gibt es auch einen interessanten Wasserfall.

Die Fahrt führte uns weiter nach Kirkjubæjarklaustur. Dort lag auch unsere nächste Unterkunft. Wir kamen auch zu früh an, so dass wir uns noch eine gute Stunde Zeit um die Ohren schlagen mussten. Der Himmel war noch immer sehr eingetrübt, mittlerweile setzte auch starker Regen ein, so dass es auch nicht viele Möglichkeiten zu Unternehmungen gegeben hat. Zwar hatten wir ursprünglich geplant, einen nahegelegenen Wasserfall zu besuchen, doch aufgrund des Regens hatten wir beide keine große Lust darauf: im Trüben liegende Wasserfälle hatten wir in den Tagen zuvor zur Genüge!

Eine kleine Sightseeing-Tour und ein Skyr-Imbiss im Auto und die Zeit war gekommen, um die Unterkunft in Kirkjubæjarklaustur zum Checkin aufzusuchen. Das Wetter machte für den Rest des Tages nicht mehr mit, so dass wir uns dazu entschlossen hatten, den Tag chillend ausklingen zu lassen. Dazu gehörte unter anderem das Betrachten von Katzenvideos auf Youtube :).

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des siebten Tages:

Schaf

Die Reynisdrangar

Die Reynisdrangar
   
Die Reynisdrangar    

Der Wetterbericht prognostizierte auch für den kommenden Tag keine wesentlichen Besserungen. So sind wir nicht wie geplant bereits um 06:00 Uhr aufgebrochen, sondern wir haben uns Zeit gelassen und haben die Unterkunft erst zwei Stunden später verlassen. Da zu diesem Zeitpunkt zumindest kein Wasser aus dem Himmel gelaufen ist, haben wir dem für den Vortag geplanten Stjórnarfoss einen Besuch abgestattet. Dieser wäre in toller Laufreichweite zur Unterkunft gewesen, es sollte aber nicht so sein, so dass wir kurz vor der Weiterfahrt ein paar Bilder mit der Spiegelreflexkamera und der DJI-Drohne gemacht haben. Ein Wasserfall, den ich auf jeden Fall nochmal besuchen würde.

Dann ging es weiter. Unterwegs immer wieder Wasserfälle, Moosfelder, Lavafelder und… Regen. Doch je näher wir dem Vatnajökull kommen, desto besser wird die Sicht, trockener wird es und… heller wird es, bis schließlich sogar die Sonne durchbricht. Eine Schotterpiste führte uns etwas weg von der Ringstraße. Dort haben wir etwas die Sicht auf den nahen Gletscher geworfen, viele Bilder gemacht und auch die Drohne durfte abheben.

Unsere Fahrt geht weiter. Mittlerweile sind wir an diesem achten Tag schon 300 Kilometer von Reykjavík entfernt. Während meiner Reisevorbereitungen habe ich immer häufiger vom Múlagljúfur gelesen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen Canyon, der mit einer etwas längeren Wanderung erreichbar ist.

Der verhangene Himmel war zwar nicht sehr einladend, dadurch könnte aber eine reizvolle Stimmung im Canyon entstehen. Kurz vor der Fjallsárlón Gletscherlagune müssen wir links abbiegen und etwa zwei Kilometer einer Schotterpiste folgen. Dann gelangt man an eine Art Deich, ein Flusslauf ist zu hören, aber durch den Deich nicht zu sehen. Von dort aus beginnt die Wanderung. Durch farblich markierte Pfosten ist der Pfad gekennzeichnet. Ein Wandern abseits des Pfades ist nicht zu empfehlen, da man sonst gleich auf dem sehr empfindlichen isländischen Moos landet. Das Laufen, Berühren oder gar Herausreißen des Mooses sollte auf jeden Fall unterlassen werden!

Nach etwa zwei Kilometern und der Überquerung eines kleinen Baches wird man mit einer fantastischen Aussicht auf den Canyon entlohnt. Ein schmaler Wasserfall, der Hangandifoss fällt in die Tiefe. Ein zweiter Wasserfall, der namensgebende Múlafoss, ist in dichtem Nebel gehüllt und nicht zu sehen. Dennoch gelingen uns tolle Aufnahmen. Die Drohne wurde direkt in den Canyon geflogen und lieferte beeindruckende Filmaufnahmen im Flug. Gerade noch rechtzeitig wurde das Kameraequipment eingepackt, dann setzte wieder Regen ein. Durch den ohnehin schon nassen Boden saugten sich meine mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogenen Wanderschuhe voll mit Wasser, welche ich vor Reiseantritt extra noch einmal imprägniert hatte. Der Rückmarsch zum Auto war nicht vergnügungssteuerpflichtig, ich kam mir vor, als würde ich barfuß durch die Prairie laufen… Am Auto angekommen, wechselte ich Schuhe, Socken und Hosen. In Islands dünn besiedelter Prairie ist das möglich, ohne dass neugierige Augen einen beobachten. Mittlerweile hatte der Regen zum Glück wieder aufgehört.

Weiter geht’s… Wir sind bereits unterhalb des größten Gletschers Europas, dem Vatnajökull mit seinen Gletscherzungen. Einige von ihnen reichen bis nahe ans Meer heran, unter anderem der Breiðamerkurjökull, dessen Eisbruchstücke als Eisberge in die bekannte Jökulsárlón Gletscherlagune abkalben. Diese teilweise hausgroßen Brocken treiben in den 18 km² großen See, ehe sie dann durch die Jökulsá, einen nur einen Kilometer langen Fluss ins Meer gelangen. Dort werden die Eisberge durch den Wellengang zerrieben und teilweise wieder an den schwarzen Strand angespült. Schließlich landen sie dann als klares Gletschereis auf dem schwarzen Sand Islands. Daher rührt der Name Diamond Beach, ein begehrtes Ziel für Fotografen, liegen die Eisbrocken doch wie funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt. Im Licht der tiefstehenden Sonne entstehen dadurch reizvolle Motive.

Mit der immer tiefer sinkenden Sonne verabschiedete sich auch das tolle Licht am Diamond Beach. Um 18:30 Uhr haben wir die letzte Tagesetappe in Richtung Höfn angetreten. Unsere nächste Unterkunft liegt in Nesjahverfi kurz vor Höfn. Bereits zum dritten Mal wählte ich die Unterkunft von Heiða Jónsdóttir. Ihr Haus ist umwerfend schön und sowohl sie als auch ihr Schnauzer Fönn sind so herzlich und lieb, dass ich ihre Unterkunft auch bei zukünftigen Islandbesuchen buchen würde. Zwei Nächte werden wir in Nesjahverfi sein. Die dortige Gegend ist besonders interessant. Zum einen ist das nahliegende Höfn ein verschlafenes, aber auch schönes Städtchen. Mit der Stokksnes und dem Vestrahorn Gebirgszug gibt es dort aber eines der fotografischen Highlights auf Island.

An diesem achten Tag haben wir unser Potential allerdings ausgeschöpft und haben nichts mehr unternommen, so dass wir recht früh schlafen gegangen sind.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des achten Tages:

Stjórnarfoss - making of

Der Stjórnarfoss

Der Stjórnarfoss
Der Stjórnarfoss Aus der Luft Wanderung
Wanderung Aus der Luft Portrait
Die Hofkirkja Im Múlagljúfur Am Diamond beach
Am Diamond beach Am Diamond beach Am Diamond beach
   
Am Diamond beach    

Tag 9 und wieder war der Himmel bedeckt, immerhin war es trocken. Wir fuhren nach Höfn zum Einkauf. Den Tag haben wir mit einigen Fototouren verbracht, unter anderem am Hvalnes Leuchtturm und am Bergárfoss in der Nähe von Nesjahverfi. Dies war ein Tipp von Heiða. Ein sehr schöner und interessanter Wasserfall, kommt man doch trockenen Fußes auch hier hinter den Wasservorhang und hat einen schönen Blick ins Tal. Die Drohne erhob sich auch hier, wurde aber von einer Küstenseeschwalbe angegriffen. Daher habe ich mein Fluggerät gleich wieder gelandet, ich will keine kaputte Drohne und keine zerfetzten Vögel haben :). Dennoch war es interessant zu beobachten, wie aggressiv das Verhalten einiger Vögel sein kann. Diese Schwalben greifen auch gerne Touristen an und attackieren diese mit ihren Schnäbeln.

Was nun tun? Ursprünglich hatten wir einiges vor an diesem Tag. Da es zwar bedeckt war, jedoch nicht regnete, entschlossen wir uns, auf die Stokksnes Halbinsel zu fahren. Kurz vor dem Almannaskarðsgöng, einem Tunnel, der durch das Vestrahornmassiv führt, biegt man rechts ab und hat noch etwa 4 Kilometer Piste vor sich, ehe man in einem Café Tickets für den kostenpflichtigen Zugang zum Bergmassiv lösen kann. Nach einigem Überlegen haben wir entschieden, Tickets zu lösen und haben uns gegen 18:00 Uhr auf dem Weg zum Vestrahorn gemacht. Was soll ich sagen… auf unsere Kosten sind wir nicht gekommen, das Bergmassiv lag in dichtem Nebel eingehüllt. Nur selten linsten Teile des Gebirges durch die Nebelbank.

Dennoch machten wir das Beste draus und haben einen Spaziergang am schwarzen Strand unternommen. Schwarze Dünen mit Buschbewuchs, Tümpel und Priele haben unseren Weg gesäumt und so wateten wir Meter um Meter durch das mystisch wirkende Land. Leider habe ich versäumt, unsere Route zu tracken, im Nachhinein hätte mich sehr interessiert, welchen Zickzack-Kurs wir gewandert sind. Eine gute Stunde dauerte unsere Wanderung, bis uns die einsetzende Dunkelheit wieder zu unserem Auto gezwungen hat. Der Rückweg war leicht unheimlich, der Nebel, die seltsame Lichtstimmung und nicht zuletzt jeder dritte Schritt, der einen geschätzte 20 cm tief in den matschigen Sand sinken ließ… das alles hatte einen leichten Tatsch von einem Horrorfilm. Doch schließlich schafften wir es heil zum Auto.

Am Abend unterhielten wir uns lange mit Heiða. Ihr Hund Fönn wich nicht von unserer Seite. Wir kochten noch Kartoffeln als Proviant für die kommenden Tage ab und erkundigten uns nach dem Wetter für den nächsten Tag. Noch ein weiteres Mal sollte die Islandkarte von lauter kleinen Regenwolkensymbolen gesäumt sein. Wir waren ja bereits daran gewöhnt, hätten aber auch nichts dagegen gehabt, wenn mal ein paar Sonnensymbole aufgetaucht wären. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch nicht gewusst, dass unser Wunsch bald in Erfüllung gehen sollte...

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des neunten Tages:

 

Bergarfoss

Stokksnes im Nebel  

Tag 10. Wir wurden geweckt von… Fönn. Ein Schaben vor der Zimmertür war zu hören und kaum war die Tür offen, saß er auch schon auf unserem Bett. Heiða hatte ein tolles Frühstück für uns vorbereitet. Sie selbst war zu dem Zeitpunkt bei ihrem alten Nachbarn, weil sie in Reykjavík ein Auto für ihn besorgen soll. Doch nach einiger Zeit ist sie doch noch gekommen, so dass wir uns von ihr verabschieden konnten. Wir haben ihr versprochen, wieder zu ihr zu kommen. In der gegend um Höfn wird uns zukünftig keine andere Wahl bleiben, als bei ihr vorbeizuschauen, was wir aber gerne machen werden.

Um etwa 08:00 Uhr sind wir aufgebrochen. Wir sind die Ringstraße weiter in Richtung Osten gefahren. Nach nur wenigen Kilometern hielten wir jedoch schon an und wollten den Skutafoss besichtigen. Dies ist ein Wasserfall, den man nach etwa zehn Minuten Fußmarsch erreichen kann. Hier fällt das Wasser schätzungsweise sechs Meter in die Tiefe. Aber auch hier gibt es eine Besonderheit: man kann in eine Halbhöhle hinter den Wasserfall laufen und hat auch hier eine tolle Aussicht und ein tolles Feeling, wenn das Wasser vor einem rauscht. Da das Wetter mal wieder sehr trüb ist, halten wir uns nicht sehr lange dort auf und sind schon um 09:00 Uhr auf der Weiterfahrt. Unsere Tagesetappe sollte 280 Kilometer betragen, unterbrochen von mehreren Wasserfällen wie dem Flögufoss und dem Folaldafoss. Aufgrund des schlechten Wetters beschränkten wir uns jedoch auf einen der beiden genannten Wasserfälle und konzentrierten uns auf die recht anstrengende Fahrt aufgrund des mittlerweile immer häufiger einsetzenden Regens. Dichter Nebel hängt so tief, so dass teilweise nicht einmal die nahe der Ringstraße gelegenen Berge zu sehen sind.

Den Part der Ringstraße zwischen Höfn und Reyðarfjörður haben wir so gut wie gar nicht mitbekommen, da wir durch dichte Nebelbänke gefahren sind. Doch mit jedem Meter, den wir uns dem kleinen Städtchen Egilsstaðir genähert haben, wurde es heller und heller, bis sogar die Sonne herausgekommen ist. Scheinbar hatten wir ein großes Schlechtwettergebiet hinter uns gelassen. Hauptprogrammpunkt des heutigen Tages sollte der gewaltige Hengifoss sein. Mit 118 Metern Fallhöhe ist er der vierthöchste Wasserfall Islands. Ein schmaler weißer Strom fällt hier über eine Kante aus schwarzer Lava hinab, die durch fünf rotbraune Streifen durchzogen ist. Dies sind eisenoxidhaltige Lehmschichten, die sich auf den verschiedenen Lavaschichten abgesetzt und verdichtet hatten. Bei mittlerweile anständigem und trockenem Wetter haben wir uns dazu entschlossen, die nicht einfache Wanderung zum Wasserfall anzutreten.

Der Parkplatz am Hengifoss liegt etwa 35 Kilometer von Egilsstaðir entfernt. Schon vom Parkplatz aus sieht man, was einen erwartet: auf 2.500 Meter Wegstrecke müssen 450 Höhenmeter erklommen werden. Die Pfade sind teilweise sehr steil, doch wenn man sich Zeit lässt, ist dies eine tolle Wanderung. Wie bereits erwähnt, war das Wetter mittlerweile gut, auch wenn das direkte Sonnenlicht noch gefehlt hatte. Daher ließ ich die schwere Jacke im Auto und hatte die Wanderung nur mit Pulli angetreten. Nicole war sich nicht so sicher und hatte ihre Jacke lieber anbehalten. Doch der steile Aufstieg sorgte für Hochtouren im Körper, so dass sie etwas ins Schwitzen gekommen ist ;).

Wir benötigten etwa 45 Minuten für den Marsch zum Hengifoss. Immer wieder mal linst er auf dem Weg nach oben zwischen Felsen hervor, doch sein wirklich mächtiges Ausmaß kommt erst wenige Meter bevor man an seinem Fuß steht, zum Vorschein. Unterwegs kamen wir noch am Litlanesfoss vorbei, ein kleinerer Wasserfall, der zwischen tollen Basaltsäulen hinabfällt. Doch kein Vergleich zum Hengifoss, der einen erstmal nur sprachlos dastehen lässt. Es ist trocken, das Licht ist nicht schlecht, nach ein paar Fotos mit der Spiegelreflexkamera, wurde die Drohne nochmal freigelassen. Mit der gesetzlichen Höhenbeschränkung der Drohne von 120 Metern stößt man hier an die Grenzen des Erlaubten, ein Blick über den 118 Meter hohen Wasserfall ist nur schwer möglich, will man sich streng an die gesetzlichen Vorgaben handeln. Man kann dies etwas umgehen, indem die Drohne von einer leicht erhöhten Position gestartet wird, dann klappt das auch mit einem Blick über die Fallkante hinaus :).

Man hätte meinen können, dass der Rückweg aufgrund des abschüssigen Geländes einfacher wäre. Zwar sind wir nicht so sehr ins Schwitzen gekommen, aber der ständige Weg abwärts beanspruchte die Gelenke doch ziemlich stark. Wir freuten uns schon auf den Muskelkater… :). Besonders gemein ist, dass der fast 400 Höhenmeter tiefer gelegene Parkplatz vom Fuß des Hengifoss aus in weiter Ferner sichtbar ist. Umgekehrt ist der Hengifoss vom Parkplatz aus sichtbar und man ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Anstrengungen vor einem liegen... :). Doch jedem Besucher kann ich nur empfehlen, die Strapazen auf sich zu nehmen, der Anblick des Hengifoss ist die Mühen wert!

Um 16:00 Uhr saßen wir wieder im Auto und starteten in Richtung Unterkunft in Seyðisfjörður. Seyðisfjörður ist ein kleines verschlafenes Küstendorf, welches 25 Kilometer von Egilsstaðir entfernt liegt. Man muss jedoch einen steilen Pass überqueren und hat dabei eine tolle Sicht auf Egilsstaðir. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass ein Überqueren im Winter keinen Spaß machen würde. Ich habe mittlerweile auch gelesen, dass ein Tunnel zwischen Egilsstaðir und Seyðisfjörður in Planung ist, welcher dann der längste Tunnel im gesamten Land sein und auf den Namen Fjarðarheiðargöng hören soll. Mal sehen, wann Spatenstich ist. Auf jeden Fall wird damit zu rechnen sein, dass der Tunnel mautpflichtig sein wird, zumindest solange, bis die Baukosten erwirtschaftet sein werden.

In Seyðisfjörður angekommen, haben wir gleich die Unterkunft bezogen. Das Örtchen selbst hat außer seiner Idylle nicht viel zu bieten. Man bekommt zwar, was man braucht, aber wer sich entscheidet, hier dauerhaft zu leben, entschließt sich zu einem Leben abseits jeglichen Trubels. Wir waren in der „Old Apothecary“ untergebracht, ein zu einem Gästehaus umfunktionerten Apothekengebäude mit spartanischer Einrichtung. Die Zimmer waren schön und die Unterkunft selbst sehr zentral gelegen, nicht weit von der bekannten „Rainbow road“ mit Blick auf die Seyðisfjarðarkirkja, die Kirche des Ortes. Darüber hinaus haben wir auch wegen des schlechten Wetters, das komischerweise nur auf dieser Seite des Passes herrschte, nicht viel vom Örtchen mitbekommen.

Hatten wir in Egilsstaðir noch vergleichsweise gutes Wetter mit Sonne und einigen Wolken am Himmel, fuhren wir über den Pass in eine dichte Nebelbank, die sich auch bis Seyðisfjörður nicht aufgelöst hat. Wolken und Nieselregen herrschten vor, wo wir lediglich einige Kilometer vorher noch Sonnenschein hatten. Aufgrund dieser Wetterlage haben wir uns entschlossen, in ein erst kürzlich eröffnetes neues Thermalbad zu gehen: das „Vök baths“ bei Egilsstaðir. In bis zu 38 Grad heißen Wasserbecken, die direkt auf dem See Urriðavatn schwimmen, haben wir den Abend ausklingen lassen. Zu einem Bad im 10 Grad kalten See haben wir uns dann doch nicht durchringen können…

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des zehnten Tages:

Der Skutafoss

Der Hengifoss Der Hengifoss
 
Der Hengifoss Schaf