03 wald mDer dritte Tag war der bisher aufreibendste meiner Reise. Nachdem ich aufgrund der Sturmwarnung und damit verbundenen weiträumigen Straßensperrungen bereits um etwa 2 Uhr vom Kirkjufell in Richtung drittes Tagesziel auf der Vatnsnes Halbinsel losgefahren bin, legte ich nach etwa 130 Kilometern eine Pause ein und ruhte mich länger aus. Nachts fahren kann anstrengend sein. Lange Fahrten auch. Wenn es schneit kann es auch ermüdend sein. Und wenns windig ist, ist das auch nicht schön... So... wenn es jetzt aber nachts schneit und so stürmt, dass der Schnee waagrecht fällt und noch 140 Kilometer vor einem liegen, da macht man doch eher Pause. Gesagt, getan. Der Rastplatz -ein simpler Platz mit einer Holzbank- kam mir bekannt vor, vor zwei Jahren machten Timm und ich da meines Wissens Pipipause :).

01 hvitserkur mOhne Zwischenfälle kam ich auf der Vatnsnes an. Die letzten 30 Kilometer zum Hvitserkur Felsen sind über eine Schotterpiste zu erreichen. Es stürmte allerdings sehr. An ein Aufsteigen mit der Drohne war da nicht zu denken. Der Felsen bot jedoch einen spektakulären Anblick. Nach etwa einer halben Stunde trat ich die Rückreise an. Außer mir verirrten sich noch weitere drei Personen in einem Auto zu dieser Sehenswürdigkeit. Der etwa 15 Meter hohe Felsen mit dem Namen Hvitserkur, was so viel bedeutet wie "weißes Hemd", bekam seinen Namen aufgrund der weißen Färbungen von hinterlassenschaften von allerhand Fluggetier. Insbesondere Küstenseeschwalben hocken auf dem Ding drauf und sauen es ein. Diese Vögel nisten auch gerne am Boden und haben es zu Brutzeiten gerne auf arglose Touristen abgesehen. Sie legen dann ein äußerst agressives Verhalten an den Tag. Doch ich blieb an dem Tag verschont :). So machte ich mich schließlich auf den Heimweg. Nach etwa 100 Kilometern blinkte es jedoch schon von weitem sichtbar auf der Straße...:

05 n1 mDann geschah es... die Ringstraße wurde gesperrt. Ich war gerade auf Höhe von "Stadur", habe also gerade die Halbinsel verlassen, stand ich vor der Sperrung. Vor Fahrtantrit war die Sperrung noch nicht aktiv. Nun gut... ich fragte den Sperrmenschen, wie lange etwa mit der Sperrung gerechnet werden muss. Er meinte "irgendwas zwischen 21 Uhr und 22 Uhr". Toll... zu diesem Zeitpunkt war es gerade mal 13 Uhr. Ich hatte also die Wahl zwischen acht Stunden abwettern oder dem Suchen einer Alternativroute. Nun gut... immerhin war direkt daneben eine Tankstelle mit Restaurant. Verhungert wäre ich also nicht. An Benzinmangel gestorben auch nicht. Tod aufgrund verrissener Blase konnte auch ausgeschlossen werden, Toiletten waren vorhanden. Doch nach einer Nacht im Auto war mein Verlangen nach einer Dusche doch schon recht stark.

02 ponies mDennoch... es waren gemütliche Stunden. Nach und nach trudelten weitere Festgesessene ein, am Ende waren es etwa 20 Personen. Gespräche entstehen. "Woher kommt ihr?", "Wo geht ihr hin?" und so weiter... Eine sehr interessante Beschäftigung ist es auch immer, Asiaten im Ausland zu beobachten. Erstaunlich, immer wieder... Die Angestellten der Gaststätte bemüten sich und waren sehr freundlich, auch das Essen war gut. Es gab sogar kostenlos Getränke.

Doch nach vier Stunden entschloss ich mich dann doch, eine gefundene Alternativroute zu fahren. Regulär hätte ich noch 50 Kilometer vor mir gehabt. Die Alternativroute war mit 95 Kilometer knapp doppelt so lang. Mir war auch klar, dass es vereiste Schotterpisten sein würden. Dennoch wagte ich es. Die ersten 15 Kilometer waren völlig problemlos. Doch dann ging es los. Schotte, Schlaglöcher, Schneematsch, geneigte Fahrbahn, Gegenverkehr und noch der Sturm. Die etwa 40 Kilometer von hinter Bordeyri bis Budardalur stehen auf meiner Liste der "worst road experience" ganz weit oben, noch vor der C 14 von Solitaire nach Walvisbaai im Jahre 2013.

Dennoch... ich kam heil am Grábrók Guesthouse an. Bei Ankunft bekam ich mit, dass die Straßensperrung aufgehoben wurde. Ich freute mich nur auf die Dusche und dann aufs Bett. Die nette Dame an der Rezeption fragte auf Englisch, ob sie mir helfen könne. Ich gab mich zu erkennen und meinte dann nur "wir können auch deutsch reden". Na prima... mitten im Nichts eine Deutsche, die ein Gästehaus betreibt :).

04 schneestrasse mSie zeigte mir die Unterkunft, ich ging dann noch etwas unter die Leute in der daneben liegenden Bar. Man kommt bei so etwas auch immer mit irgend jemandem ins Gespräch. Doch alt wurde ich gestern nicht. Aufgrund der langen Wartezeit während der Sperrung gibt es vom dritten Tag auch nur wenig lohnenswerte Bilder.

Ansonsten führt mich der vierte Tag in landschaftlich sehr interessante Gebiete wie den Gullfoss Wasserfall oder ins Thingvellir am Thingvallavatn. Mehr dazu dann im nächsten Blog :).