Die Gelegenheit, das Örtchen Seyðisfjörður ausgiebig zu fotografieren, konnten wir aufgrund des Wetters leider nicht wahrnehmen. An diesem Morgen jedoch wollten wir zumindest die „Rainbow road“ fotografieren und sind daher zeitig um 06:30 Uhr aufgestanden, um die für Fotografen interessante sogenannte „blaue Stunde“ nutzen zu können. Die beleuchtete Kirche mit der davorliegenden regenbogengepflasterten Straße unter tiefblau erscheinendem Himmel… so war zumindest die Wunschvorstellung. Ansatzweise haben wir es hoffentlich hinbekommen… Das Bild hierzu seht ihr unter dem Blogeintrag des vorherigen Tages.

Um 08:30 Uhr waren wir bereits wieder „on the road“ in Richtung Norden. Der gewaltige Dettifoss sollte das Hauptziel dieser Tagesetappe sein. So setzten wir unsere Fahrt auf der Ringstraße fort, ehe wir zur Weiterfahrt nach rechts in die „864“ abbiegen mussten. 32 Kilometer Schotterpiste lagen vor uns. Mit jedem Kilometer besserte sich auch das Wetter, so dass wir Hoffnung auf schöne Fotos am Wasserfall hatten. Um etwa 10:45 Uhr dort angekommen lag noch ein Fußmarsch von etwa 500 Metern vor uns. Der Parkplatz war zwar schon recht voll, dennoch waren es keine Menschenmassen, die sich am Wasserfall bewegten. Es ist wie im scheinbar überfüllten Supermarkt...: es verläuft sich halt... :).

Man steht da schon mit etwas Ehrfurcht beim Betrachten der gewaltigen Wassermassen, die da in jedem Moment hinunterstürzen. Im Hinterkopf spielt sich bei mir die Eröffnungsszene aus „Prometheus – dunkle Zeichen“ ab, in welcher ein großgewachsenes humanoides Alien am Dettifoss steht und in die Fluten stürzt. Mir fällt auf, dass im Gegensatz zum südlichen Island, wo jede Spalte, jeder Wasserfall und quasi jedes Erdloch mit Absperrungen versehen ist, keinerlei Geländer oder sonstige Sperrungen vorhanden sind. Hier muss man wirklich aufpassen, keinen falschen Schritt zu tun, wenn man nicht in den unweigerlichen Tod fallen will…

Die Wolkendecke ist mittlerweile großflächig aufgebrochen, kurzzeitig ist auch ein intensiver Regenbogen über den Wassermassen zu sehen. Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst. Die zwei Stunden Aufenthalt sind wie im Fluge vergangen, kurz vor 13:00 Uhr haben wir die Weiterfahrt angetreten. Wir sind nicht die „864“ zurück, sondern weitergefahren. Nur wenige Kilometer flußabwärts in nördlicher Richtung liegt der Hafragilsfoss, dem wir auch einen kurzen Besuch abgestattet haben. Hier hätte ich gerne die Drohne kreisen lassen, im Gegensatz zum Dettifoss wäre es hier erlaubt gewesen. Doch ein recht starker Wind machte mir hier einen Strich durch die Rechnung.

Die Fahrt ging weiter in Richtung Norden. Nach 20 Kilometern Schotterpiste stießen wir auf die asphaltierte „85“, den Norðausturvegur. Wir machten einen kurzen Abstecher in die Ásbyrgi-Schlucht. Schon von der Straße aus erkennt man eine kreisförmig zusammenlaufende Schlucht, in welche man bis an deren Ende fahren kann. Drohnenaufstiege sind hier leider verboten, da die Schlucht zum Vatnajökull Nationalpark gehört, in welchem Drohnenflüge generell verboten bzw. genehmigungspflichtig sind. Ursprünglich war vorgesehen, den Dettifoss auch von der anderen Uferseite anzufahren. Hier hätten wir in die „862“ wieder in Richtung Süden einbiegen müssen. Doch wir haben uns kurzfristig umentschieden, zum einen da wir den Dettifoss bereits intensiv besichtigt haben und zum andren da wir eine Weiterfahrt an der Küste in Richtung sonniges Wetter bevorzugt haben.

Diese Wahl war goldrichtig. Der Himmel war mittlerweile zum größten Teil blau und stellenweise verlief die Straße sehr nah an der Küste entlang. An einem Parkplatz machten wir einen Fotostopp, bei welchem ich mit der Drohne ein paar Kilometer geflogen bin. Die Weiterfahrt brachte uns an unseren nördlichsten Punkt des Islandaufenthalts und führte uns durch Húsavík, wo wir auch unsere Skyr- und Kartoffelvorräte auffrischten. Dort haben wir auch eine kurze Pause eingelegt und die Sonnenstrahlen genossen. Húsavík selbst wird uns als ruhiges und beschauliches Städtchen in Erinnerung bleiben. Bekannt ist Húsavík vor allem durch die Walbeobachtungstouren, die hier ihren Startpunkt haben. In den Meeresgebieten von Islands Norden ist die Wahrscheinlichkeit auf eine Sichtung von Walen wohl am vielversprechendsten.

Eigentlich war geplant, die Ringstraße entlang aus östlicher Richtung zu unserer Unterkunft in der Nähe des Mývatn zu kommen. Doch stattdessen kamen wir aus nördlicher Richtung angefahren und haben die Unterkunft in Laugar bezogen. Gleich im Anschluss sind wir –zum Glück- zum Mývatn, einem See vulkanischen Ursprungs, aufgebrochen. Der Himmel war mittlerweile wieder etwas mehr von Wolken bedeckt, doch tolle Lichtstimmungen gab es mehr als genug. Zahlreiche Pseudokrater am und im See, Schafe auf Hügeln, die über dem See untergehende Sonne und einen Abstecher zum „Námafjall“, einem Berg mit Hochtemperaturgebiet und Solfataren sorgten für einen eindrucksvollen Abschluss dieses tollen Tages im Norden Islands. Nachdem die frisch gekauften Kartoffeln abgekocht wurden, haben wir uns auch zur Ruhe gesetzt.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des elften Tages:

Der Dettifoss

Selfies am Dettifoss Aus der Luft
Die Straße Pseudokrater Schaf
Go away... Stimmung am Mývatn Námafjall
Schlammtopf Hverarönd Schlammtopf