Der Wetterbericht prognostizierte auch für den kommenden Tag keine wesentlichen Besserungen. So sind wir nicht wie geplant bereits um 06:00 Uhr aufgebrochen, sondern wir haben uns Zeit gelassen und haben die Unterkunft erst zwei Stunden später verlassen. Da zu diesem Zeitpunkt zumindest kein Wasser aus dem Himmel gelaufen ist, haben wir dem für den Vortag geplanten Stjórnarfoss einen Besuch abgestattet. Dieser wäre in toller Laufreichweite zur Unterkunft gewesen, es sollte aber nicht so sein, so dass wir kurz vor der Weiterfahrt ein paar Bilder mit der Spiegelreflexkamera und der DJI-Drohne gemacht haben. Ein Wasserfall, den ich auf jeden Fall nochmal besuchen würde.

Dann ging es weiter. Unterwegs immer wieder Wasserfälle, Moosfelder, Lavafelder und… Regen. Doch je näher wir dem Vatnajökull kommen, desto besser wird die Sicht, trockener wird es und… heller wird es, bis schließlich sogar die Sonne durchbricht. Eine Schotterpiste führte uns etwas weg von der Ringstraße. Dort haben wir etwas die Sicht auf den nahen Gletscher geworfen, viele Bilder gemacht und auch die Drohne durfte abheben.

Unsere Fahrt geht weiter. Mittlerweile sind wir an diesem achten Tag schon 300 Kilometer von Reykjavík entfernt. Während meiner Reisevorbereitungen habe ich immer häufiger vom Múlagljúfur gelesen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen Canyon, der mit einer etwas längeren Wanderung erreichbar ist.

Der verhangene Himmel war zwar nicht sehr einladend, dadurch könnte aber eine reizvolle Stimmung im Canyon entstehen. Kurz vor der Fjallsárlón Gletscherlagune müssen wir links abbiegen und etwa zwei Kilometer einer Schotterpiste folgen. Dann gelangt man an eine Art Deich, ein Flusslauf ist zu hören, aber durch den Deich nicht zu sehen. Von dort aus beginnt die Wanderung. Durch farblich markierte Pfosten ist der Pfad gekennzeichnet. Ein Wandern abseits des Pfades ist nicht zu empfehlen, da man sonst gleich auf dem sehr empfindlichen isländischen Moos landet. Das Laufen, Berühren oder gar Herausreißen des Mooses sollte auf jeden Fall unterlassen werden!

Nach etwa zwei Kilometern und der Überquerung eines kleinen Baches wird man mit einer fantastischen Aussicht auf den Canyon entlohnt. Ein schmaler Wasserfall, der Hangandifoss fällt in die Tiefe. Ein zweiter Wasserfall, der namensgebende Múlafoss, ist in dichtem Nebel gehüllt und nicht zu sehen. Dennoch gelingen uns tolle Aufnahmen. Die Drohne wurde direkt in den Canyon geflogen und lieferte beeindruckende Filmaufnahmen im Flug. Gerade noch rechtzeitig wurde das Kameraequipment eingepackt, dann setzte wieder Regen ein. Durch den ohnehin schon nassen Boden saugten sich meine mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogenen Wanderschuhe voll mit Wasser, welche ich vor Reiseantritt extra noch einmal imprägniert hatte. Der Rückmarsch zum Auto war nicht vergnügungssteuerpflichtig, ich kam mir vor, als würde ich barfuß durch die Prairie laufen… Am Auto angekommen, wechselte ich Schuhe, Socken und Hosen. In Islands dünn besiedelter Prairie ist das möglich, ohne dass neugierige Augen einen beobachten. Mittlerweile hatte der Regen zum Glück wieder aufgehört.

Weiter geht’s… Wir sind bereits unterhalb des größten Gletschers Europas, dem Vatnajökull mit seinen Gletscherzungen. Einige von ihnen reichen bis nahe ans Meer heran, unter anderem der Breiðamerkurjökull, dessen Eisbruchstücke als Eisberge in die bekannte Jökulsárlón Gletscherlagune abkalben. Diese teilweise hausgroßen Brocken treiben in den 18 km² großen See, ehe sie dann durch die Jökulsá, einen nur einen Kilometer langen Fluss ins Meer gelangen. Dort werden die Eisberge durch den Wellengang zerrieben und teilweise wieder an den schwarzen Strand angespült. Schließlich landen sie dann als klares Gletschereis auf dem schwarzen Sand Islands. Daher rührt der Name Diamond Beach, ein begehrtes Ziel für Fotografen, liegen die Eisbrocken doch wie funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt. Im Licht der tiefstehenden Sonne entstehen dadurch reizvolle Motive.

Mit der immer tiefer sinkenden Sonne verabschiedete sich auch das tolle Licht am Diamond Beach. Um 18:30 Uhr haben wir die letzte Tagesetappe in Richtung Höfn angetreten. Unsere nächste Unterkunft liegt in Nesjahverfi kurz vor Höfn. Bereits zum dritten Mal wählte ich die Unterkunft von Heiða Jónsdóttir. Ihr Haus ist umwerfend schön und sowohl sie als auch ihr Schnauzer Fönn sind so herzlich und lieb, dass ich ihre Unterkunft auch bei zukünftigen Islandbesuchen buchen würde. Zwei Nächte werden wir in Nesjahverfi sein. Die dortige Gegend ist besonders interessant. Zum einen ist das nahliegende Höfn ein verschlafenes, aber auch schönes Städtchen. Mit der Stokksnes und dem Vestrahorn Gebirgszug gibt es dort aber eines der fotografischen Highlights auf Island.

An diesem achten Tag haben wir unser Potential allerdings ausgeschöpft und haben nichts mehr unternommen, so dass wir recht früh schlafen gegangen sind.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des achten Tages:

Stjórnarfoss - making of

Der Stjórnarfoss

Der Stjórnarfoss
Der Stjórnarfoss Aus der Luft Wanderung
Wanderung Aus der Luft Portrait
Die Hofkirkja Im Múlagljúfur Am Diamond beach
Am Diamond beach Am Diamond beach Am Diamond beach
   
Am Diamond beach