aurora tag02 mDie Nacht ist noch nicht vorüber und ich kann bzw. will nicht schlafen, da die Wolkendecke immer wieder mal aufreißt und den Blick auf wunderschöne Nordlichter freigibt. Dann heißt es schnell raus und die Kamera aufs Stativ geschnallt. Das arme Stativ muss die ganze Zeit bei etwa -4 Grad Celsius draußen verharren, während es im Auto aushaltbar ist, da ich hin und wieder die Heizung anmache. Die etwa acht Chinesen hinter mir in einem Kleinbus springen dann auch immer ganz aufgeregt aus dem Bus und beobachten und fotografieren fasziniert das Naturschauspiel. Der Versuch, die Nordlichter mit der Drohne in stockfinsterer Nacht festzuhalten, schlug dann sicher auch fehl :).

So... hier also ein erstes Bild des Lichterspektakels über dem Kirkjufell, aufgenommen mit der EOS 5D Mark IV und einem EF 24 1.4L. Belichtet wurden 4 Sekunden bei 1.600 ISO undBlende 1.8.

 

So... nach etwa 360 gefahrenen Kilometern bin ich am heutigen Endpunkt meiner Etappe angekommen, beim Kirkjufell, einem Nunatak, also einem von einem Gletscher abgeschliffenen Berg. Am besten mal danach googlen :).

Heute war wettertechnisch alles vorhanden: Sonne, Wolken, Regen, Wind, starker Wind, stürmischer Wind, Sauwind... ich habe eben 75 km/h Böen gemessen. Der Tag an sich war jedoch sehr erfolgreich. Ich konnte jeden der Punkte auf meiner Wunschliste abhaken. Zunächst besuchte ich die Hraunfossar (gesprochen ch'röinfossar), also die "Lavafälle". Das ist zwar kein Lavastrom, aber ein etwa 700 m breites Feld, an welchem zahllose Wasserfälle des Flusses Hvítá, der an anderer Stelle unterirdisch tritt und an diesem Ort unter einem Jahrtausende alten Lavafeld hervortreten. Ein sehr imposantes Schauspiel. Dort konnte ich auch das erste Mal die Drohne steigen lassen. Aber Bilder gibt es heute leider keine, die würde ich morgen in aller Ruhe bearbeiten und hochladen, wenn ich weniger straffes Programm und vor allem wieder WiFi habe :).

Nach den Hraunfossar begab ich mich auf den Weg in Richtung Snaeffelsnes-Halbinsel. Auf dieser liegt der Snaeffelsjökull ("Schneeberggletscher"). Dies ist der Vulkan, in welchen die Helden in Jules Vernes Abenteuer "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" ihre Exkursion angetreten hatten, Ich konnte den Vulkan heute auch weitgehend wolkenfrei sehen. Nur der Gipfel war leicht in Wolken gehüllt. Nach einem kurzen Besuch der Budakirkja und dem Fischerörtchen Arnarstapi mit den dortigen imposanten Felsformationen an der Küste, bin ich wie erwähnt nun am Kirkjufell angekommen. Die Nacht verbringe ich heute im Auto. Ich hoffe ein wenig auf Sichtungen von Polarlichtern. Mal sehen, was daraus wird. Der Himmel ist im Moment weitgehend klar, aber das kann sich im Fünfminutentakt ändern. Zudem muss ja auch noch der Sonnenwind mitmachen. Irdischen Wind hatte ich heute genug, jetzt wäre es Zeit für Sonnenwind :). Morgen früh geht es in Richtung Vatnsnes Halbinsel mit der bekannten Felsformation des "Hvitserkur". Danach geht es schon in Richtung Unterkunft bei den Grabrók Vulkankratern. Also... bis morgen :).

So... ich melde mich aus dem von einer leichten Schneedecke eingehüllten Reykjavík. Die Reise verlief weitgehend ohne Zwischenfälle. Die Betonung liegt auf "weitgehend". Doch der Reihe nach... :)

Ich hatte im Voraus ja alles recht großzügig geplant, so auch die Zugfahrt nach Frankfurt an den Fraport. Abfahrt aus Bad Mergentheim um 07:34 Uhr, Ankunft am Flughafen um 09:55 Uhr. So war der Plan. Die großzügig berechnete Fahrtzeit mit der Deutschen Bahn zahlte sich aus, denn der Abflug war ja erst um 13:35 Uhr. Doch aufgrund einer Weichen- und Signalstörung standen wir vor Aschaffenburg erst mal in der Pampa rum. Nichts ging mehr weiter, erst nach einigen Minuten kam die Durchsage des Lokführers, dass sich die Weiterfahrt um etwa 40 Minuten verzögert. Also kein Grund zur Sorge... :). Ich kam dann schließlich um 10:35 Uhr am Fraport an. Noch schnell zum Terminal 2 shuttlen lassen, nach erfolgtem Onlinecheckin von Zuhause aus am Abend zuvor konnte ich mich auch gleich direkt zur Gepäckabgabe (mit der kurzen Schlange) begeben. Sicherheitskontrolle und dann hieß es Warten. Warten und Beobachten... Warten und Beobachten und Wundern... was geht in Mitmenschen asiatischer Herkunft vor bzw. welchen Zweck verfolgen diese, jeden Schritt und jeden Meter via Skype mit dem Gegenüber (wohl aus China/Korea/Japan?) verbunden zu sein? Klar... ich teile mich hier schließlich auch mit, aber diese Beobachtung heute war doch extrem. Das Handy der guten Frau lag auf dem Gepäckwagen, so dass sie ihren Gesprächspartner und er sie sehen konnte. Mit einer Hand wurde ein Kleinkind getragen, mit der anderen Hand der Wagen geschoben... Gut... andere Länder...

tag01 glorie mDann ging es planmäßig los. Keine Verspätungen dieses Mal, schließlich war London ja außen vor :). Sitzplatz 28F, ein Platz am Fenster mit Blickrichtung Norden und Nordosten. So konnte ich zeitweise schön den Schattenwurf des Kondensstreifens und des Flugzeugs auf den darunterliegenden Wolken sehen. Zeitweise gesellte sich auch die Lichtstreuungserscheinung einer Glorie hinzu, siehe erstes Bild. Vom darunterliegenden Festland konnte ich nicht viel erkennen, lediglich über dem Atlantik lösten sich die Wolken etwas auf. Hin und wieder konnte ich ein Schiff beobachten.

Das Bordpersonal der Icelandair war sehr nett. Auch die Verpflegung war gut, auch wenn so ein Schinkenkäse-Baguette mit 8 Euro doch sehr überteuert ist. So etwas gehört meiner Ansicht nach wie bei den meisten Airlines in den Flugpreis inbegriffen. Der Flug an sich verlief auch sehr ruhig.

tag01 faroer mHin und wieder lichteten sich die Wolken und mitten auf dem Atlantik erschien plötzlich Festland. Es waren die Faröer-Inseln, die zwischendurch recht gut zu erkennen waren. Und so landeten wir um 16:20 Uhr Ortszeit in Keflavík. Das Gepäck aufgegriffen und ab zum Autoschalter. Die Übergabe verlief problemlos, der reservierte Ford Kuga stand auch schon bereit, der Motor lief und das Auto war schön warm. Also begab ich mich auf die Fahrt in Richtung Reykjavík zur ersten Unterkunft.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich auch bei fremden Autos das Gaspedal mal testweise auslote. So tat ich dies auch bei dem Kuga und wollte mal sehen, was die 150 Diesel-PS so können. Ich wunderte mich noch, warum ob fehlender Beschleunigung der Drehzahlmesser hochging. War es etwa schon so glatt? 3 Grad zeigte das Außenthermometer an. Könnte sein, ja. Aber der Geruch, der den Innenraum erfüllte, gefiel mir gar nicht. Ein paar Meter weiter tat sich das Auto schwer, überhaupt noch zu beschleunigen, wieder ein paar Meter weiter konnte es nicht mal die Geschwindigkeit halten. Ich rollte gerade noch von der Hauptstraße 41 runter und kam auf dem Kreisverkehr in Richtung Grindavík zum Stehen. Toll... fängt ja gut an. Ich rief den Menschen von der Autovermietung an und begrüßte ihn mit "the clutch of the car you gave me just fucked up right now!". "Oh... ok.", war die wenig begeisterte Antwort.  Dennoch reagierte er professionell. Ich schilderte ihm meinen Standort und etwa 20 Minuten später kamen zwei Mann mit einem Mazda CX-5. Mit diesem konnte ich die Hauptstadt und meine erste Unterkunft auch schließlich erreichen :).

tag01 harpa mDie Unterkunft befindet sich in einem mehrstöckigen Apartement. Ich ging nochmal los, um Verpflegung einzukaufen, denn am morgigen zweiten Tag steht eine größere Etappe an den Kirkjufell in etwa 300 Kilometern Entfernung an mit dortiger Übernachtung im Auto. Ich denke aber, dass ich im nahegelegenen Ort Grundarfjördur eine Mahlzeit finden kann. Fürs leibliche Wohl sorgte heute Abend die Firma KFC. Zuhause in Deutschland muss man diese Filialen regelrecht suchen, hier sind diese Dinger gefühlt alle 250 Meter vorhanden. Ich bin jetzt nicht höchst begeistert von dem Zeug, aber es ist immerhin einigermaßen preiswert. Für umgerechnet enen Zehner konnte ich heute abend warm essen. Der Heimweg führte mich dann noch am Harpa Konzerthaus vorbei. Dieses futuristisch anmutende Gebäude erstrahlt des nachts in den Farben der Aurora borealis. Ein schöner Anblick und ein Muss für den Fotofreund. Die letzten beiden Tage verbringe ich ja ebenfalls in Reykjavík. Da werde ich wahrscheinlich nochmals zur Harpa gehen, dann mit mehr Zeit.

So... jetzt heißt es gute Nacht, morgen geht es wie erwähnt an den Kirkjufell über der Snaeffelsnes Halbinsel!

zeus packen mSo... der Countdown läuft. Die machbaren Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, am Samstag stand das Packen auf dem Programm. Nach anfänglichen Schwierigkeiten -u. a. siehe Bild- konnte ich die Höchstgrenzen von Maß und Gewicht einhalten. Ich habe sogar noch etwas Platz, um ein paar Andenken mit zurückzubringen :).

So langsam, so gaaaaanz laaangsam kann man einen vorsichtigen Blick auf die isländische Wetterlage zum Zeitpunkt meines Aufenthalts machen. Klar, es ist schon in mitteleuropäischen Breiten schwierig und wenig verlässlich, eine treffende Prognose bezüglich des Wetters zu machen, insbesondere wenn es über eine Zeitspanne von länger als drei Tagen ist. Aber dennoch... ich gehe optimistischen Blickes voraus und schenke den Wettervorhersagen meiner Handyapp "WeatherPro" jeden Tag etwas mehr Glauben.

"Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach fünf Minuten". So ein weit verbreiteter isländischer Spruch. Darauf wird es letztendlich hinauslaufen. Aber es ist schön fürs Gewissen, wenn zumindest die Großwetterlage sich als vergleichbar stabil ankündigt. Man darf also gespannt sein :).

roadis2017Auf Island gibt es 13.000 Straßenkilometer. Von diesen sind etwa 4.300 Kilometer asphaltiert, also ziemlich genau ein Drittel. Das klingt auf den ersten Blick recht wenig verlockend, allerdings ist die Ringstraße, welche mit 1.339 Kilometern einmal um die Insel herum führt, zum allergrößten Teil asphaltiert. Auch zahlreiche Nebenstraßen sind befestigt, nur die Hochlandstraßen, von welchen die meisten über die Wintermonate ohnehin gesperrt sind, sind Schotterpisten. Doch wie kann man erfahren, ob die Straßen befahrbar sind?

 

Nun könnte man meinen, dass das Fahren auf Islands Straßen im Winter eine gefährliche Sache ist. Nun... ich würde es nicht unterschätzen, vereiste Stellen kann es immer geben, auch komplett zugeschneite Straßen sind im Hochwinter keine Seltenheit, die Gefahr eines White-out kann hier dann besonders groß sein. Allerdings ist das komplette Straßennetz lückenlos überwacht und man kann sich zu jeder Zeit im Internet vor Antritt einer Fahrt schlau machen, in welchem Zustand die Straßen sind. Dies ist eine extrem wertvolle Wissensquelle. Die Webseite www.road.is verrät dies anhand eindeutiger Grafiken und Symbole und zwar in Echtzeit. Auch die aktuellen Temperaturen und weitere Angaben wie Windrichtung und Verkehrsdichte können dort erfahren werden. Gemäß dem Motto "ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte" können an vielen Straßenabschnitten Bilder von Webcams eingesehen werden.

So sind, wie in obigem Bild zu sehen ist, die problemlos befahrbahren Straßenabschnitte in grüner Farbe gekennzeichnet. Manche Teile im Nordwesten und Nordosten kennzeichnen mit oranger Farbe, dass mit vereinzelten Eisflächen zu rechnen ist. Auf den ersten Blick ist zu sehen, dass mit den roten Linien das zentrale Hochland derzeit komplett gesperrt ist. Eine entsprechende Legende und Farbcodierung ist auf der Webseite angegeben. Es lassen sich auch Detailkarten Islands aufrufen, unterteilt in neun Abschnitten (zentrales Hochland, Süden, Südwesten, Südosten etc...) sowie die Region um Reykjavík. Sehr nett sind auch die Symbole, die einem anzeigen, wo gerade der Schneeräumdienst unterwegs ist :).

Zudem habe ich mir die App "112 Iceland" auf das Smartphone heruntergeladen. Dort registiert man sich und kann gegebenenfalls geplante Routen hinterlegen. Im Notfall kann man sehr einfach Notrufe absetzen bzw. das Handy kann vom "ICESAR" (ICEland Search And Rescue) Rettungsteam geortet werden. Also... es wird alles getan, dass man auf Islands Straßen sicher unterwegs ist :). Leider nicht im Kartensystem gekennzeichnet sind auf der Fahrbahn sich ausruhende Schafe :).

Nützliche Links:
www.road.is - die Straßenüberwachung
www.vedur.is - das isländische Wetter
http://vegasja.vegagerdin.is/eng/ - ist die Straße asphaltiert oder geschottert?

permitGestern bekam ich den Bescheid. Ich darf fliegen im Vatnajökull Nationalpark. Die freundliche Frau Hreinsdóttir schickte mir eine eMail mit der Erlaubnis, an und über den markanten Sehenswürdigkeiten im Vatnajökull Nationalpark mit meinem Quadrocopter zu fliegen. Ich bin gespannt und freue mich. Hoffentlich wird das Wetter mitmachen. In den vergangenen Tagen fegten Stürme über die isländische Südküste mit Böen um 180 km/h. Da wäre an ein Aufsteigen des Quadrocopters nicht zu denken. Schon bei Windgeschwindigkeiten um 35 km/h habe ich ein mulmiges Gefühl und lasse das Gerät lieber am Boden. Es wurden Warnungen ausgesprochen, sich bei solchen Sturmböen generell unterwegs auf Island zu befinden. Dort gibt es zwar kaum Bäume, die entwurzelt werden könnten, aber dennoch ist es eine Gefahr für Leib und Leben, bei solch einer Naturgewalt im Freien zu sein.

A propos Naturgewalt... nach der Katla scheinen auch drei weitere Vulkane das Rumoren anzufangen. So wurden an der Hekla ebenso erhöhte seismische Aktivitäten gemessen wie am Grímsvötn und Bárðarbunga. Es bleibt also spannend...! Die Meldungen häufen sich langsam, hier habe ich einen Link für euch:

http://icelandmonitor.mbl.is/news/nature_and_travel/2017/02/07/four_of_iceland_s_main_volcanoes_all_preparing_for_/

Die Katla - einer der wenigen Vulkane mit weiblicher Bezeichnung. "Katla" ist eine Ableitung des isländischen Wortes für "Kessel" (isl. ketill) und ein in Island geläufiger weiblicher Vorname. Dabei liegt die Katla unter dem Mýrdalsjökull und gilt als einer der am besten von Geologen beobachteten Vulkanen. Daten und Fakten zur Katla können unter dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag nachgelesen werden.

Nun scheint es unter der Katla erneut zu brodeln. Nachdem es im Herbst 2016 bereits zu einigen seismischen Aktivitäten gekommen war, werden derzeit erneut welche beobachtet. Was heißt das für mich und meine bevorstehende Reise? Ich sehe dem gelassen entgegen. Zum einen habe ich nicht vor, den Vulkan zu besteigen und zum anderen schätze ich (als geologischer Laie) die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs zum Zeitpunkt meines Aufenthalts in der Gegend um Vík í Mýrdal als sehr gering ein. Im Jahre 2010, als der Eyjafjallajökull ausgebrochen ist, legte die Aschewolke für ein paar Tage den Flugverkehr über Mitteleuropa lahm. Menschen sind dabei keine zu Schaden oder Tode gekommen.

Interessantes Bild der NASA: Ausbruch des Eyjafjallajökull in 2010