2019 09 17 (3)Die Wetterprognosen hatten wir immer im Auge. So sollte uns der Wettergott zumindest an diesem zweiten Tag wohlgesonnen sein. Daher klingelte der Wecker recht früh, so dass wir so viel wie möglich von diesem schönen Wetter haben werden würden. Keine 500 Meter von der Unterkunft entfernt hatten wir von der Küste aus einen tollen Blick auf das 45 Kilometer entfernte Reykjavík. Die Silhouette des hinter der Hauptstadt gelegenen Esja-Gebirges war aus der Ferne erkennbar und im Gegenlicht der Morgendämmerung zeichneten sich Wolken und aufsteigende Dampfsäulen ab. Trotz der großen Entfernung konnten Details der nördlichsten Hauptstadt der Erde erkannt werden. Die Hallgrímskirkja und die am Hafen gelegene Harpa Konzerthalle waren auf den Displays unserer Kameras deutlich auszumachen.

2019 09 17 (4)Dann ging die Sonne auf. Vorbeiziehende Vögel zierten unsere Bilder immer wieder als i-Tüpfelchen. Das Orangerot der Morgendämmerung steht im Gegensatz zum Blau des Atlantik, eine bessere Grundlage für ein ansprechendes Foto kann man kaum erwarten. Nach einer halben Stunde sind wir aufgebrochen. Nach Reykjavík sind es etwa 45 Minuten mit dem Auto. Auf der Fahrt zum Flughafen scherzte ich in Vesnas Auto noch, dass wir auf Island mit keinem Stau zu rechnen haben. In Hafnarfjördur, kurz vor Reykjavík, gab es aufgrund einer Baustelle jedoch einen Stau, der die Fahrt etwas verzögerte. Doch der guten Laune dank des blauen Himmels und Sonnenschein konnte das keinen Abbruch tun.

2019 09 17 (6)Östlich von Reykjavík sind wir dann auf die Ringstraße, die sogenannte „1“, gestoßen. Nach nur wenigen Kilometern sind wir jedoch auf die „36“ in Richtung Þingvellir abgebogen. Nach insgesamt 90 Kilometern Fahrt und ersten Fotostopps sind wir im bekannten Þingvellir-Nationalpark angekommen. Bereits der Weg dorthin bietet fantastische Aussichten. Deutlich merkbar gewinnt man mit jedem Kilometer an Meereshöhe, das machte sich auch in einem Temperatursturz bemerkbar. Von einem Parkplatz kurz vor dem Eingang in den Nationalpark aus ließ ich auch das erste Mal die Drohne aufsteigen. Einen längeren Aufenthalt im Nationalpark hatte ich zwar erst für das Ende der Reise vorgesehen, aber aufgrund des tollen Wetters hatten wir uns entschlossen, bereits zu Beginn des Urlaubs einen längeren Marsch durch den Park zu machen. Außerdem widerlegte ich somit die Ansichten von Kollegen, die Reise sei minutiös anhand einer Exceltabelle durchgeplant ;).

2019 09 17 (7)Es war erst 09:00 Uhr, der Parkplatz, für den man mittlerweile 750 Kronen bezahlen muss, war noch ziemlich leer. So konnten wir von der Aussichtsplatform den Blick in das weite Tal noch weitgehend ungestört genießen. Doch es dauerte nicht lang, bis die Touristikbusse aus Reykjavík eingetrudelt sind und sich der Park nach und nach gefüllt hat. Dennoch wanderten wir durch die Allmännerschlucht hinab ins Tal, das Wetter war einfach zu gut, um den Großteil des Tages im Auto zu verbringen. Die Allmännerschlucht (isl. „Allmannagjá“) ist eine eindrucksvolle Schneise zwischen vulkanischem Gestein. Vor 1.000 Jahren hatten hier jährliche AlÞing-Versammlungen stattgefunden. Einwohner aus dem ganzen Land pilgerten hierher, Rechtsprechung und Rechtausübung hatten hier stattgefunden. Im Tal steht eine kleine Kirche, die Þingvallakirkja, zusammen mit einer Reihe kleiner Häuschen. Der Anblick ist schon anmutend, insbesondere ist dies das erste Mal, dass ich das Þingvellir bei gutem Wetter und ohne Schnee besuchen konnte.

2019 09 17 (12)Nach gut zwei Stunden haben wir uns gegen 11:00 Uhr zur Weiterfahrt entschlossen. Doch eine weitere spontane Eingabe führte uns zum überhaupt nicht vorgesehenen Brúarfoss. Dies ist ein Wasserfall ganz in der Nähe des bekannten Geysir „Strokkur“. Bisher hatte ich nur Bilder und Berichte aus dem Internet gesehen. Demnach müsse man eine knappe Stunde Wanderung auf sich nehmen. Wir stellten uns zudem der Herausforderung, dass der Weg zum Wasserfall scheinbar nicht einfach zu finden sei. Doch dank GPS und Smartphone (wie langweilig) stellte dies kein Problem dar und wir folgten unserem Instinkt und dem doch relativ gut erkennbaren Weg. Im Grunde muss man stets entlang des Flusses „Brúará“ laufen. Dieser war zeitweise jedoch sehr matschig, so dass wir wie bei Super Mario von Stein zu Stein hüpfen mussten. Bevor man den Brúarfoss selbst erreicht, gelangt man an zwei weiteren Wasserfällen vorbei, dem eindrucksvollen Hlauptungufoss, an dessen Abfallkante man sehr nah laufen kann sowie den Midfoss, der etwas gemächlicher aber nicht weniger idyllisch erscheint. Mit einigen Fotostopps benötigten wir etwa eine Stunde. Als schwierig würde ich die Wanderung nicht einstufen, mit Fotogepäck kann man jedoch ein klein wenig ins Schwitzen kommen, insbesondere wenn die Sonne scheint und die dicke Winterjacke getragen wird, gell Nicole? ;).

2019 09 17 (18)Der Brúarfoss beeindruckt durch seine Form und Gestalt, zahlreiche kleine Wasserläufe stürzen hier etwa drei Meter hufeisenförmig in die Tiefe. Die namensgebende Brücke (isl. Brú) führt über die Brúará und man steht in etwa 50 Metern Entfernung zum Wasserfall. Es ist zwar scheinbar möglich, zum Wasserfall hinab zu steigen, doch dies geht nur abseits der Pfade und da der Wasserfall auf Privatgelände liegt und man auf Island die Pfade ohnehin nicht verlassen sollte, verzichteten wir darauf. Der Wasserfall ist nicht hoch oder imposant, sondern einfach nur idyllisch, insbesondere durch die dahinterliegenden Berge, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs bereits leicht in Schnee gehüllt waren.

2019 09 17 (20)Nach knapp zwei Stunden Fotografieversuchen haben wir den Rückweg angetreten. Dieser war nicht so sehr von Fotostopps unterbrochen, so dass wir nach gut vierzig Minuten wieder am Auto waren, welches wir an einem Parkplatz direkt an der „35“ abgestellt hatten. Schließlich sind wir in Richtung Geysir weitergefahren, wo auch unsere Unterkunft für die kommende Nacht gelegen ist. Letztes Jahr waren wir im Hotel „Litli Geysir“ untergebracht, dieses Jahr hatten wir uns die „Geysir Cottages“ ausgesucht. Bei schönstem Wetter sind wir schließlich am „Strokkur“, dem Geysir, angekommen. Alle paar Minuten bricht er aus und schleudert dabei eine große, bis zu dreißig Meter hohe Fontäne aus heißem Wasserdampf empor. Häufig bricht er auch bis zu drei Mal hintereinander aus und eruptiert dabei bis etwa fünf Meter Höhe. Da mittlerweile Nachmittag war, waren entsprechend viele Besucher zugegen. Meinen Fotowunsch, die Fontäne im Gegenlicht der Sonne aufzunehmen, konnte ich ebenso erfüllen wie den Moment kurz vor dem Durchbrechen der Gasblasen durch die Wasseroberfläche.

2019 09 17 (21)Nach dem Checkin in unsere Unterkunft und einem kleinen Essen gönnten wir uns kurzentschlossen ein Entspannungsbad im Fontana Thrmalbad am Laugarvatn, etwa 30 Kilometer vom Strokkur entfernt. Dieses Bad liegt direkt am See, dem Laugarvatn. Das Entspannen in bis zu 39 Grad heißen Wasserbecken ließ die Strapazen des Tages vergessen, schließlich sind über 12 Kilometer Wanderung zusammen gekommen, das haben wir in den Beinen gemerkt...

 

 


 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des zweiten Tages:.

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Fotosession am Morgen

Die ersten Luftaufnahmen... Im Þingvellir
2019 09 17 (10) 2019 09 17 (11) 2019 09 17 (14)
Im Þingvellir Im Þingvellir

Die Wanderung entlang der "Brúará"

2019 09 17 (17) 2019 09 17 (19) 2019 09 17 (22)
Detailaufnahme des Brúarfoss Moments before... der Strokkur Im Fontana Thermalbad