Nach acht Tagen der Erlebnisse und Touren, plante ich am neunten Tag einen Besuch in der Blauen Lagune in der Nähe von Grindavík zum Erholen ein. Die Blaue Lagune ist ein Geothermalbad inmitten von natürlichen, über 800 Jahre alten Lavafeldern. Da die Blaue Lagune in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt liegt und sich internationaler Berühmtheit erfreut, ist diese auch sehr gefragt. Mit entsprechend vielen Badegästen rechnete ich auch.

5D4 3898Zunächst legte ich die paar Kilometer vom Übernachtungsplatz in Richtung Grindavík zurück. Auf dem Weg dort hin lag noch Krysuvík und das Hochtemperaturgebiet von Seltún. Die dort austretenden vulkanischen Gase sind schon von weitem wahrzunehmen. Auf dem Areal blubbert und zischt es überall. Zahlreiche Schilder warnen vor Dampfexplosionen und hohen Temperaturen des Wassers. Die Erde ist durchzogen von bunten Flächen. So farbenfroh wie beim letzten Besuch im November 2015 war Seltún jedoch nicht. Das lag zum einen an der gerade erst aufgegangenen Sonne und an der geschlossenen Schneedecke. Nach etwa 20 Minuten habe ich meinen Rundgang beendet, gerade einmal drei Fotos sind es geworden. Dann brach ich auf und setzte meinen Weg weiter fort in Richtung Blaue Lagune. Zuvor tankte ich das Auto noch in Grindavík voll, zeigte die Reichweite im Display nur noch 100 Kilometer an.

Um kurz vor 11 Uhr war ich auf dem Parkplatz der Blauen Lagune angelangt. Der Besuch in der Blauen Lagune muss im Voraus geplant werden. So buchte ich meinen Aufenthalt bereits im Januar von zu Hause aus. Ein ausgedrucktes Ticket führte ich mit mir und musste es beim Eintritt vorzeigen. Entsprechend dem hohen Eintrittspreis von 77 Euro (!) konnte ich auch etwas Exklusivität erwarten. Diese Erwartung wurde aber nicht enttäuscht. So nahm sich mir ein Mitarbeiter an, welcher mir Handtuch, Badeschuhe und Bademantel sowie das mit Chip versehene Armband aushändigte. Er zeigte mir, wo man als nächstes hingehen musste. Auf diesem großen Areal hätte man sich schon verirren können.

GOPR0388Die Umkleiden waren sehr sauber. Das Schließfachsystem war sehr ausgeklügelt: hat man seine Sachen in einem geöffneten und freien Fach verstaut und schließt die Tür, so hat man etwa 10 Sekunden Zeit, seinen Chip an einen zentralen Sensor zu halten, um die Tür zu verriegeln. In einem Display wird dann die Schließfachnummer angezeigt, welche man sich merken sollte. Ein Kontrollgriff zeigte, dass die Tür auch tatsächlich verschlossen war. Mit Bademantel und Schlappen bewaffnet, einem Jediritter gleichend, ging es dann in Richtung Badeareal. Raus aus dem Warmen, rein in die Saukälte, minus 4 Grad hatte es an diesem Morgen. Das beschleunigte meinen Gang in Richtung Wasser erheblich. Rein ins 38 Grad warme Wasser und ich hätte gern beschlossen, das Wasser nie wieder zu verlassen. Es war sehr angenehm und entgegen meinen Erwartungen war gar nicht so viel los.

Ich durchforstete den riesigen Badepark, der sich aus mehreren "Becken" zusammensetzt. Insgesamt dürfte sich das Badeareal auf gut 200 Meter erstrecken. Ich hatte keine Probleme, ein ruhiges Eck für mich zu finden, aber nicht ohne vorher meinen Gratisdrink an der "In-water-Bar" abzuholen. Ich habe mich für einen Bananenskyr entschieden. Der regüläre Preis beträgt knapp 10 Euro. Nicht schlecht für 300 ml joghurtähnliches Getränk. Doch er war wirklich lecker. Je nachdem, an welcher Stelle ich mich befunden hatte, schwankte die Wassertemperatur zwischen 37 Grad und 42 Grad. Die heißesten Stellen waren dabei wirklich HEISS!

GOPR0352Auffallend war, dass geschätzt zwei von drei Badegästen irgendeine Form einer Kamera mit sich führten, sei es eine GoPro oder ähnliches oder das Smartphone in einer wasserdichten Hülle. Die Hüllen konnten ebenfalls in der Bar erworben werden für schlappe 20 Euro. Ich führte meine GoPro mit mir und machte damit einige Bilder. Unterwasseraufnahmen waren sinnlos, da die Sichtweite unter Wasser keine 10 Zentimeter betragen hatte. Dies rührte von den Kieselalgen her. Mit den Algen konnte man auch sein Gesicht einschmieren, was eine angeblich hautstraffende und regenerierende Wirkung haben sollte. Ja, ich habs gemacht. Ich fühle mich zwar keine 15 Jahre jünger, aber dennoch tat es irgendwie gut :).

GOPR0389 MomentHin und wieder kam ich auch ins Gespräch mit fremden Menschen, die man nach einigen Minuten des Plauderns quasi als Freund wieder verließ. Merkwürdig fand ich jedoch die Unterhaltung zweier dunkelhäutiger Damen, die sich angeregt über das Datingverhalten ihrer bisherigen Freunde unterhalten hatten. Ich kam nicht umhin, dem Gespräch zu lauschen, war ich mit den beiden doch allein. Als sie mich dann fragten, wie ich sie daten würde, trieb es mir dann etwas die Schamesröte ins ohnehin bereits von der Sonne gefärbte Gesicht. Nach einem Foto, welches eine der beiden von uns machen wollte, zog ich von dannen, ich entschloss mich dann doch lieber, mir noch einen von den Skyrs zu holen.

GOPR0373Nach insgesamt sechs Stunden Aufenthalt brach ich ziemlich erschöpft gegen 17 Uhr auf in Richtung Unterkunft in Reykjavík. Ich fand das Gríma Guesthouse auch auf Anhieb und man empfing mich sehr herzlich. Dort sollte ich zwei Nächte verbringen. Ich schaffte all mein Gepäck ins Zimmer, schließlich musste ich schon langsam ans Packen denken. Agnes, die Inhaberin, erklärte mir, wo ich in der Küche was finden könnte und wir unterhielten uns über meinen bisherigen Islandaufenthalt. Außer mir waren noch drei Damen aus Birmingham und London in der Unterkunft. Diese kamen just in dem Moment vom Einkaufen zurück. Auch mit diesen verstand ich mich auf Anhieb. Da sie ihren ersten Tag auf Island hatten, fragten sie mich aus, welche Anlaufpunkte sie denn auf jeden Fall anfahren sollten.

GOPR0377Da der Aufenthalt in der Blauen Lagune doch sehr anstrengend war, unternahm ich an diesem Abend nichts mehr. Meine Aktivitäten besschränkten sich auf das Schreiben des Blogs sowie dem Schauen einer Episode der Gilmore girls (Staffel 1, Episode 11 *g*). Recht bald fiel ich ziemlich geplättet ins Bett. Der kommende Tag würde nicht sehr viel an Programm mit sich bringen, in erster Linie stand Reykjavík auf dem Plan. Also... gute Nacht... góda nótt.