5D4 3402 mDa ich wie bereits gestern erwähnt im leichten Rückstand mit dem Anliefern der Reiseberichte bin, und ich von dieser aktuellen schönen Unterkunft noch nicht wirklich weg will und mein Tagesplan sehr flexibel ist, schreibe ich gleich früh morgends am Bericht zu Tag 5. Es ist jetzt 08:30 Uhr. In Deutschland denken die meisten Arbeitenden sicher schon an die Mittagspause, mit wem sie sie verbringen oder was sie essen werden. Hier ist es schon hell, absolut blauer Himmel. Leider auch jetzt noch geht dieser unerbittliche Wind, der gerne mal heftig am aufgestellten Fotostativ zerrt.

Tag 5 begann am frühen Morgen mit einem kleinen Schock. Ich stellte meinen Wecker planmäßig auf 7 Uhr, da ich einiges vor hatte. Ich habe sehr gut geschlafen, bin jedoch das eine oder andere Mal aufgewacht und jedesmal war draußen dieser heftige Wind zu hören. Rausgeschaut habe ich jedoch nciht, sondern habe mich tief in mein warmes Bettchen gemümmelt. Als schließlich der Wecker das Ende der gemütlichen Nacht bereitete, stand die morgendliche Pflege an, die Utensilien und Wechselwäsche hatte ich ja am Vorabend (zum Glück) mit in die Unterkunft genommen. Dann die Sachen zusammengepackt und auf dem Weg zum Auto. Ja... wo is denn das Auto...? Schon als ich die Tür aufmachte, dachte ich mir "oh... ist der Boden über nacht einen halben Meter höher geworden?" Ja, isser. Es hat heftigst geschneit und das Auto (welches ich am Vorabend bei zwei anderen Autos abgestellt hatte), war auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen.

5D4 3374 mEs versteckte sich unter einem sprichwörtlichen Haufen Schnee. Zum Glück schon in startfertiger Montur, befreite ich das Auto von Schne und Eis, und das bei anhaltendem Schneefall und dem bösartigen Wind. Keine angenehme Sache. Der Diesel des Mazda kam nur schwer in die Gänge, daher dauerte es auch recht lange, bis die Scheibenheizungen ihren Dienst verrichteten und die Scheibenwischer wieder zum Leben erweckten. Das Ganze dauerte eine gute halbe Stunde. Während dieser Zeit, in welcher die Heizung warm wurde, schaute ich die Straßenkonditionen an und siehe da... die Ringstraße ist (mal wieder) gesperrt. Ich befand mich zwischen den beiden Orten Selfoss und Hella mitten in der Sperrung. Aus Richtung Reykjavík kommend waren alle Straßen unpassierbar. Auf der Webseite road.is ist deutlich zu erkennen, welche Windgeschwindigkeiten bei welchen Temperaturen herrschen und auch wo sich gerade der Schneepflug befindet. Offensichtlich gab es aber eine Strörung, denn die Angaben aktualisierten sich nicht wie sonst. Also begab ich mich nach dem Freischaufeln des Autos zurück in die Unterkunft. Zwischenzeitlich waren auch die anderen wach. Steingrimur, der Hauseigentümer und auch das Pärchen aus Kalifornien, die sich das Káfholt Guesthouse als Unterkunft für die Dauerihres Urlaubs gemietet hatten. Von dort aus starteten sie jeweils ihre Tagestrips. Auch eine gute Möglichkeit. Bei einem heißen Tee unterhielten wir uns angenehm.

5D4 3420 mNach etwa einer Stunde sagte road.is, dass die Straße nach Hella wieder frei sei. Sodann begab ich mich auf den Weg, nicht aber ohne vorher zu fragen, wie es schneetechnisch mit der etwa 2 Kilometer langen Auffahrt vom Gästehaus auf die Ringstraße aussieht. Da beruhigte mich Steingrimur und meinte, dass der Bulldog den meisten Schnee schon weggeräumt habe. Ok, das sollte dann kein Problem sein. "If there's snow, don't stop, or you're stuck", meinte er als wahrscheinlich gut gemeinten Rat. Na toll... ich bleibe zwar im Fahren, rolle aber in einen Wasserfall hinein oder wie?

5D4 3471 mOhne Probleme kam ich auf die Ringstraße. Nach ein paar Kilometern wurden die Bedingungen wesentlich besser, der Schneepflug leistete ganze Arbeit, so dass das Fahren absolut keine Probleme bereitete. Die erlaubten 90 km/h waren gut zu fahren. Da ich aber nicht als einziger von der Sperrung betroffen war, sondern auch die Millionen Touristen, die bis dahin auch in Reykjavík fest saßen, keimte in mir die Hoffnung, als einer der ersten an meinem ersten Tagesziel zu sein: dem Seljalandsfoss. Die 50 Kilometer bis dort hin begegneten mir etwa drei Fahrzeuge auf der Ringstraße. Am Wasserfall angekommen, erfüllte sich mein Wunsch weitgehend. Es standen lediglich drei Autos da. In ungewohnter Gemütlichkeit konnte ich meine Fotos machen. Am Seljalandsfoss ist es möglich, hinter den 66 Meter hohen Fall der Seljalandsá zu wandern und quasi unter dem Wasserfall hindurch nach draußen in die Landschaft zu blicken. Durch dann trudelten nach und nach weitere Besucher ein, zunächst nur Individualreisende, später dann die berüchtigten Busse voll Asiaten (das ist nicht abwertend gemeint, ich mag Kultur aus dem asiatischen Raum und ich liebe Godzilla, aber als Touristen sind diese Menschen einfach eine Zumutung!).

5D4 3502 mMit total nasser Kamera, Stativ und Jacke kam ich wieder unter dem Wasserfall hervor. Etwas abseits von dem mittlerweile großen Trubel ließ ich die Drohne aufsteigen und filmte das Schauspiel von oben. Zuvor versicherte ich mich, ob irgendwo Verbotsschilder angebracht waren. Ich konnte keine entdecken. Der Seljalandsfoss und Skógafoss wären die beiden einzigen Örtlichkeiten gewesen, an welchen ich keine offizielle Genehmigung gehabt hätte. Aber wahrscheinlich machte ich mir einfach zu viele Gedanken, denn bisher habe ich an jeder Sehenswürdigkeit eine Drohne rumfliegen sehen. Und ich glaube kaum, dass die Piloten sich um eine Erlaubnis bemüht hatten.

Genug Seljalandsfoss, die Fahrt führte mich weiter an den nur 30 Kilometer entfernt liegenden Skógafoss. Das ist bis dato mein absoluter Favorit. Über 60 Metrer tief stürzt das Wasser der Skóga auf eine Breite von 25 Meter eine Felskante hinab. Das Faszinierende ist, dass man auch an diesen Wasserfall fast beliebig nahe hinkommen kann, je nach individueller Mut- und Wasserfestigkeitsgrenze. Ich beließ es bei etwa 5 bis 7 Metern. Fotos kann man in dieser Entfernung ohnehin keine vernünftigen gewinnen, da einem gefühlte 25 Liter Wasser pro Sekunde entgegenrieseln. Lediglich die GoPro Kamera nahm ich auf diese kurze Distanz mit :).

5D4 3507 mAuch zum Skógafoss fanden die zahlreichen Touristen langsam ihren Weg, doch diese verteilen sich weitläufiger auf dem Areal, so dass die Menge gar nicht so sehr auffällt. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen, welche Bilder ich an diesem Wasserfall machen möchte. Und dafür stand die Sonne leider noch zu niedrig: eine Felskante warf einen großen Schatten auf den Wasserfall, so dass ich noch eine Weile hätte waten müssen. Also entschloss ich mich kurzerhand um und begab mich auf den Weg zum nur 1 Kilometer entfernt liegenden Kvernufoss. Die Wegbeschreibungen im Internet dazu waren gut, doch es stand nirgends, wo ich mein Auto hätte abstellen können. Also ging ich ins Skógar Museum und fragte dort eine nette, junge Dame, die mir sehr freundliche Ausunft gab. Es hat nur noch gefehlt, dass sie mich zum Wasserfall begleitet hat.

Also ging ich zu Fuß los. Nach ein paar Metern muss man eine Trittleiter über einen Zaun klettern. Auf der Koppel standen Pferde. Ich hoffte nur, dass die mich nicht töten würden, von Pferden hörte man schon so manche Dinge ;). Doch diese waren sehr friedlich und ließen sich sogar streicheln und fotografieren. Nach 100 Metern quer über die Weide kam ich auch schon zur Kverna, dem Bach, an welchem das Wasser am gleichnamigen Wasserfall ein paar Hundert Meter weiter oben hinabstürzt. Auch unter der Schneedecke konnte ich den Pfad problemlos ausmachen. Zwischendrin gab es jedoch einen kleineren etwas steilen Anstieg, aber alles war ohne Probleme möglich. Man hört das Rauschen des Wasserfalls schon aus der Ferne, sieht ihn aber noch nicht. Erst nach dem Passieren eines Felsens, zack! Da isser!

So erreichte ich den Kvernufoss und verbrachte dort fast zwei Stunden -allein! Ohne weitere Touristen. Denen ist der Weg wahrschienlich einfach zu weit. Wie beim Seljalandsfoss ist es möglich, hinter den Kvernufoss zu wandern. Dabei kommt man diesem jedoch wesentlich näher als dem Seljalandsfoss. Auch hier macht einem der Sprühnebel als Fotograf etwas zu schaffen, man schafft es aber problemlos, schöne Bilder zu machen. Neben all der Fotografie habe ich mir aber versprochen, vor allem eins zu tun: Genießen! Einfach dastehen und die Eindrücke wirken lassen. Und allein dafür hat es sich gelohnt, den Fußmarsch auf mich zu nehmen.

Seit ich den Skógafoss verlassen hatte, sind gute zwei Stunden vergangen. Ich begab mich daher auf den Rückweg, in der Hoffnung, dass sich die Lichtsituation verbessert hat. Ein kurzer Halt am "Skóga Restaurant" führte mich zu einer dringend erforderlichen Toilette. Ich möchte ja nicht für noch einen Wasserfall in Island sorgen. Die Touristensituation hatte sich auch etwas entspannt, war es zwischenzeitlich schon nach 14 Uhr. So konnte ich meine geplanten Bilder machen und auch die Drohne kam nochmals zum Einsatz. Skógafoss: check!

5D4 3518 mIch begab mich auf die Weiterfahrt. Da ich am Kvernufoss mehr Zeit beansprucht hatte, als ich eingeplant hatte, entschloss ich mich kurzerhand, einige Etappen des Tages auszulassen. Nächster obligatorsicher Stop wäre Vík i Mýrdal, die kurz zuvor gelegenen Standorte Reynisfjara und Dyrholaey strich ich aus der Liste. Zum Dyrholaey (Schlüssellochfelsen) würde ich eventuell bei der Rückfahrt von Höfn vorbei schauen. In Vík angekommen erwartete mich das wie gewohnt kleine verschlafene Örtchen. Ein kurzer Besuch in einem Laden und was zum Essen zur Stärkung und es ging weiter in Richtung Tagesziel: der Jökulsárlón Gletscherlagune.

Auf dem Weg dorthin liegt der Fjadrargljufur Canyon. Dieser liegt eigentlich gut erreichbar an der Ringstraße. Eigentlich... eine etwas steilere Abfahrt und die Warnungen von vier Touristen, dass kurz zuvor ein 4x4 Geländewagen stecken geblieben ist, ließen mich das Auto auf einem Parkplatz etwa 1 Kilometer vor dem Canyon abstellen. Da die vier Touristen, einem Mädel aus England und einem Pärchen und einer Freundin aus Irland ebenfalls zum Canyon wollten, schlossen wir uns kurzerhand zusammen. Auf dem Weg dorthin kamen wir ins Gespräch und tauschten uns aus.

5D4 3534 mDer Besuch am Canyon selbst war recht kurz, da die Sonne bereits untergegangen war und das Licht unheimlich wurde. Mit Straßenbeleuchtung habens die Isländer ja ohnehin nicht so und schon gar nicht an Straßen fernab der Ringstraße. Also begaben wir uns wieder zu unseren Autos, tauschten noch Kontaktdaten via Facebook aus und unsere Wegge trennten sich wieder. Für mich hieß es dann noch weitere 120 Kilometer zur Jökulsárlón Gletscherlagune. Je weiter man sich dabei von Reykjavík entfernt, desto leerer werden die Straßen. Es scheint, als würde Vík i Mýrdal dr am weitesten angefahrene Punkt von Tagestouren aus Reykjavík zu sein. Danach beginnt das touristische Nichts. Dies bestätigten die leeren Straßen, etwa alle zehn Minuten kam mir mal ein Auto entgegen.

5D4 3543 mZwischenzeitlich war es dunkel. Als ich an der Gletscherlagune ankam, war es etwa 21 Uhr. Dieser Punkt zieht dann doch noch mal ordentlich Touristen an. Auf dem Hauptparkplatz tummelten sich etwa 30 Fahrzeuge. Es herrschte reger Hektikverkehr. Autos auf, Autos zu, Blinker an, Blinker aus, Taschenlampenfuchteln, Geschrei asiatischen Ursprungs, Rumrennerei... etwas viel Hektik in meinen Augen. Schlafen wäre dort fast nicht möglich gewesen. Also habe ich wieder den Vorteil ausgenutzt, für mich selbst zu sein und habe schlicht den Standort gewechselt auf einen etwa 500 Meter entfernten Parkplatz, der schlicht nicht in den Touristen- und Reiseführern eingezeichnet und auch nicht gut ausgeschildert ist. Man muss aus Richtung Vík kommend einfach VOR der Brücke links auf den Parkplatz biegen. Und da war ich dann auch fast allein. Zwei Autos standen da, ebenfalls Fotografen, die auf Nordlichter warteten.

Die Nordlichter kamen später dann auch kurz. Während der ganzen Zeit war im Norden ein schwach grünlich glimmender Bogen am Himmel auszumachen. Dieses wurde von Zeit zu Zeit stärker und es gab etwas Auroraaktivität. Diese hielt ich natürlich trotz der Kälte fest. Es kam mir sehr gelegen, dass zum Einen der Wind und zum anderen die Bewölkung zunahmen, während gleichzeitig die Nordlichtaktivität zurück ging. Dies deutete ich als Zeichen, mich Schlafen legen zu können :). Das tat ich dann auch. So... dann bis zum nächsten Mal, wenn es mich nach Höfn führt.

aurora js