2019 09 19 (2)Nach dem Aufwachen an diesem Tag stellten wir fest, dass Island auch an Tag 4 keine Sonne für uns bereitgehalten hatte. Zwar regnete es nicht, doch es war noch immer ziemlich windig. Um nicht den ganzen Tag in der Bude zu sitzen, hatten wir uns entschlossen, den etwa 52 Kilometer von der Unterkunft entfernten Háifoss aufzusuchen. Der Háifoss, gesprochen Hauifoss, ist mit 122 Metern nach dem Morsárfoss (240 Meter) im Hochland und dem Glymur (196 Meter) im Westen Islands dritthöchster Wasserfall. Der Wasserfall ist nicht allein, sondern er hat gleich seine ganze Gang mitgebracht. Man kann mindestens sechs Wasserfälle ins Tal stürzen sehen, je nach Regen bilden sich auch weitere kleine Rinnsale, die in die Tiefe stürzen.

Eine einmalige LichtstimmungVon der an der „26“ gelegenen Unterkunft bis zum Abzweig zum Háifoss sind es etwa 44 Kilometer. Hierfür benötigen wir etwa 45 Minuten. Für die übrigen 8 Kilometer sind mindestens 20 Minuten einzuplanen. Zu Beginn der ausgesprochen schlechten Schotterpiste ist auch mit mehr oder weniger breiten Wasserläufen zu rechnen, so dass wir an zwei Stellen furten mussten. Mit einem PKW mit wenig Bodenfreiheit hätte ich mich nicht getraut, die Strecke zu befahren. Ein vor uns in Richtung Háifoss abgebogener Toyota Auris (!) hat sich dann auch umentschieden und Kehrt gemacht. Dies war eine weise Entscheidung, denn selbst mit unserem Ford Kuga hatte ich ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Aber dennoch konnten wir die auf etwa 50 Meter überflutete Straße passieren.

Der HáifossAm Háifoss angekommen wird man auch hier von Mutter Natur für den Aufwand belohnt: nach etwa 300 Metern zu Fuß vom Parkplatz offenbart sich mit jedem Schritt in Richtung Schlucht die Gewaltigkeit der Wassermassen. Dichter Nebel ist immer wieder vom Tal aufgezogen, so dass der Aufenthalt am Háifoss einem Mysterium geglichen hat. Während meines letzten Aufenthalts dort im Oktober 2018 hatten wir gutes Wetter und gute Sicht. Nicole hatte sich mit der Fotografie viel Zeit gelassen, ich habe nach einigen obligatorischen Fotos einfach nur die Naturgewalt genossen. Außer uns waren vier weitere Autos auf dem Parkplatz. Nur wenige nehmen die anstrengende Anfahrt auf sich.

Eine einmalige LichtstimmungSchließlich haben wir auch noch den Weg ins Tal auf uns genommen. Über eine Hühnerleiter über einen Zaun führt ein Pfad hinab ins Tal. Runter geht es immer gut und schnell. Der Gedanke, den mächtigen Wasserfall von seiner Basis aus zu erleben überschattet die Gedanken an den mühseligen und anstrengenden Rückweg den Berg hinauf. Für den Abstieg ins Tal benötigen wir mit zwei Fotostopps eine gute Stunde. Ebenso lang dauerte der nasse Aufenthalt am Fuß des Háifoss. Der Aufstieg war wie erwartet ungleich anstrengender als der Abstieg. Müde und ausgelaugt erreichten wir das Auto und schnauften erst mal durch. Würde ich wieder ins Tal hinab wandern? Auf jeden Fall. Bei Sonnenschein ist sicher auch mit einem eindrucksvollen Regenbogen zu rechnen.

Der RückwegMittlerweile war es nach 15:00 Uhr. Der Nebel hatte sich komplett verzogen, von Regen keine Spur mehr. Der Blick in Richtung Nordwesten offenbarte einen sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont. Kurzentschlossen fuhren wir diesem entgegen und anstatt den Abzweig von der „32“ zur „26“ zu nehmen, fuhren wir auf die „F26“, der Sprengisandsleið in Richtung Hochland. Ein in dieser Richtung gelegener Spot, der Sigöldugljufur, ein Canyon mit mehreren Wasserfällen, bestätigte uns diese Wahl ebenso, wie das immer besser werdende Wetter. Ein weiterer spontaner Entschluss ließ uns jedoch auch diesen Canyon sprichwörtlich links liegen und wir bewegten uns weiter in Richtung Landmannalaugar. Doch angesichts der fortgeschrittenen Stunde, es war bereits 17:00 Uhr, hielten wir für einen ausgiebigen Fotostopp an. Nicole beschäftigte sich mit den großen (berge) und kleinen (Moose) Dingen, die Island zu bieten hat und ich packte ein weiteres Mal die Drohne aus und ließ sie über die raue und schwarze Landschaft Islands kreisen.

Typisch isländische LandschaftNachdem der Himmel immer dunkler wurde, zum einen aufgrund der tieferstehenden Sonne und zum anderen durch aufziehende dunkle Wolken, machten wir kehrt. Ein Besuch des Landmannalaugar am späten Nachmittag würde sich bei schlechtem Wetter nicht wirklich lohnen. Auch den auf dem Weg liegenden Hjalparfoss passierten wir ohne Stopp. Mir ist jedoch beim Vorbeifahren aufgefallen, dass die bisherige Zufahrt gesperrt und durch eine alternative Zufahrt 2 Kilometer weiter westlich ersetzt worden ist. Das restliche Tageslicht nutzten wir für einen Abstecher beim Þjóðveldisbærinn, einer Nachbildung eines alten Gehöfts. Darin befindet sich unter anderem ein Museum, wir beschränkten uns jedoch auf die Aufnahme von Fotos, zumal das Museum nur zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten geöffnet hat.

Auch an diesem Tag hatten wir einige Kilometer und Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt. Am Abend belohnten wir uns selbst mit einem Gang zu KFC in der Ortschaft Selfoss. Anschließend suchten wir wieder die Unterkunft am Landvegur auf und hofften auf Besserung des Wetters.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des vierten Tages:.

Das Landesinnere Der Haífoss im Nebel Die zahlreichen Wasserfälle

An der 26

Der Haífoss im Nebel

Auf dem Weg ins Tal
Danbo als Motiv Nicole und Danbo als Motiv Danbo und ich als Motiv...
Danbo Nicole und Danbo Danbo und ich
Der Weg zurück Wasserfälle Ein Panorama
Oben angekommen Lost in black and white Kontraste
Lichtblicke Im Visier Straight ahead
Das Gefährt In die Weite Þjóðveldisbærinn