1DX 0777Hallo zusammen... heute hatte ich mit über 400 Kilometern die längste Etappe vor mir. Konkret bedeutete dies den Start vom "Wendepunkt meiner Reise" in Höfn an der Südostküste Islands zurück in Richtung Reykjavík. Doch ganz verschlägt es mich noch nicht in die Haupstadt, schließlich habe ich noch drei Tage Aufenthalt in Island vor mir :). Diese lange Etappe führt mich ein zweites Mal an all den Sehenswürdigkeiten vorbei, die ich bereits auf meinem Weg entlang der Ringstraße passiert hatte. Ich plante dieses ursprünglich als Chancenaufwertung, falls auf dem ersten Hinweg das Wetter oder sonstige Einflüsse mir nicht wohlgesonnen sein sollten. Dies entpuppte sich jedoch zum Glück als irrelevant :).

1DX 0789Mit diesem Wissen wachte ich am Morgen auf. Mein ursprünglicher Plan hatte einen Start um 7 Uhr vorgesehen. Da ich die meisten Solls jedoch schon weitgehend zu meiner Zufriedenheit erfüllen konnte, drehte ich mich nochmal im Bett um. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten nahm ich auch Heidas freundliche Einladung zum Frühstück an. Die anderen anwesenden Gäste aus Japan waren gerade fertig geworden mit Frühstücken, so dass ich mit Heida, ihrer Enkelin und dem Hund Fonn allein war. Wir plauderten dabei etwas und sie war hellauf begeistert von den Fotos der Nordlichter, die ich in der Nacht machen konnte. Sie fragte, ob sie mir eines davon als Poster gegen Bezahlung zusenden könne. Ich bot ihr an, ein Bild per Mail zu schicken, das sie sich dann so groß ausdrucken kann, wie sie möchte. Sie konnte es nicht glauben und schenkte mir eine selbstgemachte Seife mit eingearbeiteter Vulkanasche. Hat sicher einen netten Peelingeffekt :).

1DX 0798Das Frühstück war sehr gut. In Island gibt es einige nette Brotaufstriche, so eine Art Käseaufstrich mit Schinkenstückchen darin. War auf jeden Fall sehr lecker. Nach dem Frühstück packte ich mein Zeug zusammen. Die Sonne lachte vom absolut wolkenlosen Himmel herab. Ich dachte da an das Sprichwort "wenn Engel reisen..." :). Um kurz vor Mittag, also fast fünf Stunden nach der planmäßigen Abfahrt, trat ich meine 400 Kilometer lange Reise an. Zuerst fuhr ich ein paar Kilometer weiter in Richtung Vestrahorn, einem sehr fotogenen Bergmassiv. Ich begnügte mich jedoch mit Bildern aus den eher ungewohnten Perspektiven. Für einen angeblich besten Blick muss man auf die Stokksnes Halbinsel fahren/laufen, welche sich im Privatbesitz befindet und der Besitzer neuerdings 600 Kronen verlangt. Das wäre zwar nicht viel gewesen, ich habe dieses Vorhaben trotzdem verworfen. Unterwegs legte ich dennoch unzählige Fotostops ein. Dementsprechend viele Bilder sind am Ende des Tages heraus gekommen :).

1DX 0805Auch an der Jökulsárlón Gletscherlagune hielt ich noch einmal kurz an. Wie erwartet tummelten sich auf dem Hauptparkplatz bereits Hunderte von Touristen. Auf "meinem" Nebenparkplatz, den ich wieder direkt angefahren bin und jedem Islandreisenden nur wärmstens empfehlen kann, waren es mit mir jedoch lediglich fünf Personen. Die klassische Ansicht von auf dem Wasser treibenden Eisbergen -die man von dieser Stelle ebenso gut hat wie vom danebenliegenden Parkplatz- hatte ich auch überhaupt nicht im Sinn. Ich wollte den Vatnajökull aus großer Nähe fotografieren. Details aus der Nähe von Gletschern faszinierten mich schon beim letzten Besuch mit Timm im Jahre 2015. Hinzu kam das fantastische Licht und der satt blaue Himmel. Insgesamt hatte man fast den Eindruck, auf einem fremden Planeten zu sein.

1DX 0819Aus diesem Grunde habe ich mir als weiteres Ziel den Svinafellsjökull ausgesucht. Der Name bedeutet ins Deutsche übersetzt "Schweineberggletscher". Knappe 60 Kilometer Fahrt liegen zwischen dem Jökulsárlón und dem Svinafellsjökull. Diese Strecke war keinen Meter lang langweilig. Die letzten paar Meter vor dem Gletscher führten über eine holprige, zum Teil von Eis und Schnee bedeckte Piste, die aber selbst mit nur wenig vorhandenen driving skills gut zu bewerkstelligen war. Man muss nur aufpassen, in der richtigen Frequnz über die Schlaglöcher zu fahren, andernfalls fliegt das lose Zeug im Auto rum :). Zu meiner Überraschung befanden sich weitere etwa fünf abgestellte Fahrzeuge dort. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sich keiner dorthin verirren würde. Aber gut... der Gletscher ist ja groß genug :)

1DX 0817Ein paar Hundert Meter Fußmarsch führen in Richtung Gletscher, an welchen man je nach Bedarf quasi beliebig nahe kommen kann. Dies wurde wohl auch zwei jungen Deutschen im Jahre 2004 zum Verhängnis, die seit einem Besuch seit dieser Zeit vermisst werden. Überall warnen Gefahrenschilder vor rutschigen Stellen und möglichen Steinschlägen. Ein Fall in eine Gletscherspalte kann bei Unachtsamkeit gar nicht so unwahrscheinlich sein. Mir wurde etwas mulmig bei der Vorstellung, dass irgendwo in meiner Nähe in einer Spalte seit 13 Jahren die Überreste von zwei damals 25-Jährigen liegen würden... Dementsprechend ließ ich besondere Vorsicht walten.

Der erste Trip führte mich wirklich extrem nahe an die faszinierenden Strukturen des Gletschers heran. Besonders gut erkennbar waren die Einschlüsse von schwarzer Vulkanasche. So konnte man bestens erkennen, mit welchen Schichten der Gletscher über viele Jahrhunderte gewachsen sein musste. Besonders dicke und schwarze Schichten entsprechen Jahre mit Vulkanausbrüchen... Geologie, Glaziologie und Vulkanismus hautnah zum Erleben. Ein tolles Gefühl. So etwas ziehe ich jedem Gammelurlaub am Strand vor! Dann ging ich zurück zum Auto und legte dort die Kameraausrüstung ab. Dafür kam noch die Drohne zum Einsatz. Schließlich hatte ich eine Erlaubnis dafür und ausnahmsweise wehte mal fast kein Wind. Schon auf dem Bildschirm der Fernsteuerung konnte ich erkennen, dass die Eindrücke aus der Luft nochmal ganz andere sein würden. Ich habe das Bildmaterial noch nicht gesichtet und werde dies auch erst zu Hause tun. Ich bin darauf sehr gespannt. Hinzu kommt die Vorstellung, dass am selben Ort der Blockbuster "Interstellar" teilweise gedreht wurde und zwar die Szenen, die auf Dr. Mann's unwirtlichen Eisplaneten spielen (ach nee... *g*).

1DX 0824Dann ging es weiter die Ringstraße entlang. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, kaum entgegenkommende Touristen. Je mehr ich mich jedoch in Richtung Vík i Mýrdal näherte, desto "dichter" wurde der Verkehr. Zunächst fuhr ich am Örtchen Kirkjubaejarklaustur vorbei. Einem Örtchen, für dessen Namen sogar die isländischen Namensschilder zu kurz sind. Nach weiteren 70 Kilometern erreichte ich schließlich Vík i Mýrdal zum zweiten Mal während meiner Reise. Dieses kleine Örtchen ist immer wieder schön,, egal zu welcher Tageszeit oder zu welchem Wetter. Natürlich ist es am schönsten, wenn die gegend in tolles Sonnenlicht eingehüllt ist.

1DX 0831Dort tankte ich jedoch nur kurz und schmälerte meinen Wurstbestand. Schließlich verdirbt so etwas ja auch irgendwann und ich wollte kein Risiko eingehen, mir auf Island mitten im Nirgendwo den Magen zu verderben :).

Ich machte bei dem kurzen Zwischenstop also lediglich ein Foto der hübschen Kirche, während der Zapfhahn den Tank des Mazda mit Diesel vollpumpte. Danach fuhr ich auch gleich weiter in Richtung Dýrholaey, der Halbinsel mit dem bekannten Felsbogen, dem Leuchtturm und dem Blick auf die schwarzen Strände. Hierfür muss man mit noch einmal etwa 20 Minuten Fahrt von Vík aus rechnen.

1DX 0833Die Halbinsel selbst ist dabei recht groß. Mehrere Schilder weisen darauf hin, dass dies ein Vogelpark ist. Insbesondere die Papageientaucher können in den Sommermonaten hier beobachtet werden. Den Winter über befinden sich diese jedoch auf dem offenen Meer, so dass vogeltechnisch hauptsächlich Möwen unterwegs waren. Aus der Ferne waren dabei wenige Touristen erkennbar, war die erstaunlich schneefreie Gegend um Vík um diese Uhrzeit (18 Uhr) durch die tiefstehende Sonne in ein fantastisches, warmes Licht gehüllt. Oben auf dem höchsten Punkt der Halbinsel sah dies dann aber wieder anders aus. Etwa 20 Fahrzeuge waren dort geparkt, ein Gedränge kam jedoch keines auf, ist der Platz da oben doch sehr weitläufig.

5D4 3645Der Blick auf den Felsbogen war schon sehr imposant. Dieser war durch die untergehende Sonne in ein wahnsinniges Licht getaucht. Auf dem Felsen tummelten sich Tausende von Möwen. Es herrschte eine dementsprechende Geräuschkulisse. Auch das Felsmassiv, auf welchem der Leuchtturm stand und der Blick nach unten in die Weite auf den schwarzen Strand... unbeschreiblich schöne Eindrücke, die kaum in Worte oder Bilder zu fassen sind. Man muss es einfach selbst erlebt haben. Ich freue mich auf jeden Fall über das wahnsinnige Glück, was das Wetter betrifft.

5D4 3655Nach einigen Bildern und vor allem Momenten des Genusses brach ich weiter auf in Richtung Unterkunft in Selfoss. Immerhin hatte ich noch etwa 120 Kilometer vor mir. Das Navi sagte etwas von eineinhalb Stunden Fahrt. Ich schrieb meiner Gastgeberin, dass ich um etwa 20 Uhr eintreffen würde. Diese Zeitangabe konnte ich auch recht gut einhalten und ich traf um etwa 20 Uhr in Selfoss ein. Selfoss ist ein kleines Städtchen mit etwa 6500 Einwohnern und damit für isländische Verhältnisse eine kleine Großstadt :). Von hier aus kommt man auch in einer Stunde nach Reykjavík. Es liegt also sehr günstig an der Ringstraße. Und es gibt hier einen KFC :).

5D4 3714Dort erwarteten mich Asthildúr und ihr Mann. Alt wurde ich an diesem Abend nicht, war ich von der langen Fahrt, der vielen Sonne und den gewonnenen Eindrücken doch recht erschöpft. Auch die angekündigten Nordlichter konnten mich nicht dazu bewegen, dem Bett fern zu bleiben. So... soviel zum siebten Tag meiner Reise. Der achte Tag würde mich panmäßig ins Thingvellir bringen, um dort eine weitere Nacht im Auto zu verbringen. Aber aufgrund meiner Flexibilität würde es doch etwas anders kommen :)