Da wir von Akureyri bisher noch so gut wie überhaupt nichts zu sehen bekommen haben, wollten wir vor unserer Abreise wenigstens noch eine Sightseeingtour machen. Mit dem Auto sind wir an die bekannte Akureyrarkirkja gefahren und sind dort etwas herumgelaufen. Die anmutende, 1940 fertiggestellte lutherische Kirche ist ein Wahrzeichen von Akureyri. Die darauf zulaufende Treppe bietet zahlreiche Fotomotive, auch wenn an diesem Tag der Himmel wieder bedeckt war. So versuchten wir uns fotografisch an dieser Kirche, die aufgrund der absoluten Symmetrie eine kleine Herausforderung dargestellt hat, will man die fluchtenden Linien parallel und symmetrisch im Bild festgehalten haben.

Aufgrund unserer Polarlichtodyssee in der vergangenen Nacht sind wir die Ringstraße bereits am Vorabend in westlicher Richtung unterwegs gewesen. So haben wir entschieden, unsere Weiterfahrt einen anderen Weg anzutreten. Unsere Route führte uns in nördlicher Richtung über Dalvík, Ólafsfjörður, Siglufjörður und somit über den ziemlich nördlichsten Teil der Insel. Dass diese teilweise wirklich entlegenen Orte hauptsächlich vom Fischfang und deren Weiterverarbeitung leben, war nicht schwer zu bemerken: während der Durchfahrt einmal das Fenster heruntergekurbelt und schon wusste man Bescheid… ich als Nichtfischesser könnte mir ein Leben hier nur schwer vorstellen, auch kaum vorzustellen, dass man sich daran gewöhnen könnte...

Eines unserer Tagesziele war das Schwimmbad bei Hofsós. Auf dieses bin ich durch Bilder aus dem Internet aufmerksam geworden. Ein blaues Schwimmbecken mit Aussicht auf die Fjorde Islands machte uns diesen Umweg schmackhaft. Nach gut 130 Kilometern und einigen Fahrtunterbrechungen aufgrund Sichtungen von Fotomotiven haben wir Hofsós erreicht. Der Eintritt kostet 1.000 Kronen pro Nase. Ohne Badebekleidung gründlich duschen ist übrigens Gesetz auf Island. Also haben wir das Gesetz geachtet und sind bei 10 Grad Außentemperatur in das 30 Grad warme Wasser. Ohne viel Bewegung wird das recht schnell kühl und entweder man zieht fleißig Bahnen im etwa 25 m x 10 m großen Becken oder man wechselt in das 38 Grad warme Thermalbecken, welches aber deutlich kleiner ist.

Nach gut zwei Stunden hatten wir genug und haben Hofsós verlassen, aber nicht ohne vorher noch die Stađarbjargavík zu besichtigen. Keine 20 Meter vom Parkplatz des Hofsós Schwimmbades entfernt führt eine Holztreppe zur Küste hinab, wo eindrucksvolle Basaltsäulen ins Meer ragen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs gab es so gut wie keinen Wellengang, so dass wir dort noch einmal Ruhe auftankten und die Umgebung genossen haben.

Ein kurzer Halt beim Glaumbær Kirchdorf und die Durchfahrt durch Sauðárkrókur und Weiterfahrt brachte uns von der „76“ und „75“ schließlich wieder auf die Ringstraße. Blönduós lautete unser nächster Stopp, das ist eine kleine Ortschaft mit 900 Einwohnern an der Ringstraße. Dort tankten wir nochmals und erledigten unsere Einkäufe. Der Himmel hatte zwischenzeitlich ziemlich aufgeklart, die Sicht und die Lichtstimmung waren toll. Vom Parkplatz des Supermarktes aus konnten wir sogar schon schemenhaft das Ziel unserer Reise erkennen: den Hvitserkur „Dinofelsen“ an der Ostseite der Vatnsnes Halbsinsel. 15 Kilometer Luftlinie trennten uns noch vom Ende der Tagesetappe, doch die Fahrt sollte noch eine Stunde dauern, waren es doch tatsächlich noch 62 Straßenkilometer. That’s Iceland… besonders deprimierend ist die Fahrt in den Fjorden, wenn das Ziel in weniger als 8 Kilometern Luftlinie liegt, doch der gesamte Fjord ausgefahren werden muss und noch 60 Kilometer zurückgelegt werden müssen.

Um 18:30 Uhr haben wir unser Ziel erreicht. Die Sonne neigt sich dem Westhorizont entgegen. Wir haben schnell eingecheckt und sind dann noch kurz an den Hvitserkur „Dinofelsen“ hinuntergelaufen. Diese fünfzehn Meter hohe Basaltfelsenformation ragt aus dem Ozean heraus und erinnert in seiner Form an einen trinkenden Troll, eine Kuh oder eben an einen Dino. „Hvitserkur“ bedeutet „weißes Hemd“. Weiß ist der Felsen teilweise durch Ausscheidungen von Seevögeln. Der Sage nach soll es sich hierbei um einen von der Sonne versteinerten Troll handeln, der ein nahegelegenes Kloster mit Steinen beworfen haben soll.

Ich habe den Hvitserkur ausgesucht, da mir im Wesentlichen zwei Fotomotive in Gedanken vorgeschwebt sind. Zum einen hatte ich mit Polarlichtern in der Nacht spekuliert und zum anderen stellt der Felsen zu jeder Jahreszeit ein dankbares Fotomotiv zum Sonnenaufgang dar. Was soll ich sagen…: fast hätte es zu beidem gereicht, doch die Polarlichter sind verschwunden, kurz bevor wir den Felsen um 05:00 Uhr in der Früh erreicht haben. Darüber hinaus setzt die Dämmerung auf Island aufgrund der Lage in hohen Breitengraden viel früher vor Sonnenaufgang ein, als wir es von Süddeutschland aus gewöhnt sind.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des dreizehnten Tages:

Siglufjörður

Ford Kuga Bei Hofsós
Aus der Luft Islandpferd Islandpferd
 
Beim Hvitserkur Beim Hvitserkur