Der Sonnenaufgang sollte erst um 07:30 Uhr sein. Bis dahin sollte es noch zweieinhalb Stunden dauern. Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits am Strand neben dem Hvitserkur gestanden. Die Temperaturen bewegten sich nahe am Gefrierpunkt. Nicole spielte zähneknirschend mit, als ich meine Unlust bekundet hatte, wieder in die Unterkunft zurückzukehren, nur um eine gute Stunde später aufgrund der Morgendämmerung wieder erneut losziehen zu müssen. Also sind wir am Felsen geblieben und haben einige Nachtaufnahmen gemacht. Früh am Morgen haben wir noch nicht geahnt, dass uns mit dem 14. Tag der fotografisch ergiebigste Tag bevorstehen würde. Zum Einen sollte uns ein fantastischer Sonnenaufgang am Hvitserkur erwarten, zum Anderen sollte uns die Fahrt zur Snæfellsnes Halbinsel eine sonnige Tagesetappe bieten. Doch nun der Reihe nach...

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs am Hvitserkur Felsen war grade Ebbe, so dass wir aufgrund des niedrigen Wasserstands auch auf die andere Seite des Felsen gelangen konnten. Watend und mit der Handyfunzel leuchtend suchten wir uns den Weg durch den schwarzen und nassen Sand. Doch schneller als uns lieb war, hat uns der steigende Wasserstand wieder von unserem Fotostandort weg in Richtung Strand vertrieben. Auf durch das Wasser abgeschnittene Wege zurück zum trockenen Festland hatten wir dann doch keine Lust. Außerdem war uns das zu gefährlich. Zudem kann ich jetzt von mir behaupten, auf einer gestrandeten Qualle ausgerutscht zu sein…

Pünktlich wie die Maurer ist die Sonne am gegenüberliegenden Horizont der Halbinsel Skagi aufgegangen. Wir haben uns so positioniert, dass die aufgehende Sonne unter dem „Hals des Dinos“ zu sehen ist. Es war gar nicht schlecht, dass wir unseren idealen Fotostandort so früh behauptet hatten, da einige andere Fotografen diese Idee scheinbar ebenso gehabt haben. Das lange Warten in der kalten Nacht hat sich gelohnt und an diesem Standort habe ich Fotos machen können, die mir mit am besten gefallen haben.

Da die Unterkunft bis dato die am wenigsten attraktive war, haben wir zugesehen, dass wir unsere Sachen gepackt haben und verschwunden sind. Noch am Abend haben wir uns Kartoffeln abgekocht, die uns wieder für eine Weile als Proviant dienen sollten. Das alles war recht schnell im Auto verstaut und so waren wir bereits um 09:00 Uhr schon wieder unterwegs nach Stykkishólmur und zur Snæfellsnes Halbinsel. 220 Kilometer haben vor uns gelegen und das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite. Südlich der Vatnsnes Halbinsel sind wir wieder auf die Ringstraße gelangt. Bei meinem Besuch in 2017, bei welchem ich Island allein unsicher gemacht hatte, bin ich aus südwestlicher Richtung kommend bis zum Hvitserkur gefahren. So habe ich persönlich zu diesem Zeitpunkt die Insel also genau einmal umrunden können. Bis zu Nicoles Umrundung sollte es noch einige Kilometer dauern...

Nach unzähligen Fotostopps haben wir Stykkishólmur, ein kleines Hafenstädtchen im Norden der Snæfellsnes Halbinsel erreicht. Wir suchten einen Souvenirshop auf, machten einen kleinen Spaziergang am Hafen und am Leuchtturm, haben die Gegend genossen und sind dann schließlich weiter in Richtung unserer nächsten Unterkunft gefahren. Der Selvallafoss, ein etwas versteckter Wasserfall, ist noch weitgehend unbekannt, obwohl dieser nur etwa fünf Fußminuten von einem Parkplatz entfernt ist. Hier haben wir nochmals eine längere Pause eingelegt und haben das tolle Wetter genossen. Der Parkplatz war zwar ziemlich voll, den Gang um Wasserfall haben allerdings nur wenige auf sich genommen.

Ziel unserer Tagesetappe war Grundarfjörður, ein Städtchen mit 890 Einwohnern. Man bekommt hier alles, was man braucht und das verschlafene Örtchen hat einen markanten Hausberg: den Kirkjufell. Dies bedeutet übersetzt „Kirchberg“ und der Name rührt von seiner spitz zulaufenden Form her. Von einer bestimmten Stelle aus kann man zwei schöne Wasserfälle als Vordergrund mit dem Berg im Hintergrund fotografieren. Diese Szenerie gehört zu den am häufigsten fotografierten Motiven auf Island. Zusammen mit einem Sonnenaufgang oder Polarlichtern am Himmel ist dies aber ein wahrhaft idyllischer und paradiesischer Ort. Weniger paradiesisch ist die mittlerweile astronomisch hohe Anzahl von Touristen rund um diese Location. Klar, wir sind auch Touristen und haben eigentlich am wenigsten das Recht, uns zu beschweren. Deshalb behelfen wir uns einiger Tricks, die Schönheit der Gegend am besten genießen zu können. Dazu gehört, sich nahe der Sehenswürdigkeiten, in diesem Falle dem Kirkjufell, eine Unterkunft zu buchen. Dann muss man sich selbst überwinden, zu unchristlichen Zeiten das Bett zu verlassen und auf Motivsuche zu gehen. Beherzigt man diese Aspekte, so ist die Wahrscheinlichkeit, weitgehend ungestört zu sein, am höchsten.

Ein Flug mit der Drohne und ich konnte Grundarfjörður aus einer etwas anderen Perspektive sehen. Nach dem Flug eilten wir noch schnell zum Kirkjufell, um noch das letzte Licht des Tages einfangen zu können. Da wie vermutet recht viele Touristen am Parkplatz zugegen waren, sind wir noch ein paar Meter weiter gefahren, um den sich im ruhigen Wasser einer Lagune spiegelnden Berg zu fotografieren.

Am Abend in der Unterkunft angekommen, haben wir uns erst einmal „was Vernünftiges“ zu essen gemacht: Pasta Bolognese. Nach Tagen Kartoffeln und Wurst haben wir uns auf ein solches Mahl gefreut. Der Blick aus dem Fenster offenbarte einen tollen Sternhimmel und die aufgeregten Rufe der koreanischen Zimmernachbarn ließen uns vermuten, dass es draußen Polarlichter geben würde. Dem war auch so und schließlich konnten wir auch in Grundarfjörður noch einige Polarlichter fotografieren, ehe wir dann die Lichter ausknipsten.

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Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des vierzehnten Tages:

Morgendämmerung

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang Guggsdu? Der Hrútafjörður
Der Hrútafjörður Fotoshooting Fotoshooting
Bei Stykkishólmur Stykkishólmur Stykkishólmur
Der Selvallafoss Der Selvallafoss Am Selvallafoss
Aus der Luft  Aus der Luft Die "54"
Der Kirkjufell Der Kirkjufell Der Kirkjufell
 
Grundarfjörður Grundarfjörður und Aurora