tag02 borgarneskirche mSo... nachdem die Ringstraße wegen Sturms gesperrt ist (mehr dazu im Blog zu Tag 3) und ich hier im Café direkt neben der Sperrung mehr als genug Zeit habe, komme ich dazu, die Bilder von gestern zu sichten und zu bearbeiten. Eine Auswahl dazu werdet ihr hier sehen können. Der gestrige zweite Tag begann mit der Abfahrt aus Reykjavík. Ziel der Etappe sollte am Abend der Berg Kirkjufell sein, der norödstlich der Snaeffelsnes Halbinsel liegt. Schon beim letzten Islandurlaub nächtigte ich dort und konnte zusammen mit Timm Ansätz von Polarlichtern sehen. Ich plante und hoffte, dass es dieses Mal besser klappen würde. Und...? Hat es geklappt? Seht ihr nachher :).

Die geplante Route führte mich erst unter dem Hvalfjördur hindurch. Ja... "unter" ist korrekt. Die Ringstraße in Richtung Westfjorde führt durch einen etwa sechs Kilometer langen Tunnel unter dem Fjord hindurch. Der Tunnel hört auf den anmutend klingenden Namen "Hvalfjardargöng" und liegt an der tiefsten Stelle 165 Meter unter dem Meeresspiegel. Man merkt auch deutlich, dass es steil hinab geht. Am Scheitelpunkt angekommen, geht es ebenso steil wieder nach oben. 1.000 Kronen -also etwa 8 Euro- kostet der Spaß, wenn man nicht aufpasst, unter Umständen auch mehr, denn gefühlt etwa alle 250 Meter sind Starenkästen installiert, die teure Fotos von einem machen können :). Ich blieb aber wenigstens davon verschont, so dass es bei den 1.000 Kronen blieb. Man kann alternativ zu dem Tunnel auch den Hvalffjord entlang fahren, muss dann allerdings 60 Kilometer Umweg in Kauf nehmen.

tag02 hraunfossar02 mDie Maut entspricht in etwa dem Benzinverbrauch, bringt allerdings einen erheblichen Zeitvorteil. Andererseits bietet einem die Fahrt den Fjord entlang fantastische landschaftliche Anblickem unter anderem kommt man am Glymur vorbei, einem Wasserfall in einem Canyon. Ein Ausflug dort hin hat etwas von Abenteuerurlaub. Ursprünglich plante ich den Glymur als Zwischenstopp. Da ich allerdings in 2015 bereits mit Timm dort war, entschied ich mich für ein anderes Ziel: die Hraunfossar (ch'röin-fossar, "Lavafälle").

Nach einem Tank- und Raststopp begab ich mich also auf den Weg zu den Hraunfossar. Diese Wasserfälle (ja, Plural) "stürzen" auf eine Breite von etwa 700 Meter unter einem erkalteten Lavafeld hervor. Das Wasser des Flusses Hvitá läuft unterirdisch und tritt an der Stelle der Hraunfossar wieder hervor. Man erkennt deutlich das etwa 1.000 Jahre alte Lavafeld, welches auf den Namen "Hallmundarhraun" hört. An diesen Wasserfällen sah ich die ersten Touristen überhaupt. Das ist das Gute an der Winterzeit: man ist weitgehend allein an den Sehenswürdigkeiten. Etwa fünf Autos befanden sich vor Ort. Freundliche Menschen vor Ort runden das Urlaubsgefühl ab, es entstehen ungezwungen Gespräche, vor allem unter Fotofreunden. Man merkt den sich gegenseitig musternden Blick und einer macht immer den Anfang bei einem Gespräch :).

tag02 snaeffelsnes mNur einen Steinwurf von den Hraunfossar entfernt liegt der "Barnafoss" ("Kinderwasserfall"). Einer isländischen Sage nach stürzte ein ehemals über die Fälle gehender Steinbogen ein und kostete zwei Kindern das Leben. Wenn man sich den Wasserfall anschaut, spreche ich dem dort Reingefallenen auch wenig Chancen zu, lebendig da wieder raus zu kommen. An den Hraunfossar ließ ich auch erstmals die Drohne steigen. Die Luftbilder werde ich allerdings separat einstellen.

tag02 budir01 mMein weiterer Streckenplan führte mich auf die Snaeffelsnes Halbinsel. Die Halbinsel ist benannt nach dem gleichnamigen Vulkan, dem Snaeffelsjökull. Dort begann im Roman von Jules Verne die "Reise zum Mittelpunkt der Erde", einer meiner Lieblingsfilme, Romane lese ich nicht so gerne :). Bereits die Anfahrt begeisterte mich. Der namensgebende Vulkan lag weitgehend wolkenfrei im Licht der abendlichen Sonne. Auch der vorgelagerte "Stapafell", der besonder schön vom kleinen Fischerörtchen Arnarstapi aus zu sehen ist, beeindruckt durch Form und Nähe. Arnarstapi gehört zur Gemeinde "Snaefellsbaer" und hatte zu Glanzzeiten 147 Einwohner laut Wikipedia. Genaue aktuelle Angaben finden sich nicht, aber ich stellte jetzt auch keine großen Anstrengungen an, danach zu suchen :).

Vor dem Besuch in Arnarstapi machte ich halt an der "Budakirkja", einer einzeln im Feld stehenden Kirche, kurz vor der Halbinsel. Das vorhin genannte Örtchen Arnarstapi gehörte auch zu einem meiner Stopps. Ein starker Wind wehte und machte es teilweise sehr schwer, Bilder vom Stativ aus zu gewinnen. Am Parkplatz wird man von einer gewaltigen Statue von Bárdur Snaeffelsás empfangen, ein etwa fünf Meter hohes Kunstwerk des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson. Bárdur stellt eine isländische Sagenfigur dar.

tag02 arnarstapi01 mSehr interessant ist die Küstenformation von Arnarstapi. Der Atlantik brescht hier mit voller Gewalt an die Basaltsäulen. Das Zusammenspiel der Kräfte von Wasser und Wind lassen einen da recht klein erscheinen. Hier kommt sehr deutlich der Ursprung Islands zum Vorschein. Man kann den Vulkanismus fast allgegenwärtig spüren, insbesondere durch solche Basaltfelsen. Ich würde gerne mal einen Zeitraffer von der Entstehung Islands sehen oder wie die Insel bzw. die Kontinentalplatten auseinander driften. Schließlich sind es jedes Jahr 2 Zentimeter, die die eurasische Kontinentalplatte sich von der nordamerikanischen Platte entfernt.

tag02 arnarstapi03 mMein Weg führte mich einmal um die Halbinsel herum. Ich durchquerte das Örtchen Òlafsvík und passierte später schließlich den Kirkjufell. Bevor ich dort mein "Nachtlager" errichtete, betankte ich noch schnell das Auto und erledigte kleine Einkäufe im nahegelegenen Örtchen Grundarfjördur. Dann fuhr ich einen Parkplatz an (nicht DEN Parkplatz mt den Wasserfällen), an welchem ich die Nacht im Auto verbringen wollte.

Ein Blick auf die Aurora-App sagte mir, dass die Aktivität für Nordlichter in der kommenden Nacht vielversprechend seien. Allerdings kamen aus Richtung Landesinnerem immer wieder starke Schneestürme herein. Diese dauerten etwa 15 Minuten an, ehe diesen stets ein paar Minuten lang klarer Himmel folgte. So leuchteten einige durchaus eindrucksvolle Nordlichter durch die Wolkenlücken. Dies bedeutete für mich natürlich, etwa alle 15 Minuten aus dem warmen auto auszusteigen, das Fotozeug aufzurödeln und einige Bilder zu machen. Nach ein paar Malen ließ ich das Stativ einfach draußen stehen. Ich vertraute den etwa acht Chinesen im Bus hinter mir, die anscheinend ebenfalls auf Polarlichtjagd waren, enn auch sie stiegen bei jeder Sichtbarkeit aus und erfreuten sich lautstark an der Erscheinung.

tag02 kirkjufell mGegen 1 Uhr in der Nacht gab es dann weder Polarlichtaktivität noch Wolkenlücken. Gleichzeitig las ich im Internet eine Sturmwarnung der "Icelandic Road and Coastal Administration". Am folgenden Tag, also am Freitag sollten heftige Stürme den Südwesten des Landes heimsuchen mit Böen bis 130 km/h. Daher entschloss ich mich spontan, um etwa 01:30 Uhr die Zelte am Kirkjufell abzubrechen und mich mitten in der Nacht in Richtung nächstes Etappenziel, dem Hvitserkur Felsen auf der Vatnsnes Halbinsel aufzumachen. Dieses Ziel liegt in etwa 250 km Entfernung zum Kirkjufell. An einem etwa auf halber Strecke gelegenen Parkplatz stellte ich mich jedoch letztendlich ab und machte eine Pause bis 7 Uhr am nächsten Morgen, ehe ich mich vollends auf den Weg zum Hvitserkur machte. Die Bilder dazu gibt es im Blog zu Tag 3 meines Islandtrips :).

tag02 kirkjufellaurora mHier aber noch das "Bild des Tages", zumindest war es mein Highlight, das Polarlicht über dem Kirkjufell. zeitweise war der komplette Himmel wolkenfrei, so dass ich mit meiner zweiten Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv noch weitere Bilder machte. Man kann vieles planen, auch bei einer solchen Fotoreise. Allerdings sind weder das irdische Wetter noch das Weltraumwetter vorhersagbar. Insbesondere in Bezug auf das irdische Wetter kann man recht schnell sehr alt aussehen, was sich heute, also am dritten Tag, gezeigt hat. Mehr dazu aber morgen :).