Wir starteten früh, am Himmel war keine Wolke zu sehen. Der Gipfel des Kirkjufell war bereits in Sonnenlicht getaucht, die übrige Umgebung lag noch im Schatten. Das Gästehaus hatte einen Waschplatz für PKW, dieses Angebot habe ich dankend angenommen, um das am Kuga haftende Hochlandmaterial abzuspritzen. Klarer Himmel, sauberes Auto… perfekte Voraussetzungen, um die Snæfellsnes Halbinsel zu umrunden. Von Grundarfjörður aus haben wir mit bester Laune die Fahrt angetreten und legten zahlreiche Fotostopps ein. Die Ingjaldshólskirkja, die Lóndrangar Felsformation, das Fischerdörfchen Arnarstapi oder einfach nur der Verlauf der Straße haben uns mehr Fotomotive geboten, als uns lieb war. Spontan nach links abgebogen, haben wir sogar gut 700 Höhenmeter (mit dem Auto) zurückgelegt, um dem Gipfel des Snæfellsjökull etwas näher zu kommen. Bereits vom Boden nahe der Küstenlinie aus hatte mich der Vulkan fasziniert. Bei wolkenfreiem und tiefblauem Himmel hatte ich ihn noch nie zu Gesicht bekommen. An der Westflanke sind Ströme erkalteter Lava zu erkennen. Die Gletscherkappe auf dem Gipfel setzte dem ganzen sprichwörtlich noch die Krone auf, es war einfach ein Anblick nicht von dieser Welt. Die Aussicht auf die Halbinsel war gigantisch, man konnte den Esja Gebirgszug bei Reykjavík in über 120 Kilometern Entfernung erkennen.

Wir haben uns richtig Zeit für die Fahrt gelassen. Für die 180 Kilometer von Grundarfjörður bis Borgarnes haben wir etwa achteinhalb Stunden benötigt. Es war zu keinem Zeitpunkt langweilig, im Gegenteil, die Zeit ist wie im Fluge vergangen, das tolle Wetter tat sein Übriges dazu. Zu diesem Zeitpunkt ist mir allerdings klar geworden, dass es bis zur Hauptstadt Reykjavík und somit quasi zum Ende des Urlaubs lediglich noch 80 Kilometer sind. Die Runde um die Ringstraße ist also nahezu komplett. Ich habe die Entfernungsangabe zu Reykjavík auf den Wegweisern zwar immer wieder gesehen, so richtig bewusst geworden ist es mir allerdings erst an diesem Tag.

Wir sind also wieder im Bereich um die Hauptstadt angekommen. Ein Tankstopp in Borgarnes sollte nochmal sicherstellen, dass uns der Sprit nicht ausgeht. Der noch immer blaue und wolkenlose Himmel begleitete uns bis ins Þingvellir. Ganz in der Nähe zum Eingang in den Nationalpark lag unsere Unterkunft für die kommende Nacht. Dort angekommen, wollten wir noch das letzte Licht des Tages nutzen und das zerfurchte Tal im Abendlicht fotografieren. Doch als wir die Parkgebühren per Kreditkarte am Automaten bezahlen wollten, hat Nicole bemerkt, dass ihre Karte verschwunden ist. Durch intensives Nachstellen des Tagesablaufs konnte sie nur im Tankautomaten in Borgarnes steckengelassen worden sein. Unsere Fotovorhaben haben wir natürlich abgeblasen und leiteten alles Notwendige in die Wege, um die Kreditkarte zu sperren. Eine Fahrt ins 80 Kilometer entfernte Borgarnes war keine Option, da die mittlerweile gesperrte Karte ohnehin nur noch ein wertloses Stück Plastik war.

Da aber auch meine Kreditkarte bereits seit dem vierten Tag nicht mehr funktioniert hatte, und unsere Bargeldreserven quasi auf ein Minimum geschrumpft war, schwante uns schön Übles, dass wir die letzten drei Tage auf Island ohne Einkäufe überstehen müssten. Wir hofften, dass unsere normale EC-Karten uns zumindest zu Bargeld an einem Automaten verhelfen würden. Doch Island ist nicht so sehr mit Geldautomaten übersät, der dem Þingvellir nächstgelegene, um 19:00 Uhr noch zugängliche ATM war laut Google Maps im 40 Kilometer entfernten Reykjavík z ufinden. Wir sind also die Strecke bis nach Mosfellsbaer gefahren und haben dort zum Glück beide Bargeld erhalten. Die letzten Tage auf Island waren gerettet.

Erleichtert haben wir die Rückfahrt ins Þingvellir in unsere Unterkunft angetreten. Unterwegs haben wir noch eine herrliche Sicht auf das in der Abenddämmerung liegende Reykjavík genossen. Der 120 Kilometer entfernte Snæfellsjökull strahlte prominent in der Ferne, die gesamte Snæfellsnes Halbinsel war am Horizont zu erkennen. Logisch, dass wir hier noch eine erhöhte Position gesucht hatten und eine Fotosession eingelegt haben.

In der Unterkunft angekommen, atmeten wir erst einmal auf, der Tag war doch ziemlich lang, anstrengend und ereignisreich. Plötzlich piepste Nicoles Handy und sie wurde per Facebook von einem Unbekannten angeschrieben. Dieser fragte sie, ob sie sich derzeit auf Island aufhalte und ihre Kreditkarte vermisse. Nach ein paar Zeilen Unterhaltung wurde nicht nur klar, dass die Kreditkarte tatsächlich im Slot des Tankautomaten in Borgarnes vergessen wurde, sondern sie wurde auch noch gefunden und dieser Jemand meldete sich bei ihr. Weiter noch, auch das Flugzeug des ehrlichen Finders sollte am Donnerstag um 07:25 Uhr von Reykjavík nach Frankfurt fliegen, am Ende stellte sich sogar heraus, dass wir nicht nur dasselbe Ziel hatten, sondern im Flieger auch noch in derselben Reihe gesessen haben…

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des fünfzehnten Tages:

Die Ingjaldshólskirkja

Der Snæfellsjökull Die Weite der "54"
Lóndrangar Making-of Lóndrangar
Lóndrangar Snæfellsjökull Snæfellsjökull & me
Snæfellsjökull & me On the line Lóndrangar
Der Selvallafoss Lóndrangar & me That's us
Gatklettur Lonely house I Lonely house II
Stapafell Snæfellsjökull summit Snæfellsjökull summit
Búðir Am Þingvellir Aurora @ Þingvellir
Aurora @ Þingvellir Aurora selfie Aurora selfie