00 reisefuehrerIsland. Die größte Vulkaninsel der Erde. Mit gut 103.000 Quadratkilometern besitzt diese etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, hat aber mit 350.000 Einwohnern die dünnste Besiedlung in Europa. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt im Gebiet um die Hauptstadt Reykjavík. Schon die drittgrößte Stadt Islands Hafnarfjörður hat weniger Einwohner als mein Heimatstädtchen Bad Mergentheim. Pro Jahr besuchen etwa drei Millionen Touristen die Vulkaninsel und übertreffen damit die Einwohnerzahl um das Zehnfache. Noch beeindruckender ist die Tatsache, dass zu den Spielen der Fußballwelt- und Europameisterschaften jeweils mehr als 10 Prozent der isländischen Bevölkerung in den Fußballstadien in Russland bzw. Frankreich waren.

Das Land, die Menschen und die Sehenswürdigkeiten heben Island auf den Status als fotografisches Paradies schlechthin an. Grund genug für mich, die Insel nun zum dritten Mal zu besuchen. Angefangen hat dies im Jahre 2015, als Timm Kasper aus Ottobeuren, mit welchem ich schon in Namibia unterwegs war und einige Fotoausstellungen durchgeführt hatte, den Vorschlag gemacht hatte, einmal Island zu bereisen. Gesagt, getan. Im Spätherbst 2015 tourten wir das erste Mal über 2.000 Kilometer über die Insel. Leider hatten wir mit dem Wetter kein großes Glück, auch wenn wir in mehreren Nächten Polarlichter, die sogenannte Aurora borealis, sehen und auch fotografieren konnten. Ein gutes Jahr später bereiste ich Island allein und erlebte die Insel in winterlichen Konditionen. In einer der Nächte sind damals über 80 cm an Neuschnee in Reykjavík gefallen, ein 80 Jahre alter Rekord war damit gebrochen worden. Und ich war dabei und steckte mehrere Stunden in einer Straßensperrung fest. Mit dem Wetter hatte ich im Februar 2017 mehr Glück und konnte ebenfalls in einigen Nächten Polarlichter beobachten, dafür hüllte sich fast die komplette Insel in eine geschlossene Schneedecke, so dass ich von der Landschaft nicht allzu viel sehen konnte.

00 planSo hatte sich im Frühjahr 2018 ergeben, dass ich mit zwei bekannten Fotokolleginnen meines Fotostammtisches Island erneut bereisen würde. Die Planung ist schnell auf die Beine gestellt gewesen, im Wesentlichen zog ich die Tour der vergangenen Reise heran. Es besteht zwar grundsätzlich die Möglichkeit, Island entlang einer Straße komplett zu umrunden. Die sogenannte Ringstraße (Hringvegur) umrundet die Insel einmal komplett auf einer Strecke von 1.330 Kilometern. Ich habe es jedoch vorgezogen, nicht die gesamte Ringstraße zu befahren, sondern nur bis zum östlichen Teil Islands, zur kleinen Hafenstadt nach Höfn. Das mag zwar langweilig erscheinen, aber ich lege bei solchen Reisen großen Wert auf gutes Wetter mit angenehmen Lichtverhältnissen. Wenn es einen Umkehrpunkt einer Reise gibt, so wird jeder Ort zweimal passiert, was die Chance auf gutes Wetter verdoppelt. Diese Rechnung ist aufgegangen. Mit dem Wetter hatten wir sehr großes Glück, bereits zwei Tage nach unserer Rückkehr nach Deutschland ist auch im Süden Islands großflächig Schnee gefallen.

Die Planungen und Buchungen haben also bereits im März 2018 stattgefunden. Vom 2. Oktober bis 13. Oktober machten wir Island unsicher. Die Unterkünfte wurden via Airbnb gebucht. So sparten wir bei den Übernachtungen doch einiges an Geld, da die Hotels auf Island in der Regel sehr teuer sind. Dennoch waren unter den Übernachtungsstandorten auch zwei Hotels dabei, nämlich am Geysir "Strokkur" und am bekannten Wasserfall des Skógafoss.

11 Tage, 3 Personen, 2.533 Kilometer Fahrstrecke, 92 Kilometer Wanderung, 4.200 Fotos, 140 Videos, 14 Eimerchen Skyr, 10 Tüten Zimtschnecken und gefühlte 5 Kilogramm Kartoffeln sind die Eckdaten der Reise. Nach der Landung in Keflavík verbrachten wir die erste Nacht in einer Airbnb-Unterkunft in Reykjavík. Ein sehr geräumiges und schön eingerichtetes Appartement machte uns den Aufenthalt auf Island schmackhaft und wir freuten uns nach dem anstrengenden ersten Tag über die erste Ruhe und das bevorstehende Abenteuer. Der Þingvellir Nationalpark und der Geysir im Haukadalur Geothermalgebiet sowie der Gullfoss (der „goldene Wasserfall“) standen am zweiten Tag auf dem Programm. Diese am sogenannten „Golden circle“ gelegenen Sehenswürdigkeiten liegen in unmittelbarer Nähe von Reykjavík, so dass dorthin viele Tagesfahrten mit Bussen unternommen werden. Dementsprechend sind sehr viele Touristen anzutreffen.

Tag 3 hat weitere Wasserfälle wie den Hjálparfoss, den Haífoss sowie den Þjófafoss vorgesehen. Die Wasserfalldichte ist vor allem im Süden des Landes in der Nähe der Gletscher des Mýrdalsjökull oder des Vatnajökull sehr hoch.

Der vierte Tag der Reise führte uns zu den bekanntesten Wasserfällen Islands, dem Seljalandsfoss und dem Skógafoss. Diese beiden Wasserfälle liegen in knappen zwei Autostunden Entfernung zu Reykjavík direkt an der Ringstraße. Daher werden viele Touristen per Bus dorthin gekarrt. Oftmals steigen diese nur aus dem Bus aus, machen einige Bilder und reisen dann weiter. Dementsprechend bleiben viele Geheimnisse, sogenannte „Hidden gems“, den meisten Besuchern Islands verborgen. Unweit des bekannten Skógafoss beispielsweise liegt in nur 15 Fußminuten Entfernung der „Kvernufoss“, ein 22 Meter hoher Wasserfall, der an Schönheit mit den beiden großen Brüdern Seljalandsfoss und Skógafoss locker mithalten kann, die beiden aber an Unberührtheit um ein Vielfaches übertrifft.

Am fünften Tag hatte uns die Reise zum Black beach nach Reynisfjara geführt. Das in der Nähe gelegene Kap Dyrhólaey bietet ebenfalls eindrucksvolle Ansichten. Eine Pause in Vík y Mýrdal stellte den südlichsten Punkt der Fahrt dar, ehe eine kleine Wanderung zum Fjaðrárgljúfur Canyon angestanden hatte. Ganz in der Nähe hatte sich auch die Airbnb-Unterkunft befunden.

Halbzeit am sechsten Tag standen die Besichtigung der Gletscherzunge des Svínafellsjökull und einer Torfkirche auf dem Programm. Eine etwas weitere Wanderung zum „Svartifoss“, dem „schwarzen Wasserfall“ sorgte für ausreichend Bewegung an diesem Tag. Zahlreiche große und kleine Gletschereisbrocken liegen am sogenannten „Diamond beach“ herum. Zusammen mit dem schwarzen vulkanischen Sand des Strandes ergeben sich hier außerordentliche Fotomotive. Gleich gegenüber befindet sich die bekannte Gletscherlagune des „Jökulsárlón“. Hier mündet die Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull in einen 18 Quadratkilometer großen See, welcher über einen kurzen Fluss direkt in den Atlantik fließt. Die dort abbrechenden Eisberge werden zermalen und vom Meer wieder an den Strand gespült, wo sie schließlich als „Diamanten“ auf dem schwarzen Sand enden.

Bjarnanes bei Höfn und die Stokksnes Halbinsel waren am siebten Tag unsere Ziele. Nachdem ich bereits im letzten Jahr bei Heiða in Bjarnanes meine Unterkunft gebucht hatte und ich von der Gastfreundschaft und Idylle des Örtchens und der Unterkunft so angetan war, entschloss ich mich, auch dieses Mal wieder dort per Airbnb unterzukommen.

Der achte Tag hatte im Wesentlichen aus einer über 400 Kilometer langen Fahrt zurück in Richtung Reykjavík bestanden. Die nächste Airbnb-Unterkunft hatte sich in weniger als 100 Metern zur „Gamla laugin“, einer kleinen Thermallagune befunden. Wir hatten die Gelegenheit natürlich genutzt und sind dort baden gegangen. Eine Wohltat nach der langen Fahrt am Tage.

Weitere 230 Kilometer führten uns am neunten Tag auf die Snæffelsnes Halbinsel. Am Kirkjufell, dem wohl bekanntesten Berg Islands, hatten wir die Nächste Unterkunft via Airbnb gebucht.

Die Tage 10 und 11 hielten wir uns im Herzen von Reykjavík auf. Keine 200 Meter von der bekannten Hallgrímskirkja entfernt konnten wir fußläufig viele der Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt erreichen.

Alle hier gezeigten Thumbnails sind Bildvorschauen und lassen sich anklicken und vergrößern. Man kann sich auch bequem nur durch die Bildergalerie navigieren, indem die Pfeiltasten nach links oder rechts bedient werden. Viel Spaß beim Lesen und Betrachten der Bilder!

01 01 flugEr war schnell da, der 2. Oktober. Nachdem Karin, Katrin und ich uns etwa ein halbes Jahr zuvor mehr oder weniger spontan zu einem Islandurlaub zusammengetan und die Planungen durchgeführt hatten, fieberten wir dem Reisebeginn entgegen. Die Vorbereitungen waren schnell getroffen, ich hatte noch alles von meinen vorherigen Islandaufenthalten. Karin und Katrin mussten sich klamottentechnisch noch etwas eindecken, stand ihnen aber gerne hilfreich zur Seite. Katrin hatte bereits einmal Islanderfahrung gesammelt, trat sie ihre erste Reise doch gerade mal eine Woche nach der meinigen im März 2017 an.

Eine Zugfahrt führte uns nach Frankfurt, der Flug ist abgesehen von einer adrenalingepushten Landung mit dazugehörigem Schlingern auf dem Rollfeld problemlos verlaufen. Unter diesem Youtube-Link könnt ihr übrigens einen kurzen Zeitraffer des Flugs über die schottischen Highlands sehen. Island hatte uns mit durchwachsenem, aber trockenem Wetter empfangen. Am Flughafen Keflavík hatten wir unser Mietfahrzeug entgegengenommen. Nachdem ich während meiner zweiten Islandreise mit einem Mazda CX-5 gute Erfahrungen gemacht hatte, freute ich mich, nachdem der nette Mensch am Schalter von Thrifty-Cars mir erneut einen CX-5-Schlüssel übergeben hatte, auch wenn ich persönliche Vorbehalte gegenüber Mazda-Fahrzeugen habe...

01 02a reykjavikEin 2.2-Liter-Diesel-Modell mit 150 Pferdchen sollte uns um die Insel führen. Ich hatte in weiser Voraussicht ein Fahrzeug in der SUV-Klasse gebucht, da dann doch die eine oder andere etwas holprigere Strecke auf dem Programm gestanden hatte. „We got an Upgrade for you“ entgegnete mit der Thrifty-Mensch. Automatikgetriebe. Ohje… nachdem ich in meinem KfZ-Leben über 750.000 Kilometer ausschließlich mit Schaltgetriebe unterwegs war, war das anfangs alles andere als ein Upgrade für mich. Aber eine wirkliche Umstellung war es bei weitem nicht und ich hatte mich schnell an das fehlende dritte Pedal im Fußraum gewöhnt. So sehr, dass ich nach meiner Rückkehr nach Bad Mergentheim meinen Astra an der ersten Ampel erst einmal abgewürgt hatte...

01 02 flugAb nach Reykjavík, ne knappe Stunde braucht man für die 45 Kilometer. Unterwegs hatten wir angehalten und uns etwas Bargeld am ATM gezogen und den ersten Bónus Supermarkt unsicher gemacht und uns mit Skyr, Kartoffeln und Brot eingedeckt. Schließlich in der Unterkunft in Reykjavík-Vesturbær angekommen, staunten wir nicht schlecht über das geräumige Appartement, für gerade mal 55 Euro pro Nase und Nacht war das wirklich günstig, inmitten von Reykjavík. Die erste Unterkunft diente im Wesentlichen zum Runterkommen und Kennenlernen der Gepflogenheiten. Wir hatten die nächste Etappe am zweiten Tag durchgesprochen und sind zeitig schlafen gegangen, damit wir am kommenden Morgen fit aufbrechen können.

02 01 thingvellirDer zweite Tag hatte uns mit einem verhangenen Himmel empfangen. Kaum sind wir ein paar Kilometer im Landesinneren in Richtung Þingvellir Nationalpark vorangekommen, hat es sogar zu schneien begonnen. Die Landschaft hüllte sich mit jedem Kilometer landeinwärts mehr und mehr in eine weiße Zuckerschicht. Das Auto piepste und gab eine Glatteiswarnung von sich, doch ganz so schlimm ist es nicht geworden. Die knapp 50 Kilometer von Reykjavik legten wir gemütlich zurück. Im Nationalpark angekommen war es soweit trocken, doch der Himmel zeigte sich in einem Einheitsgrau und ließ die Sonne nicht durch. Dennoch genossen wir die Aussicht vom großen Parkplatz am Besucherzentrum auf das Tal hinab. Die markante Þingvallakirkja mit den fünf süßen Häuschen daneben ist einfach ein Hingucker. Das Tal wird vom Fluss Öxará durchzogen. Der nach dem Fluss benannte Wasserfall, der Öxarárfoss fällt knapp eineinhalb Kilometer entfernt über eine etwa 20 Meter hohe Abbruchkante und schlängelt sich im Anschluss durchs Tal, ehe er unweit der Kirche in den Þingvallavatn, einen 84 Quadratkilometer großen See fließt. Hier könnt ihr unter diesem Youtube-Link einen kurzen Zeitraffer ansehen, wie ich mich dem Öxarárfoss annähere. Ein zweiter Videoclip zeigt die Umgebung und den weiteren Verlauf der Öxará. Da sieht man auch schön das nicht ganz optimale Wetter.

02 02 oxarafossWir durchwanderten die sogenannte Allmannagjá (dt. „Allmännerschlucht“). Diese wird deshalb so genannt, da vor 1.000 Jahren die gesamte Wikingerbevölkerung Islands an dieser Stätte zusammengekommen ist, um dort Recht und Gesetz zu verkünden. Das sogenannte Althing ist demnach eines der ältesten Parlamente und macht das Þingvellir damit zu einer historischen Stätte. Immer wieder klaffen Risse und Spalten im Erdboden. Dieses Areal befindet sich auf der Bruchkante der eurasischen und nordamerikanischen Kontinentalplatte. Nach einer Wanderung von 12 Kilometern quer durch das gesamte Tal kehrten wir zum Auto zurück und fuhren in Richtung Geysir. Für die 60 Kilometer benötigten wir eine Stunde. Unterwegs öffnete sich der Himmel wieder und es regnete und schneite, so dass wir zuerst den Gullfoss, den „Goldenen Wasserfall“ angesteuert haben, der etwa 10 Kilometer weiter entfernt liegt. Auch da wieder sehr viele Schneeflocken und Touristen. Wir haben einen kurzen Blick auf den Wasserfall geworfen und haben beschlossen, zum gebuchten Hotel in der Nähe des Geysirs zu gehen und abzuwarten, ob sich das Wetter bessern würde.

02 06 geysirIm Hotel angekommen und eingecheckt, haben wir uns erst einmal ausgeruht. Tatsächlich hörte es am Nachmittag auf zu regnen. Die Essenszeit rückte aber immer näher, so dass wir nur kurz zum Geysir geschaut haben. Strokkur, der bekannteste und aktivste Geysir, ist immer einen Besuch wert. Etwa alle fünf bis acht Minuten bricht er aus, indem eine Blase heißen Gases die Wasseroberfläche durchbricht und er je nach Stärke bis zu 30 Meter in die Luft schießen kann. Hin und wieder bricht er mehrmals hintereinander mit kurzen Fontänen aus. Begleitet von beißendem Schwefelwasserstoffgeruch ist man hier mit Leib und Seele ganz nah am aktiven Vulkanismus.

Auch das übrige Areal ist durchzogen von Löchern im Boden und überall dampft und stinkt es heraus. Hier seht ihr eine Strokkur-Eruption als Video-Clip. Nachdem der Regen langsam wieder stärker wurde, haben wir uns erneut ins Hotel zurückgezogen und unser erstes warmes Abendessen genossen. Ein Steakburger für umgerechnet 22 Euro hat dann doch sehr gut geschmeckt, auch wenn uns bekannt war, dass ein warmes Essen in einer touristisch sehr gut erschlossenen Gegend auf Island noch teurer ist als ohnehin. Nach dem Essen haben wir noch besprochen, was der dritte Tag mit sich bringen würde. Es wurden noch alle Kameraakkus an die Ladegeräte angeschlossen und dann setzten wir uns zur Ruhe...

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des zweiten Tages:.

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Die Öxará

Die Þingvallakirkja Die Þingvallakirkja
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Momentaufnahme des Strokkur beim Ausbrechen Momentaufnahme des Strokkur beim Ausbrechen Der Strokkur in der Morgendämmerung

03 02 geysirDer Blick auf die Wetterapp hatte Besserung und wolkenfreien Himmel für den Morgen versprochen. Ich selbst bin bereits mitten in der Nacht nochmals zum Strokkur und habe einige Nachtaufnahmen gemacht, ehe ich kurz vor Sonnenaufgang erneut mit Karin und Katrin das Spektakel beobachtet habe. Ein ziemlich kräftiger Wind war zusammen mit den Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nicht gerade der beste Freund der Finger. Da waren die mitgenommenen Handschuhe natürlich ideal. Die aufgehende Sonne kündigte sich an. Schnell spekulierten wir, wo der beste Fotostandort sein würde, um den eruptierenden Geysir mit der orangen aufgehenden Sonne am idealsten in Szene setzen zu können. Mit zunehmender Helligkeit kamen auch immer mehr weitere Fotografen, doch den besten Standort hatten wir uns bereits geschnappt...

Dann linste die Sonne über das weit entfernte Gebirge des Tindfjallajökull und genau im richtigen Moment schoss Strokkur eine hohe Säule in den Himmel, ehe er uns zuvor mit einigen mickrigen Ausbrüchen an der Nase herumgeführt hatte. Das gewünschte Bild war im Kasten, so dass wir das Naturschauspiel auch noch eine Weile ohne Finger am Auslöser genossen haben.

03 03 gullfossNach ein paar Eruptionen haben wir dem Gullfoss noch einen weiteren Besuch abgestattet. Die Sonne wanderte leider in ein Band aus Cirruswolken hinein, so dass das Licht immer fahler geworden ist. Dennoch ist auch der Gullfoss immer einen Besuch wert. Das Wasser der Ölfusá stürzt über zwei senkrecht zueinander stehende Abbruchkanten, die erste ist etwa 11 Meter, die zweite 23 Meter hoch. Mit tosendem Lärm stürzen die Wassermassen hinab und wirbelt eine gewaltige Gischt auf. Bei sonnigem Wetter kommt der Besucher oftmals in den Genuss eines Regenbogens, doch aufgrund fehlender Sonne blieb und das Privileg leider verwehrt. Hier gibt es einen Video-Eindruck der unteren Fallstufe des Gullfoss und hier noch ein weiterer Clip, welcher einen kleinen Schwenk über beide Fallstufen zeigt.

03 06 hjalparfossNach einem kleinen Fußmarsch direkt zum Wasserfall und einigen gemachten Fotos, brachen wir auf in Richtung Hjálparfoss, eine 80 Kilometer lange Fahrt hatte vor uns gelegen, für die wir eine gute Stunde gebraucht haben. Den Hjálparfoss erreichten wir bei bedecktem Himmel. Hin und wieder linste die Sonne durch ein paar blaue Himmelsflecken hindurch. Der Hjálparfoss ist ein Wasserfall, bei welchem das Wasser des Flusses „Fossá í Þjórsárdal“ etwa 9 Meter in die Tiefe stürzt. Dabei wird der Fall von einem Felsen in zwei Hälften gespalten und mündet in eine runde Lagune, ehe das Wasser in südlicher Richtung abfließt. Der Hjálparfoss ist kein großer oder spektakulärer Wasserfall, dafür aber umso schöner und durch die Abgelegenheit bestechende Attraktion. „Hjálparfoss“ bedeutet „Hilfewasserfall“, da die Ströme zu zweit in die Tiefe stürzen. Dort kann man sich lange aufhalten, weil es einfach sehr gemütlich ist. Der Wasserfall liegt etwas abgeschieden ziemlich weit im Landesinneren, an welchen sich die Pauschaltouristen nicht und Individualtouristen nur selten verirren. Das nicht ganz optimale Wetter hinderte uns daran, länger zu bleiben, so dass wir weiter in Richtung Haífoss gezogen sind.

03 09 haifoss20 Kilometer in 40 Minuten sagt Google Maps. Dass es dabei nicht bleiben würde, war mir jedoch vorher schon klar. Die 32er Straße ist asphaltiert und gut befahrbar. Die letzten 8 Kilometer führen jedoch über eine unbefestigte, mit tiefen Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. Größere Steine liegen mitten im Weg, mit einem PKW würde ich mich diese Strecke nicht zu befahren trauen, doch mit dem CX-5 stellte das keinerlei Problem dar. Für die 8 Kilometer lange Strecke benötigten wir eine gute halbe Stunde und wurden dabei ordentlich durchgeschüttelt. Mit einiger Offroad-Erfahrung aus Namibia war ich jedoch zu jeder Zeit sicher. Unterwegs scherzten wir noch, dass ich einen Hunderter springen lassen würde, wenn am Parkplatz am Wasserfall nun ein Smart stehen würde. Tatsächlich ist ein Ford Focus dort gestanden, der die Fahrt gewagt und auch geschafft hatte.

03 08 haifossStarker Wind blies uns schon beim Aussteigen entgegen. Ein etwa dreiminütiger Gang zur Schlucht ließ die Spannung steigen und mit jedem Schritt, mit welchem ich mich der Abbruchkante näherte stieg sie noch weiter. Es war ein unglaublicher Anblick, in die über 130 Meter tiefe Schlucht hinabzublicken. Gegenüber stürzten die Wassermassen der Fossá í Þjórsárdal hinab und erzeugen auch hier eine gigantische Gischt. Mit diesem Videoclip könnt ihr den Gang zur Schlucht vielleicht etwas nachvollziehen und dieses Video verdeutlicht euch vielleicht etwas, wie sehr der Wind gepfiffen hat...! Später schaffte es auch noch die Sonne durch die Wolken und ein Regenbogen gesellte sich zum Wasserfall. Einige Meter weiter nördlich stürzt ein weiterer, kaum kleinerer Fall in die Tiefe. Dieser Wasserfall wird "Granni" genannt, was für isländisch „Nachbar“ steht. Entlang der Schlucht stürzen noch ein halbes Dutzend weiterer kleine Wasserfälle hinab, es ist ein wahrlich beeindruckender Ort. Man kann noch etwas in südlicher Richtung laufen und einen anderen Blickwinkel auf die Wasserfälle erhaschen, so dass man sich an diesem Ort durchaus einige Stunden aufhalten kann.

03 11 thjofafossGeflasht von diesem Naturschauspiel holperten wir über die Schotterpiste zurück auf die 32 und steuerten in Richtung Þjófafoss. Über die 32 und 26 dauert es etwa eine Stunde für die knapp 40 Kilometer. Auch der Þjófafoss liegt etwas abgeschieden und ein paar Kilometer sind Schotterpiste. Jedoch ist diese in einem weitaus besseren Zustand als die Strecke zum Haífoss. Der Þjófafoss an sich bietet einen tollen Anblick, da in Blickrichtung der „Hausberg“ Búrfell gelegen ist und sich so eine malerische Landschaft und ein ideales Fotomotiv ergeben. Die Bezeichnung „Þjófafoss“ bedeutet „Diebeswasserfall“ und rührt daher, dass früher dort verurteilte Diebe in die Lagune bei dem Wasserfall gestoßen worden sein sollen. Der Þjófafoss ist 12 Meter hoch. Auch wenn der Himmel zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend bedeckt war, so bot sich uns durch die cyanblaue Farbe der Lagune dennoch ein toller Anblick. Dies war definitiv einen Abstecher von der Straße wert. Hier könnt ihr in einem Video sehen, wie sich der Mazda auf dem Weg durch eine Pfuddel macht...

03 10a unterwegsSelfoss sollte unser nächstes Unterkunftsziel an diesem dritten Tag sein. Selfoss ist eine kleine Stadt im Süden Islands, welche an der Ringstraße 1, dem sogenannten Þjóðvegur oder Hringvegur, gelegen ist. Mit knapp über 7.000 Einwohnern ist Selfoss für deutsche Verhältnisse eine Kleinstadt und beispielsweise mit Weikersheim vergleichbar. Bemerkenswert ist die Lage der Stadt: in unmittelbarer Nähe liegt der Tafelvulkan Ingólfsfjall, der regelmäßig für stärkere Erdbeben sorgt. Bei Selfoss haben wir uns die nächste Airbnb-Unterkunft gebucht, zuvor haben wir noch "typisch isländisch" im KFC gespeist  und das Auto betankt. In der Unterkunft erwartete uns ein kleines, nicht weit von der Hauptstraße gelegenes Häuschen. Die Eigentümer wohnten augenscheinlich direkt daneben. Die Unterkunft bestand aus einem Vorraum mit Küche und Schlafraum. Es war bereits schön eingeheizt, so dass wir von der 250 kilometrigen Tagesetappe runterkommen konnten. Nach dem Laden der Akkus, der Neuorganisation des Gepäcks und einem kleinen Essen gingen wir dann auch zeitig schlafen. Hin und wieder nutzten wir ein zufälliges Aufwachen des Nachts für einen Kontrollblick nach draußen, ob es nicht Polarlichter am Himmel gegeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt aber noch immer Fehlanzeige…

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des dritten Tages:.

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Der Gullfoss

Unterwegs zum Hjálparfoss Der Anblick auf den Haífoss
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Blick in die Ferne... Der Þjófafoss  

04 02 seljalandsfossUm 07:00 Uhr starteten wir nach einer angenehmen Nacht weiter die Ringstraße entlang in Richtung Westen. Noch während der Dunkelheit wollten wir damit der Touristenwelle vorauseilen, liegt der erste Wasserfall, der Seljalandsfoss, mit 130 Kilometern Entfernung zu Reykjavík noch in guter Reichweite für Tagestouren mit dem Bus. Dementsprechend ist dort tagsüber auch die Hölle los. Die Lage des Wasserfalls direkt an der Ringstraße tut ihr Übriges dazu. Als wir angekommen sind, waren etwa ein halbes Dutzend Fahrzeuge da und noch kein einziger Bus. So freuten wir uns auf einen weitgehend ruhigen Aufenthalt. Der Himmel war wolkenfrei und wir freuten uns auf tolle Eindrücke...

04 01 seljalandsfossDer Seljalandsfoss dürfte mit dem Skógafoss der bekannteste Wasserfall Islands sein. Die Seljalandsá stürzt hier 66 Meter in die Tiefe. Das Besondere an diesem Wasserfall ist die Tatsache, dass man hinter den Fallvorhang in eine Halbhöhle gelangen kann und quasi hinter dem Wasserfall in die Ebene hinausblicken kann. Besonders zum Sonnenuntergang bieten sich hier märchenhafte Anblicke und Fotomotive. Mithilfe dieses Youtube-Videos könnt ihr einen Eindruck erhalten, wie es als Videoclip hinter dem Wasserfall aussieht. Noch ein Video zeigt den Wasserfall nochmals von hinten heraus und ein dritter Clip zeigt ihn schließlich von der Seite. Unser Aufenthalt in der Morgensonne hatte den Wasserfall im Gegenlicht. Es dauerte nicht lang und die ersten Busse aus Reykjavík sind angerollt. Mehr und mehr füllte sich der Ort mit Touristen, so dass wir uns nach einer guten Stunde Aufenthalt dazu entschlossen hatten, die Weiterfahrt in Richtung Skógafoss anzutreten. Diesen Wasserfall ließen wir aber auch erst einmal aus, da dieser erst in den Nachmittagsstunden im Sonnenlicht liegt und so als besseres Fotomotiv aussehen würde. Dafür parkten wir den Mazda direkt am Skógar Museum und traten einen etwa 20-minütigen Fußmarsch in Richtung Kvernufoss an.

04 09a kvernufossKvernufoss? Nie gehört? Mag sein, ich würde den Kvernufoss auch noch als sogenanntes „hidden gem“ Islands bezeichnen, ist er doch noch ziemlich unbekannt. Hinzu kommt die Tatsache, dass man eben ein paar Meter zu Fuß laufen muss und den Wasserfall nicht von einem Parkplatz aus innerhalb von 50 Metern erreichen kann. Ein paar Meter über matschiges Gelände, ein Klettern über einen Zaun, vorbei an Schafen und manchmal Pferden, Gehen von Trampelpfaden und Überwinden von Felsbrocken gehören dazu, diesen tollen Wasserfall zu erreichen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall und der knappe Kilometer Fußweg ist wirklich machbar. Und der Weg dorthin ist wirklich ein tolles Erlebnis, wie dieses Video vielleicht einen kleinen Eindruck vermitteln mag.

04 11 kvernufossAuch der Kvernufoss ist hinter dem Fallvorhang begehbar. Die Kverna fällt hier etwa 22 Meter tief und meiner Ansicht nach ist der Kvernufoss beeindruckender als der Seljalandsfoss. Insbesondere durch die „Ruhe“ punktet der Kvernufoss. Ruhig ist es allerdings nicht wirklich, denn die Wassermassen prallen ungehindert auf die Felsen und sorgen für ohrenbetäubenden Lärm, wenn man sich in der Nähe aufhält. Aber auch schon die Umgebung vor dem Wasserfall kommt der perfekten Idylle extrem nahe, wie dieses Video zeigt. Hier bieten sich zahlreiche Fotomotive und die aufsteigende Sonne zauberte schließlich auch einen Regenbogen um den Wasserfall herum. Insgesamt haben wir uns vier Stunden dort aufgehalten, der Kvernufoss hat uns einfach nicht losgelassen. Hinzu kommt die Abgeschiedenheit, den Weg vom abgestellten Fahrzeug nehmen nicht viele Touristen auf sich. Hier noch ein kleiner Videoeindruck von hinter dem Wasserfall.

 

04 15a skogafossNach diesen tollen Eindrücken begaben wir uns schließlich zum großen Nachbarn, dem Skógafoss. Dieser lag bereits im Licht der Nachmittagssonne. Das satte Grün der Umgebung flashte die Augen, hinzu kam ein fantastischer Regenbogen, der Bildeindruck war perfekt. Perfekt voll war auch der Parkplatz, es tummelten sich verständlicherweise Hunderte von Touristen am Wasserfall. Dies gehört zum Skógafoss einfach dazu. Hin und wieder erwischt man auch mal einen kurzen Moment, in dem man den Wasserfall ohne Menschen beobachten und fotografieren kann. Die Anzahl an Menschen nimmt auch exponentiell ab, je näher man sich dem Wasserfall nähert. Es gibt dort keine Absperrungen, man kann sich den Wassermassen sehr annähern, wird aber dementsprechend nass, was auch der Grund für die wenigen Leute in unmittelbarer Nähe des Falls ist. Aber gerade dort können imposante Weitwinkelaufnahmen generiert werden, sofern man genügend Tücher für das Trocknen der Objektivlinsen dabei hat. Hier empfiehlt sich das Nutzen einer kleinen Actioncam (z. B. GoPro oder Rollei), da die Linsen ggf. auch mit einem T-Shirt kurz abgewischt werden kann. Mit diesem Video nehme ich euch mit auf die nasse Reise bis zum Skógafoss.

04 16 skogafossNachdem ich schon einige Male am Skógafoss zugegen war, ich aber noch nie die Stufen aufgestiegen bin, nahmen wir dies dieses Mal in Angriff. Gezählt habe ich die Stufen zwar nicht, aber irgendwie müssen die 60 Meter Höhenunterschied überwunden werden. Der Aufstieg ist anstrengend, aber gut machbar. Oben auf der Aussichtsplattform angekommen, bietet sich ein schöner Anblick in die Ebene in Richtung Atlantik. Auch der Wasserfall ist gut sichtbar, doch von unten ist das Erlebnis imposanter. Läuft man die Skóga –dies ist der Fluss- einige Meter aufwärts, so gelangt man bereits nach etwa 100 Metern zu einem weiteren eindrucksvollen Wasserfall. Wenn man noch immer nicht genug hat, steht einem nichts im Wege, den Pfad weiter in Richtung Landesinnere zu gehen, irgendwann landet man in der Þórsmörk und am Ende gar im Landmannalaugar. Beides sind beliebte Wanderziele, vor allem letzteres besticht durch eindrucksvolle und farbenfrohe Landschaften.

Von der Aussichtsplattform am Skógafoss konnten wir in der Ferne bereits unser nächstes Tagesziel erkennen: Kap Dyrhólaey zeigte sich in 30 Kilometern Entfernung bei bestem Wetter deutlich und wir freuten uns auf den nächsten Tag. Nach dem Abstieg begaben wir uns zur Unterkunft, dem Skóga Guesthouse, das in unmittelbarer Nähe zum Skógafoss gelegen ist. Nach einem freundlichen Empfang von Lucy, der Enkelin der Eigentümerin, machten wir es uns erst einmal gemütlich. In rekordverdächtiger Zeit waren alle Kameraakkus am Netz, ein halbes Dutzend an LED leuchtete auf und wir ließen den Tag mit seinen 160 Kilometern Strecke Revue passieren. Da der nächste Tag bereits um 7 Uhr mit der Weiterfahrt beginnen würde, hatten wir das Angebot der Gastgeberin angenommen, unser Frühstück früher zuzubereiten.

04 22 gljufrabuiNach einer kurzen Erholung entschlossen wir uns, noch einmal zum Seljalandsfoss zu fahren. Die 30 Kilometer sind ja keine Strecke. Den Sonnenuntergang verpassten wir leider knapp, dafür haben wir den relativ unbekannten Nachbarn des Seljalandsfoss besucht, den Gljúfrabúi, was auf deutsch so viel wie "Schluchtenbewohner" heißt. Wenn man diesen Wasserfall sieht, der etwa 500 Meter in nördlicher Richtung zum Seljalandsfoss liegt, dann weiß man auch, woher der Name kommt. Man bekommt ziemlich wahrscheinlich nasse Füße, will man dieses Spektakel aus nächster Nähe erleben. Doch der Aufwand des Watens durch knöcheltiefes Wasser lohnt sich: eine kleine und enge Schlucht und tosende Wassermassen stürzen in diese hinab. Und mittendrin: du selbst! Ein klasse Erlebnis mit kostenloser Dusche. Dieses Video zeigt kurz den Eindruck, wie es beim Gljúfrabúi aussieht.

04 23 skogafossnachtDa der Himmel noch immer wolkenlos war und wir Hoffnung auf Polarlichter hatten, begaben Katrin und ich mich in der Nacht noch einmal zum Skógafoss. Der Wasserfall ist nicht beleuchtet, es ist dunkler als der Hintern eines schwarzen Stieres in einer mondlosen Prairienacht, um einmal aus „Big Lebowski“ zu zitieren. Polarlichter hat es zwar keine gegeben, aber der fantastische Sternhimmel beeindruckte auch so. Auf den Bildern zeigte sich aber sogar doch fotografisches Polarlicht in Form von rotem und grünem Schimmern.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des vierten Tages:.

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Auf einem Parkplatz...

Schafe und die Vestmannaeyjar Der Eyjafjallajökull
04 07 unterwegs 04 08 unterwegs 04 09b kvernufoss
Unterwegs... Unterwegs... Der Kvernufoss von der Seite
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 Am Kvernufoss  Frisch abgefüllt...  An der Kverna
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 Ein Selbstportrait an der Kverna Der Skógafoss Gesperrte Wege
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 Blick auf den Parkplatz Seljalandsfoss am Abend Seljalandsfoss
04 21 seljalandsfoss 04 05 vestmannaeyar  
 Der Seljalandsfoss Die Vestmannaeyjar  

Um 06:00 Uhr war die Nacht zu Ende. Das Frühstück stand wie versprochen zubereitet in der Küche. Auch die Gastgeberin gesellte sich zu uns und wir unterhielten uns sehr angenehm. Als Dame älteren Semesters erzählte sie uns interessante Geschichten über sich und die Umgebung. Der geplante Start der Weiterreise verschob sich aufgrund der tollen Unterhaltung, das haben wir jedoch sehr gerne in Kauf genommen.

Um 07:30 Uhr starteten wir in Richtung Kap Dyrhólaey. Die Dämmerung war bereits fortgeschritten, die Sonne schickte sich, über dem Osthorizont aufgehen zu wollen. Eine gut halbstündige Fahrt brachte uns zum Dyrhólaey, welches auch ein Schutzgebiet ist, vor allem im Sommer lassen sich dort zahlreiche Vogelarten beobachten. Besonders die bekannten Papageientaucher sind in den steilen Küstenkliffen beheimatet.

05 01 reynisdrangarVor uns lag also die Steilküste um Kap Dyrhólaey. In weiter Ferne ragten auch bereits gut sichtbar die drei versteinerten Trolle der Reynisdrangar in die Höhe. Direkt daneben kündigte sich die aufgehende Sonne an, so dass wir schnell eine Parkmöglichkeit für das Auto gesucht haben. Ein paar Meter zu Fuß brachte uns an die Steilküste mit einem fantastischen Blick in die Ferne. Ein Wolkenschleier am Horizont und das aufgehende Tagesgestirn hüllten den Himmel in ein unnatürliches orangerotes Licht. Die Kameras klickten wieder und der unvergessliche Anblick wurde für die Ewigkeit festgehalten, auch wenn der Anblick mit dem bloßen Auge unersetzlich ist.

05 08 dyrholaeyNach diesen Eindrücken besuchten wir das Kap Dyrhólaey. Dies ist ein Felsen, der seinen Namen aufgrund der Form erhalten hatte. Dyrhólaey bedeutet Türlochinsel und genauso sieht der Felsen aus: ein Bogen wie ein Schüsselloch. Der Weg dorthin ist nicht ohne und nur für allradgängige Fahrzeuge freigegeben. Doch man wird mit einer fantastischen Aussicht in die Ferne und einem tollen Blick auf den Schlüssellochfelsen belohnt. Leider hatte ich nicht das Weitwinkelobjektiv mitgenommen, so dass ich den Türlochfelsen lediglich mit dem Handy fotografieren konnte. Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren wir allein, keine weiteren Touristen scharten sich um uns herum.

05 06 unterwegsNach den gesammelten Eindrücken setzten wir die Fahrt kurz fort, die Reynisfjara, steile Felsnadeln im Meer an einem schwarzen Strand erwarteten uns. Der dortige Parkplatz war schon wesentlich gefüllter, das liegt wahrscheinlich an der besseren Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeit. Aufgrund der enormen Größe des Strandes verlaufen sich die Mengen allerdings. Die Basaltgrotte gleich am Beginn ist noch ziemlich menschenbesucht, je weiter man jedoch ostwärts den Strand entlang geht, desto weniger werden die Besucher. Genauso beeindruckend wie gefährlich ist der rauhe Seegang des Atlantiks. Meterhohe Wellen treffen hier ungebremst auf die schwarze Küstenlinie. An zahlreichen Felsen bricht sich der Wellengang, Gischt spritzt meterhoch empor, Fischgeruch ist zu vernehmen. Die versteinerten Trolle der Reynisdrangar rücken immer näher. Kaum zu glauben, dass die Felsnadeln bis zu 66 Meter hoch ragen. Der Eindruck ist in jedem Falle imposant. Wir hielten uns lange hier auf, insbesondere die Kraft und Wucht des Ozeans hinterließen eindrucksvolle Spuren.

05 09 vikDie Strecke zum nächsten Stopp ist kurz, gerade mal 10 Kilometer sind es bis nach Vík y Mýrdal, einem kleinen Örtchen am ziemlich südlichsten Zipfel der isländischen Hauptinsel. Auch wenn Vík nur 240 Einwohner hat, so wird dort ziemlich jeder Tourist während seiner Reise um die Insel anhalten, und wenn es nur ein Tank- oder Toilettenstopp ist. Vík ist mittlerweile stark auf Tourismus ausgelegt, im vergangenen Jahr wurde ein großer Supermarkt im „Ice Wear“ errichtet. Dort deckten wir uns auch mit Lebensmitteln ein, ehe wir die nächste 70 Kilometer lange Etappe angetreten haben. Der Fjaðrárgljúfur, ein etwa 2 Kilometer langer Canyon erwartete uns. Das Wetter meinte es auch noch gut mit uns, doch als wir den Canyon nach einer guten Stunde erreicht haben, zog es so langsam zu. Dennoch wanderten wir los und erkundeten den Canyon vom oberen Rand aus.

05 11 fjadrargljufurDer Fußmarsch war nicht ohne, wir hatten aber auch einen ordentlichen Zahn drauf. Besucher waren zwar da, aber es hatte sich in Grenzen gehalten. Der Weg ist gut befestigt, teilweise war es jedoch leicht matschig. Am Ende des Canyons hat man einen fantastischen Blick in dieses Ergebnis der Naturgewalten. Ein Wasserfall war auch wieder mit dabei, wobei es in diesem Falle eher einer Wasserrutsche gleich gekommen ist. Wir hatten einige Bilder gemacht und bereits auf dem Rückweg zum Auto setzte leichter Regen ein. Glück gehabt, nass geworden sind wir nicht! Insgesamt war der Canyon auf jeden Fall einen Abstecher wert! Hier gibt es einen Eindruck in bewegten Bildern.

Während der Fahrt wurde der Regen stärker. Bis zur Unterkunft, dem Dalshöfdi Guesthouse, waren es zwar nur knapp 40 Kilometer, doch auf dem Weg dorthin war ein weiterer Stopp vorgesehen. Aufgrund des Regens haben wir uns dazu entschlossen, diesen Stopp am Dverghamrar, einer Basaltformation, auszulassen und stattdessen gleich zur Unterkunft zu fahren.

06 01 nachtAm Dalshöfdi Guesthouse angekommen, hatte uns Díana, die Gastgeberin, empfangen. Sie zeigte uns alles Nötige und wünschte uns einen guten Aufenthalt. Da es im Zimmer etwas kalt war, haben wir Díana gebeten, für etwas mehr Wärme zu sorgen. Sie brachte uns schließlich noch einen kleinen elektrischen Heizer. Dann waren wir zufrieden.

Als Katrin sich dann noch etwas zu Essen zubereiten wollte und sie missverständlicherweise statt in die gemeinschaftliche Küche in das Zimmer der koreanischen Nachbarn gestapft ist und es sich dort gemütlich gemacht hat, was schließlich für Verwunderung bei den anderen Gästen gesorgt hat, war im Nachhinein das Gelächter aufgrund des Missverständnisses groß. Schließlich wurde alles aufgeklärt und Katrin konnte sich doch noch ihre Tomatensuppe machen.

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des fünften Tages:.

05 02 reynisdrangar 05 03 reynisdrangar 05 04 reynisdrangar

Die Reynisdrangar

Die Reynisdrangar Die Reynisdrangar
05 05 unterwegs 05 07 dyrholaey 05 10 vik
Unterwegs... Blick in die Ferne Friedhof in Vík

06 06 unterwegsAm sechsten Tag sollte es erst gegen 09:00 Uhr losgehen, so dass wir mehr oder weniger ausschlafen konnten. Nach einem ausgiebigen und guten Frühstück, packten wir unsere Sachen. Zum Svartifoss, unserer ersten Anlaufstelle, sind es auch lediglich 55 Kilometer. Zügig dort angekommen und nach erfolgreicher Parkplatzsuche, erwartete uns ein Fußmarsch über knapp zwei Kilometer. Zwischendurch ging es auch ordentlich bergauf, besonders anstrengend war der Marsch jedoch nicht. Der Parkplatz war gut gefüllt, aber auch hier hatten sich die Menschenmengen sehr gut verteilt, so dass auf den Wanderwegen nur mäßig Gegenverkehr war. Mittlerweile müssen am Parkplatz 750 ISK (ca. 6 Euro) an Parkgebühren entrichtet werden, diese können bar in der "Vatnajökulsþjóðgarður", einem nahegelegenen Gebäude oder per Internet bezahlt werden.

06 14 svartifossAuch am Svartifoss selbst, dem „schwarzen Wasserfall“, hielten sich die Menschenmengen in Grenzen. Direkt am Wasserfall befindet sich eine Plattform, von welcher aus man den Wasserfall inmitten dunkler Basaltsäulen sehr gut beobachten und fotografieren kann. Sehr zum Ärgernis der Anwesenden jedoch gibt es immer wieder einzelne Touristen, die die Absperrungen nicht respektieren und direkt vor dem Wasserfall posieren und sich gegenseitig fotografieren. Dass dies die Denkwürdigkeit des Orts stört, dürfte klar sein. Diese Art von Menschen gibt es leider überall. Zum Glück hatte sich die Anzahl derer in Grenzen gehalten. Auch am Svartifoss hielten wir uns länger auf. Hier fällt die Stórilækur (zu dt. „großer Bach“) 12 Meter tief und bietet einen eindrucksvollen Anblick, insbesondere bei schönem Wetter. Ich hatte das Glück und konnte auf der Besucherplattform einen guten Platz erwischen. Sitzend bediente ich meine Kamera auf dem Stativ. Bei Wasserfällen mache ich stets Aufnahmen sowohl mit als auch ohne Graufilter. So kann ich zuhause auswählen, welche Art Bilder mir besser gefällt: das fallende Wasser als verschwommene Spur oder eingefroren abgebildet. Das unterscheidet sich bei mir von Motiv zu Motiv und ist auch von meiner Laune abhängig... Hier gibts einen Videoclip zum Svartifoss.

Der Marsch vom Wasserfall zurück gestaltet sich einfacher, da es die meiste Zeit nur bergab geht. Dennoch kommt man etwas ins Pusten und schnell wird man von der Smartwatch alarmiert, dass das Tagesschrittziel erreicht ist. Nachdem die Damen noch einen Abstecher zur Toilette gemacht hatten, brachte uns die Weiterfahrt zum Svínafellsjökull, einer Gletscherzunge des Vatnajökull-Gletschers. 06 16 svinafellsjkullNach etwa sechs Kilometern holpriger Fahrt erreicht man einen Parkplatz. Ein kleiner Fußmarsch bringt den Besucher sehr nahe an die Eismassen der Gletscherzunge. Besonders auffallend ist die absolute Stille. Auch wenn einige weitere Touristen zugegen waren, so wurde ich von der Ruhe beeindruckt. Das blauweiße, von schwarzen Ascheschichten durchzogene Gletschereis im Kontrast zu den graugrünen Bergmassiven unter dem tiefblauen Himmel boten unvergessliche Anblicke und Eindrücke. Ich entschloss mich, so weit wie möglich den Weg in Richtung Gletscher zu gehen, doch nach einigen Hundert Metern habe ich mich einfach nicht weiter getraut, da der Steilhang sehr schroff war und ich einfach nicht im Gletschereis verschwinden wollte. So traurig wie es klingt, an die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, auf ewig im Geltscheis zu verschwinden, wird man anhand einer Gedenktafel in deutscher Sprache erinnert: seit dem Jahre 2007 werden zwei junge Deutsche vermisst. Ein Mahnmal, das weitere Besucher davon abhalten sollte, leichtsinnige Versuche zu unternehmen, sich selbst zu überschätzen und die Natur zu respektieren. In diesem Video vom Svínafellsjökull kommt auch die majestätische Ruhe zur Geltung...

06 17 hofkirkjaNach dem Genuss der Ruhe und der Kraft der Natur, entschlossen wir uns zur Weiterfahrt. Nachdem sich auch bei mir die Blase gemeldet hatte und wir nochmals kurz zum Vatnajökull Besucherzentrum am Svartifoss gefahren sind (sind ja nur sieben Kilometer), hatten wir die Weiterreise in östlicher Richtung aufgebrochen. Ein kurzer Zwischenstopp erfolgte in Hof. Dort gibt es eine kleine, süße und schnucklige Kirche. Die gesamte Kirche ist von Torf bedeckt und im hinteren Teil der Kirche befinden sich Gräber, die zunächst nicht als solche erkennbar sind. Ein idyllischer Ort. Wir haben zwei niederländische Fotografen angetroffen, mit denen wir sofort in ein freundliches Gespräch gekommen sind. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ein ganzer Bus voll Fotofreunde angekommen ist und sich das Areal schnell mit Menschen gefüllt hat. Nachdem wir bei bestem Wetter auch ohne großen Aufwand wirklich schöne Fotos gemacht haben, sind wir auch zügig weitergefahren. Die Hofkirkja, ein empfehlenswerter Zwischenstopp, zumal diese von der Ringstraße aus sichtbar ist und keinen Umweg darstellt.

06 21 joekulsarlonBis zum nächsten Halt war es nicht sehr weit. Gerade mal 40 Kilometer von der Hofkirkja entfernt liegt der bekannte Diamond beach und gegenüber auf der anderen Straßenseite die Jökulsárlón Gletscherlagune. Schon Roger Moore und Pierce Brosnan waren an diesen Orten beim Dreh zu James-Bond-Filmen zugegen. Die Kulisse ist auch wirklich einzigartig: der Breiðamerkurjökull, eine weitere Gletscherzunge des Vatnajökull, mündet hier in einen 18 Quadratkilometer großen See. Regelmäßig brechen hier teilweise hausgroße Eisberge ab und treiben in den See, wo sie schließlich über die Jökulsá, einem nur einen Kilometer langen Fluss, ins Meer münden. Die Jökulsá wird von einer Brücke mit der Ringstraße überspannt. Zu Fuß gelangt man unter der Brücke hindurch zum Diamond beach. Die ins Meer treibenden Eisberge werden vom Ozean durch Wellen zermahlen und landen schließlich zum Teil als Eisbrocken am Strand mit dem schwarzen Vulkansand. 06 28c jkulsarlonWie lupenreine Diamanten auf schwarzem Samt liegen große und kleine Eisbrocken in der Gegend rum. So bieten sich hier zahlreiche Fotomotive, insbesondere im Licht der auf- oder untergehenden Sonne. Wir waren am späten Nachmittag hier angekommen, wissend, dass wir das Licht der Abendsonne für schöne Fotomotive nutzen wollten. Allerdings muss man auch hier sehr auf der Hut vor den Wellen des Atlantiks sein. Nicht selten bekommt man hier bei Unachtsamkeit nasse Füße, wie es mir beinahe wiederfahren ist... ich habs aber noch kommen sehen, siehe dieses Video hier. Auch Todesopfer hat es hier schon gegeben, wenn unaufmerksame Touristen von den Wellen überrascht und ins Meer hinaus gezogen werden.

06 28b jkulsarlonAuch an der Gletscherlagune kann man imposante Eindrücke sammeln. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs setzte gerade die Flut ein und drückte das Wasser der Jökulsá zurück in Richtung See und Gletscher. So schoben sich die Eisberge zusammen und rempelten unter Knarren aneinander vorbei. Hin und wieder sind auch Stücke abgebrochen und ins Wasser gefallen. Auf jeden Fall ist die Jökulsárlón Gletscherlagune ein absolutes Muss einer jeden Islandreise. Es waren viele weitere Touristen zugegen und der wachsenden Beliebtheit schenkt die isländische Regierung bzw. die Vatnajökulsþjóðgarður Beachtung und hat Parkflächen erweitert und aufgerüstet.

06 28e unterwegsKurz vor Sonnenuntergang starteten wir und steuerten unsere nächste Unterkunft an: Bjarnanes bei Höfn im Guesthouse H17 bei Heiða. Dort war ich bereits im letzten Jahr und lernte mit Heiða eine sehr nette und hilfsbereite Isländerin kennen. Auch das Haus selbst ist sehr schön, so dass ich mich gerne an das H17 erinnerte und die Unterkunft sofort erneut gebucht hatte. 70 Kilometer Strecke sind es bis Bjarnanes. Der wolkenlose Himmel und die einsetzende Dämmerung zuzüglich der eingehenden Warnung der Polarlicht-App „AuroraFcst“ sorgten bei uns für gute Stimmung. Nach einigen Fotostopps –die Dämmerung verzauberte die einzige am Himmel stehende Lenticulariswolke in ein intensiv erscheinendes Ungetüm- erreichten wir Bjarnanes. Ich hatte es sofort wieder gefunden, auch ohne Navigationssystem. Heiða öffnete uns die Tür und freute sich sehr. Die Freude war auch auf unserer Seite, waren wir nach 200 Kilometern Fahrt doch ziemlich ausgepowert. Heiða informierte uns auch gleich, dass wir uns gar nicht erst auszuziehen brauchen, da intensive Polarlichter angekündigt sind. Sie erzählte uns auch gleich von ihrem persönlichen Platz, von welchem sie die Aurora immer beobachtet. Nach ein paar Momenten des Runterfahrens in den Ruhemodus machten wir uns auch gleich auf zu Heiðas persönlichem Aurora-Platz, bewaffnet mit Kamera und Stativ.

06 30 bjarnanesSchon auf dem Weg dorthin explodierte der Himmel in grünen, gelben und violetten Farben. Dabei war es noch nicht einmal völlig dunkel, die Dämmerung war noch immer sichtbar. Mit jedem Schritt aus Bjarnanes heraus (Bjarnanes besteht lediglich aus vier Straßen) und weg von der Straßenbeleuchtung wurde der Anblick und Eindruck der Polarlichter intensiver. Dann erreichten wir die Wiese, die Heiða uns erklärt hatte. Schnell gesellten sich auch weitere Polarlichtsüchtige hinzu, teilweise ebenfalls mit Kameras bewaffnet. Ich suchte mir noch ein geeignetes Vordergrundmotiv und schließlich konnte es losgehen: die erste richtige Nacht mit Polarlichtern. Leider dauerte das Schauspiel nicht sehr lange und nach einer knappen Stunde ließ die Intensität nach. Hier habe ich noch ein Must-See-Videoclip, welcher die Aurora als Zeitraffer am Himmel tanzen lässt! Wir entschlossen uns, in die Unterkunft zu gehen. Wir haben noch beraten, was wir am nächsten Morgen unternehmen würden. Da in unmittelbarer Nähe die Stokksnes liegt, eine Halbinsel mit einem bemerkenswerten Bergmassiv, wollten wir vor Sonnenaufgang dort sein. Dies hatte zur Folge, dass wir bereits um 06:30 Uhr in Richtung Stokksnes aufbrechen würden, der Wecker musste dementsprechend früh gestellt werden... 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des sechsten Tages:.

06 01 nacht 06 02a dalshfdi 06 02 daemmerung

Sehr dunkler Sternhimmel

Die Morgendämmerung... Eine Torfhütte...
06 03 morgen 06 04a unterwegs 06 05 moos
Torfhütte im Morgenlicht Isländisches Moos Isländisches Moos
06 08 skaftafell 06 09 skaftafell 06 10 skaftafell
Der Skaftafell Spiel mit der Schärfentiefe... Svínafellsjökull
06 11 hundafoss 06 12 aussicht 06 13 svartifoss
Der Hundafoss Blick in die Weite Der Svartifoss
06 15 svartifoss 06 16a svinafellsjkull 06 18 joekulsarlon
Der Svartifoss Svínafellsjökull Jökulsárlón
06 19 joekulsarlon 06 20 joekulsarlon 06 22 joekulsarlon
Jökulsárlón Jökulsárlón Jökulsárlón
06 24 joekulsarlon 06 25 joekulsarlon 06 27 joekulsarlon
Wellen am Diamond beach Diamond beach Diamond beach
06 28 joekulsarlon 06 29 bjarnanes 06 31 bjarnanes
Diamond beach Aurora borealis Aurora borealis
06 32 bjarnanes 06 33 bjarnanes  
Aurora borealis Aurora borealis  

07 02 vestrahornOhne nennenswerte Gegenwehr konnten wir am siebten Tage die Unterkunft in Richtung Stokksnes verlassen. Keine 15 Minuten später erreichten wir den Abzweig kurz vor dem Tunnel und stellten unser Auto schließlich auf dem Parkplatz ab. Dort ist ein kleines Café „Viking“ vorhanden, ebenso ein Automat, an welchem man den kostenpflichtigen Zugang zur Halbinsel erwerben kann. 800 ISK kostet der Spaß und das gezogene Ticket muss man an einer automatischen Schranke scannen. Etwa zwei Kilometer weiter stellten wir den Mazda ab und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung zu Fuß über schwarze Dünen zum Strand. Es wurde langsam hell und schätzungsweise sollte es noch gute 20 Minuten bis zum Sonnenaufgang dauern. Es hatten sich bereits eine Handvoll andere Fotografen eingefunden. Ich stellte meine Kamera mit Stativ an einer Stelle auf, an der das Vestrahorn Bergmassiv gut zur Geltung gekommen ist. 07 03 vestrahornDer hellblaue Himmel und die nun aufgehende Sonne hüllten das Gebirge in ein bewundernswertes Licht. Die erst kurz zurückliegende Flut hat jeden Fußabdruck im schwarzen Vulkansand des Strandes verschwinden lassen. Bei der Wahl meines Standorts bedachte ich, die Unberührtheit bestehen zu lassen. Leider waren die anderen Fotografen nicht so rücksichtsvoll und spazierten kreuz und quer über den Strand. Doch zum Glück kam hin und wieder eine höhere Welle und verwischte die Spuren… Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes war das Meer sehr ruhig... die Wellen reichten zwar weit in den Strand hinein, doch hoch und überraschend kamen diese nicht, so dass Kamera und Fotograf zu keiner Zeit einer Gefahr ausgesetzt war.

07 05 vestrahornDie Sonne erhob sich vollends am Osthorizont und erhellte die Landschaft nun komplett. Die intensiven Lichteindrücke waren nun verschwunden, doch wir dachten noch lange nicht daran, die Zelte abzubrechen. Die ersten Fotografen hingegen sind bereits weitergezogen, wir allerdings veranstalteten noch diverse Fotoshootings mit uns selbst, aber auch mit meiner mitgebrachten Glaskugel. Mit dieser Kugel lassen sich nette fotografische Experimente durchführen. Schwarzer Sand, blauer Himmel, graues Gebirge, Kontraste und Lichtspiele ohne Ende, was will man mehr? Das ist Island! Abwechslungsreich, rau und sanft, idyllisch und zerstörerisch, ruhig und tosend. Noch kein Ort der Erde hat mich mehr durch eine solche Abwechslung berührt wie diese Vulkaninsel.

07 07 vestrahornGegen 10:00 Uhr bewegten wir uns dann doch nochmal zurück zur Unterkunft. Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir Heiða noch etwas Nettes ins Gästebuch geschrieben. Sie selbst war leider nicht anwesend, so dass wir uns nicht von ihr verabschieden konnten. Bjarnanes war der östlichste Punkt unserer Islandreise. Der siebte Tag sollte im Wesentlichen ein Autotag sein. 450 Kilometer mussten an diesem Tag zurückgelegt werden, ehe wir in Fluðir bei der nächsten Airbnb-Unterkunft ankommen würden. Im Grunde sind wir denselben Weg der Ringstraße entlang wieder zurück gefahren. Wem das zu langweilig erscheinen mag und sich fragt, warum wir nicht die übrige Runde um Island herum gefahren sind, dem sei gesagt, dass bei einem zweiten Vorbeikommen an einem Punkt sich die Chancen auf gutes Wetter verdoppeln. Insbesondere bei den Autofahrten während der Hinfahrt hat es doch hin und wieder mal geregnet, so dass wir auf der Rückfahrt dann die eingangs ausgelassenen Sehenswürdigkeiten wie den Dverghamrar (die Basaltformation) oder den Kirkjugolf (Mosaikboden aus Basaltsäulen) doch noch bestaunen konnten.

07 11 joekulsarlonAuch an der Jökulsárlón Gletscherlagune und am Diamond beach haben wir nochmals einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, da wir schon von der Straße aus erkennen konnten, dass am schwarzen Strand wesentlich mehr und viel größere Eisbrocken herumgelegen haben als es auf der Hinfahrt der Fall war. Es hat sich zudem auch für mich gelohnt, da ich Zeuge wurde, wie ein gigantischer Eisberg unter tosendem Lärm zerbrochen ist und die Eisschollen hohe Wellen verursacht haben. Die Kamera konnte ich zwar zücken und auslösen, aber die wesentlichen Momente konnte ich dabei leider nicht einfangen. Hier habt ihr auch noch einen Videoeindruck, wie es im Inneren eines solchen kleinen Eisbergs aussieht. Für solche Spielereien ist die GoPro wirklich eine nette Sache...

Eine gute Stunde hat der Aufenthalt gedauert, ehe es weiter in Richtung Westen gegangen ist. Wir haben nochmals in Vík y Mýrdal für Einkauf und Tanken angehalten. Auch das eine oder andere T‑Shirt landete noch im Warenkorb. Ich rechnete die ISK schon gar nicht mehr in Euro um, ich werde es ja am Monatsende an der Kreditkartenabrechnung sehen…

07 15 vikEher spontan hatten wir am Vorabend einen Besuch in der „Gamla laugin“, der Secret lagoon in Fluðir, unserem Aufenthaltsort gebucht. Mit etwas Verspätung sind wir dann um 17:30 Uhr in Fluðir angekommen. Wir machten uns dann auch gleich für den Badebesuch in der Lagune fertig. Das Schöne war, dass wir von unserer Unterkunft aus keine drei Minuten zu Fuß zur Lagune benötigten. Der Zugang war schnell und unkompliziert, es lebe der QR-Code auf dem iPhone. Bis etwa 20:00 Uhr hielten wir uns in der Gamla laugin auf, eine kleine, überschaubare Badeanstalt mit sehr nettem Personal. Gespeist wird die Lagune von thermal aufgewärmtem Wasser, in unmittelbarer Nähe dazu bricht auch regelmäßig ein kleiner Geysir mit etwa einem Meter Höhe aus. Es waren vielleicht 100 weitere Besucher da, die nach Einbruch der Dunkelheit immer weniger wurden. Am Ende waren wir fast allein. Karin hat die Lagune vorher verlassen, da sie sich für eventuell auftretende Polarlichter vorbereiten wollte. Polarlichttechnisch sind wir an diesem Abend zwar leer ausgegangen, doch übrige Eindrücke haben wir an diesem Tag mehr als genug gewonnen. 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des siebten Tages:.

07 01 vestrahorn 07 03 vestrahorn 07 04 vestrahorn

Stokksnes

Stokksnes Ich im Einsatz
07 05a vestrahorn 07 06 vestrahorn 07 08 vestrahorn
Glasperlenspiel Auf Tuchfühlung Unser CX-5
07 09 vestrahorn 07 10 joekulsarlon 07 12 joekulsarlon
Der Batman-Felsen Ich am Diamond beach Der Diamond beach
07 13 joekulsarlon 07 14 joekulsarlon  
Eisbruch Eisbruch  

08 01 reykjavik370 Kilometer standen am achten Tag unserer Reise auf dem Plan. Von Flúðir aus, leicht im Landesinneren gelegen, traten wir rechtzeitig die Weiterfahrt an. Auf dem Weg nach Borgarnes hat der Islandreisende zwei Optionen zur Auswahl: fährt er durch den Hvalfjörður Tunnel (den Hvalfjarðargöng), der seit diesem Jahre mautfrei ist oder fährt er einen erheblichen Umweg über den Fjord? Der Tunnel ist knapp 6.000 Meter lang und führt bis 150 Meter unter den Meeresspiegel. Kostete bei meinem letzten Islandaufenthalt eine Durchfahrt noch 1.000 Kronen (8 Euro), so ist dieses nun kostenlos, da nach 20 Jahren Mautbetrieb die Baukosten wieder eingenommen worden sind. Wir haben uns für die Fahrt entlang des Fjordes entschieden. Keine schlechte Wahl, denn das Wetter war gut und wir erhofften uns so das eine oder andere Fotomotiv. Wir wurden nicht enttäuscht und haben die 50 Kilometer an Mehrweg gerne in Kauf genommen. 08 02 hoehleDoch aufgrund des guten Wetters haben wir auch noch entschieden, am Glymur vorbeizuschauen. Das ist ein weiterer Wasserfall, der aber erst nach einer mühsamen Wanderung erreichbar ist. Dass wir den Wasserfall nicht komplett erreichen wollten, war uns schon vorher klar, aber auch sonst bietet diese Gegend zahlreiche Wandermöglichkeiten wie beispielsweise einen tollen Blick den Fjord entlang oder den Aufenthalt und Abstieg in eine Höhle. Um 12:30 Uhr sind Katrin und ich losgewandert, Karin hat auf die Wanderung verzichtet. Nach gut 90 Minuten kehrten wir wieder zum Auto zurück und setzten unsere Reise fort. Die zweite Hälfte des Fjordes lag ja schließlich noch vor uns, nachdem der Glymur genau im Scheitelpunkt des Fjordes gelegen ist.

08 04a budirNach einem kurzen Halt in Borgarnes (der Kartoffel, Skyr- und Zimtschneckenvorrat musste wieder aufgefüllt werden) ging es weiter nach Búðir mit der dazugehörigen schwarzen Kirche. Die Búðakirkja ist eine schwarze, alleinstehende Kirche unweit des Atlantiks und stellt ein tolles Fotomotiv dar. Lange haben wir uns dort nicht aufgehalten, da der nächste Stopp in Arnarstapi etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte. Arnarstapi ist ein kleines Fischerdorf und am Fuße des Snæffelsjökull gelegen. Es ist bekannt für die eindrucksvollen Küstenformationen aus Basaltsäulen. Nach einem kleinen Rundgang und zahlreichen Fotos fuhren wir weiter die Snæffelsnes Halbinsel entlang. Dabei umrundet man den Snæffelsjökull, den Vulkan, an welchem Jules Vernes Helden im Roman ihre Reise zum Mittelpunkt der Erde angetreten hatten. Diese Strecke ist einfach wunderbar, es gibt landschaftlich viel zu sehen. 08 05a arnarstapiDer Vulkan selbst hüllte sich leider in Wolken, doch weitere Fotostopps sorgten schnell für volle Speicherkarten. Unterwegs wurden wir auch Zeuge der Straßenüberquerung einer ganzen Schafsherde. Die Hirtin hatte uns zuvor angehalten und gut Hundert Schafe hüpften graziös über die Straße. Danach ging es dann ohne Zwischenfälle weiter. Wir hatten zwar mit dem Klukkufoss, Kerlingarfoss und Svöðufoss noch drei weitere Wasserfälle auf dem Programm stehen gehabt, doch aufgrund der knappen Zeit (wir wollten zum Sonnenuntergang am Kirkjufell sein) haben wir diese dann doch ausgelassen. Die Fahrt auf dem Snæffelsnesvegur, so heißt die Straße auf der Halbinsel führt am Gufuskálar vorbei, mit 412 Meter Westeuropas höchstem Sendemasten.

08 06 kirkjufellZiel der achten Etappe war Grundarfjörður am nordöstlichen Ende der Snæffelsnes Halbinsel gelegen. Der dort angesiedelte Kirkjufell ist ein eindrucksvoller Berg, dessen Namensgebung auf seine Form zurückzuführen ist. „Kirkjufell“ bedeutet Kirchenberg. Aufgrund des spitzen Aussehens erinnert er entfernt an das Dach eines Kirchturms. Man sagt vom Kirkjufell, dass er Islands fotogenster und am häufigsten fotografierter Berg ist. Ein kurzer Halt, um den Berg bei Tageslicht abzufotografieren und danach ging es erst einmal in die Unterkunft. Direkt an der Grundargata, der Hauptstraße in Grundarfjörður, ist das Guesthouse 43 wirklich toll gelegen. Wir haben uns gleich wie zuhause gefühlt und Sædis, die Gastgeberin, hat uns persönlich empfangen und alles Wissenswerte erklärt.

08 07a grundarfjoerdurKeine zwei Kilometer trennten uns vom Kirkjufell. Grundarfjörður selbst ist mit knapp unter 1.000 Einwohnern ein kleines Örtchen, aber dennoch ist mit Tankstelle, Supermarkt, Apotheke und so weiter alles Nötige vorhanden. Nach Sonnenuntergang sind wir zum Kirkjufell gefahren. Der Himmel war zeitweise stark bewölkt, doch selbst bei diesen widrigen Bedingungen ist der Anblick einfach atemberaubend. Die Kirkjufellsfossar, zwei kleine Wasserfälle, zusammen mit dem dazugehörigen Berg Kirkjufell, lassen das Fotografenherz höher schlagen. Mit zunehmender Dunkelheit machten sich auch Polarlichter bemerkbar. Für wenige Augenblicke waren sie extrem hell. Zu diesem Zeitpunkt waren wir drei allein am Berg. Die Wolken lockerten etwas auf und gaben den Blick auf die Lichter frei. Nach und nach kamen mehr Fotografen hinzu, doch Petrus hatte etwas dagegen und machte den Himmel zu. So waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Frohen Mutes und voller Zufriedenheit sind wir von dannen gezogen und sind zurück in die Unterkunft, wo wir dann doch etwas durchgefroren angekommen und dann gleich schlafen gegangen sind.

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des achten Tages:.

08 02a unterwegs 08 03 budir 08 05b arnarstapi

Schaf-Showeinlage

Die Búðarkirkja Das Portal bei Arnarstapi
08 05c unterwegs 08 07 kirkjufell 08 08 kirkjufell
Road to nowhere Der Kirkjufell Aurora über Grundarfjörður
08 09 kirkjufell    
Aurora über dem Kirkjufell    

09 03 stykkisholmurEntgegen der ursprünglichen Planung haben wir uns frühs zwei Stunden länger Zeit gelassen und haben die Unterkunft erst um 10:00 Uhr verlassen. Nach einem gemütlichen Aufenthalt mit Fensterblick auf den Kirkjufell sind wir auch nicht plangemäß wieder in Richtung Borgarnes zur nächsten Sehenswürdigkeit gefahren, sondern haben die Fahrt erst einmal in Richtung Norden angetreten. Wer den Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ mit Ben Stiller kennt, weiß, dass Teile des Films auf Island spielen. Neben Höfn und Grundarfjörður war unter anderem auch Stykkishólmur Drehort im Film. So war ein gewisser Reiz vorhanden, die 40 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen und dem kleinen Örtchen mit 1.100 Einwohnern einen Besuch abzustatten. Tatsächlich haben wir nach der halbstündigen Fahrt einige der Orte aus den Szenen des Films wiedererkannt und natürlich sofort Fotos davon gemacht. Ein ausgiebiger Besuch in einem Souvenirladen rundete den Besuch ab und wir haben Stykkishólmur mit einem zufriedenen Lächeln verlassen. Dass wir diesen Tag etwas entspannter haben angehen lassen, war der Tatsache geschuldet, dass wir lediglich die Hraunfossar auf dem Tagesplan hatten.

09 09 hraunfossarDie Hraunfossar. Ein Seitenarm des Flusses Hvitá verschwindet einen Kilometer oberhalb im etwa 1.000 Jahre alten Lavafeld „Hallmundarhraun“. Es versickert bis zu einem wasserundurchlässigen Grund aus Basalt und fließt unterirdisch weiter, bis es an den Hraunfossar wieder zutage tritt. Auf eine Breite von 700 Meter fließt und sprudelt das Wasser wieder hervor und hat dabei Fallhöhen von bis zu sechs Metern. Die Hraunfossar (isl. „Lavawasserfälle“) sind sehr gut mit dem Auto erreichbar, wenn auch etwas abgelegen weiter im Landesinneren. Auf einem gut ausgebauten Fußsteg kann nahezu die gesamte Breite mit einem tollen Blick auf die Wasserfälle abgelaufen werden. Am östlichen Ende führt eine Brücke über die Hvitá und man kann einen weiteren Wasserfall, den „Barnafoss“ erblicken. Hinter der Benennung des Falles verbirgt sich eine traurige Geschichte: übersetzt bedeutet dies „Kinderwasserfall“ und der Name verweist auf eine alte Sage. Zwei Kinder spielten auf dem Steinbogen, welcher über den Wasserfall geführt hatte. Dabei sollen sie in die Fluten gestürzt und umgekommen sein. Daraufhin soll die Mutter den Steinbogen zerstört haben lassen, damit sich eine ähnliche Tragödie nicht mehr ereignen kann. Der Barnafoss sieht schon sehr gefährlich aus, stürzen die Wassermassen der Hvitá doch durch einen recht engen Felsbogen, der wie eine Düse sehr starke Stromschnellen generiert. Reinfallen sollte man da wirklich nicht… Dieser Videoclip zeigt die Hraunfossar in Bewegung und auch dieses Filmchen zeigt schön, wie scheinbar aus dem Nichts Wasser hervorkommt.

09 10a unterwegsNach dem Besuch der Hraunfossar machten wir eine Pause im daneben liegenden Restaurant. Meine Wahl fiel auf einen Burger namens „A farmer’s girl’s dream“. Eine interessante kulinarische Komposition mit Speck, Spiegelei, Gemüse und BBQ-Soße auf einem Rindfleisch-Patty. Er war lecker, aber auch teuer: 2.800 ISK, das sind 22 Euro. Zufrieden ob des gut verlaufenen Tages bei perfektem Wetter ließen wir es noch etwas gemütlich angehen und machten uns nach dieser Erholung wieder auf den Weg nach Borgarnes. 60 Kilometer lagen vor uns und wir haben unsere Unterkunft am frühen Abend erreicht. Die Unterkunft „Lambalækur“ ist ein völlig abgelegenes, einzeln stehendes Haus nach alter isländischer Bauweise. Es ist zweistöckig und im 19. Jahrhundert erbaut worden. 10 01 lambalaekurWir haben das Haus betreten und die Holzdielen knarzten. Dementsprechend waren wir froh, dass wir im oberen Geschoss untergebracht waren, denn jeder Schritt im Obergeschoss konnte unten lautstark vernommen werden. Ich muss sagen, dass dies mit Abstand die gemütlichste Unterkunft war. Am Abend haben sich sogar noch Polarlichter am Himmel aufgetan, die aber weit weniger eindrucksvoll waren als die vorherigen Sichtungen. Deshalb ließ ich es auch hier gemütlich angehen, stellte die Spiegelreflexkamera auf ein Stativ ins Freie, verbindete mich mit dem iPhone darauf und steuerte die Kamera fern vom warmen Inneren der Unterkunft heraus. So geht Polarlichtbeobachtung heute...

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des neunten Tages:

09 01 stykkisholmur 09 02 stykkisholmur 09 04 unterwegs

Stykkishólmur

Stykkishólmur Blick in die Ebene
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Die Hraunfossar Die Hraunfossar Die Hraunfossar
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Die Hraunfossar Der Kirkjufell  

10 02 reykjavikAm zehnten und vorletzten Tag bestand der Tagesplan lediglich aus der Weiterfahrt nach Reykjavík. Weiter stand nichts auf dem Programm, so dass wir den Aufenthalt im Lambalækur Gästehaus nach hinten in die Länge gezogen haben. Ein ausgiebiges Frühstück und eine angenehme Unterhaltung mit Amanda, einer Frau aus Pennsylvania rundeten den Aufenthalt dort ab. Erst nach Mittag haben wir die Weiterreise nach Reykjavík angetreten. Nach gut eineinhalb Stunden und 80 Kilometern Fahrt erreichten wir die Hauptstadt. Dieses Mal sind wir die 6 Kilometer durch den Hvalfjarðargöng –den Tunnel- gefahren. Es ist eindrucksvoll, wie steil die Ab- und Auffahrt in und aus dem Tunnel erfolgt. Es ist auch leicht vorstellbar, wie viel Zeit man durch diesen Tunnel sparen kann. In dieser Region sind mir im Übrigen auch die einzigen Stellen aufgefallen, an denen auf Island geblitzt wird... Dieser Youtube-Clip gibt euch vielleicht einen kleinen Eindruck der Fahrt durch den Tunnel.

In Reykjavík angekommen, haben wir nach einem Besuch im KFC direkt die Unterkunft angesteuert. Thor’s guesthouse in der Skólavörðustígur war schnell gefunden, das Einchecken gestaltete sich jedoch nicht ganz reibungsfrei. Ich hatte eine Standardnachricht erhalten, nach welcher ich eine weiße Tür mit rotem Herz aufsuchen sollte. Nur war keine solche Tür zu finden. Ein Anruf jedoch brachte Aufklärung, dass das rote Herz gestohlen worden ist. So kamen wir dann doch noch zu unserer Unterkunft, ein Appartment inmitten von Reykjavík, keine 200 Meter von der Hallgrímskirkja entfernt. Idealer und zentraler hätte es nicht liegen können. Für gerade einmal 50 Euro pro Nacht und Nase ist das wirklich traumhaft.

10 05a hallgrimskirkjaNach dem Auspacken und dem Organisieren des Gepäcks aufgrund der kurz bevorstehenden Abreise, haben wir uns in Richtung Krysuvík aufgemacht, einem Hochtemperaturgebiet, an welchem man den aktiven Vulkanismus auf der Insel mit Leib und Seele spüren kann: kleine Geysire, blubbernde Schlammtöpfe und dampfende heiße Quellen in Verbindung mit Schwefelgeruch ließen erahnen, wie es unter diesem Gebiet rumoren muss. Aufgrund des starken Regens war ich der Einzige, der das Auto verlassen hatte. Karin und Katrin bevorzugten die Mimimiii-Methode und blieben im Trockenen, während ich wenigstens einmal die Dichtigkeit meiner Goretex-Kleidung testen und Island von der „anderen“, regnerischen Seite erleben wollte...

Dennoch haben wir beschlossen, nach dem Besuch Krysuvíks wieder nach Reykjavík zurückzukehren, da der Regen keine Anstalten gemacht hatte aufzuhören. In Reykjavík angekommen, hat der Regen doch schnell nachgelassen und dementsprechend stand am frühen Abend eine erste Erkundung der Stadt auf dem Programm. Unmittelbar gegenüber der Unterkunft war ein Souvenir- und Bekleidungsgeschäft, in welchem ich mich erst einmal weiter eingedeckt hatte. Ein Gang zur Hallgrímskirkja war auch schnell geschehen. Ich bin jedesmal fasziniert von diesem Gebäude.

10 06 harpaNur wenige Hundert Meter zu Fuß und man ist an der „Sæbraut“, der Straße direkt am Meer. Dort befindet sich unter anderem die Sólfarid (Sonnenfahrt), eine künstlerische Nachbildung eines Wikingerschiffes aus Metall. Nicht weit davon entfernt ist die Harpa Konzerthalle, ebenfalls ein absoluter Hingugger und ein Muss bei jedem Reykjavík-Besuch. Ein faszinierendes Bauwerk, welches seinerzeit im Jahre 2010 über 160 Millionen Euro verschlungen hatte. Deshalb hatte das Gebäude zuvor in der Kritik gestanden, da die Finanzkrise Islands im Jahre 2008 nur kurz zuvor überwunden war und die Regierung nur knapp am Staatsbankrott vorbeigeschrammt war. Doch schnell verflog die Kritik und die Isländer sind nun froh über dieses Wahrzeichen Reykjavíks. Die Fassade des Gebäudes ist komplett aus dichroitischem Glas, welches je nach Sonnenstand und Blickwinkel seine Farbe ändert. Hinzu kommt nach Einbruch der Dunkelheit eine Beleuchtung mit LED, welche das flackernde Polarlicht simulieren soll. Die Harpa während der blauen Stunde stellt ein tolles Fotomotiv dar. Hier ein Video aus dem Innenbereich der Konzerthalle.

10 05 reykjavikWir haben das Konzerthaus auch betreten. Darin befindet sich auch ein Souvenirshop, in welchem wir auch noch ein paar Euro bzw. Kronen haben liegen lassen. Ein wirklich tolles Gebäude von architektonisch hochwertigem Niveau und absoluter Schönheit! Dann hat sich die Frage nach dem kulinarischen Höhepunkt des Tages aufgetan. KFC war raus aus dem Rennen, das in der Harpa befindliche Restaurant „Kolabrautin“ hatte an der Speisekarte keine Preise ausgewiesen, was uns leicht verunsichert hatte. Dann googlete ich nach einer göttlichen Eingebung, ob es in Rexkjavík ein Hard Rock Cafe gibt. Ergebnis positiv: YES! Es hatte zwar wieder leicht zu regnen begonnen, doch das Hard Rock Cafe war nur einige Hundert Meter von der Harpa entfernt. Nach wenigen Metern haben wir es schließlich erreicht und wir haben auch noch ohne Reservierung einen schönen Platz bekommen. Auch dort fiel meine Wahl wieder auf einen netten Burger. Karins Wahl fiel auf Fajita, während Katrin Fisch ausgewählt hatte. Beides nicht meins, ich war mit meinem Burger zufrieden... Dieser Clip zeigt vielleicht einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre im HRC.

Nach einem angenehmen Aufenthalt an diesem Abend sind wir fußläufig zurück in die Unterkunft. Der Regen hatte auch aufgehört, so dass der Heimweg sehr angenehm war und wir noch etwas von Reykjavíks Nachtleben mitgenommen haben. In der Unterkunft angekommen, waren wir dann aber doch ziemlich platt, so dass wir dann schnell die Lichter ausgemacht haben.

 

11 01 reykjavikDa ich ohnehin kein Langschläfer bin, bin ich noch vor dem Wecker aufgewacht und habe mich kurzerhand entschlossen, mit Kamera und Stativ bewaffnet, die blaue Stunde am Morgen auszunutzen und einige Motive Reykjavíks in der Dämmerung abzulichten. Die Hallgrímskirkja, die Sólfarid und die Harpa waren wieder meine Anlaufziele, die bei Nacht erst Recht tolle Motive darstellen. Insbesondere die Harpa bietet bei Nacht mit ihren Lichteffekten eine tolle Show, hier ist ein Videoclip davon als Zeitraffer. Das muss man einfach gesehen haben! Nach gut eineinhalb Stunden Fotospaziergang habe ich mich wieder zurück in die Unterkunft begeben, nur um kurz darauf erneut mit Katrin loszuziehen. Der Schrittzähler hat sich sehr gefreut. Hier im Übrigen wieder ein Youtube-Video einer Umrundung der Sólfarid.

11 04a reykjavikUm 13:00 Uhr sind wir nochmals in Richtung Krysuvík aufgebrochen, da das Wetter wesentlich besser als am Vortag war. Dieses Mal sind auch Karin und Katrin aus dem Auto ausgestiegen, allerdings ist der Besuch des Hochtemperaturgebiets ziemlich kurz ausgefallen, da wir um 15:00 Uhr an der Bláa Lónið (Blaue Lagune) sein mussten, da wir für diese Uhrzeit unseren Besuch gebucht hatten. So mussten wir leider die „Miðlína“, die „Bridge between the continents“ auslassen, kamen dafür aber rechtzeitig an der Blauen Lagune an. Hier ein Videoeindruck der aktiven Erde und hier gleich noch einer. Der Zugang war dank QR-Code wieder einfach und schnell, so dass wir schnell in den Genuss des Badens gekommen sind. Auch wenn der Eintrittspreis in Höhe von 70 Euro gesalzen ist, so lohnt sich der Besuch in jedem Falle. Es gibt zwar zahlreiche weitere Möglichkeiten in natürlichen Thermalquellen zu baden, doch ist die Blaue Lagune die mit Abstand am meisten kommerziell betriebene. Zwichen 38 und 40 Grad hat das Wasser, welches aus 2.000 Metern Tiefe emporgepumpt wird. Die cyanblaue Färbung des Wassers rührt von Kieselalgen her und an kleinen Pavillons inmitten des Wassers kann man sich ebenso ein Getränk gönnen wie auch eine Maske mit schmodderigen Algen ins Gesicht schmieren. Ich muss sagen, die Wirkung auf die Gesichtshaut ist wirklich spürbar, es kühlt angenehm...

11 07 bluelagoonKnappe sechs Stunden dauerte unser Aufenthalt in der Blauen Lagune. Nach 20:00 Uhr haben wir diese verlassen und den Rückweg nach Reykjavík angetreten. Unterwegs wurde noch getankt, damit wir dies nicht am nächsten Morgen kurz vor dem Abflug unter Stress hätten erledigen müssen, denn der Flieger Richtung Frankfurt sollte um 07:25 Uhr abheben. Ein vorheriges Tanken wäre unter die Kategorie „Stress“ gefallen. In der Unterkunft hatten wir auch noch gemütlich das Online-CheckIn durchgeführt.

Um 04:00 Uhr war die Nacht ohnehin zu Ende, nachdem wir am Abend noch aufwendig die Koffer gepackt hatten. Erstaunlicherweise hat alles gepasst, trotz der vielen Einkäufe. Um 05:30 Uhr waren wir am Flughafen in Keflavík, Als Experiment versuchte ich mich im Self-Baggage-DropOff. Aber lediglich die Bagtags konnten wir schon selbständig an den Gepäckstücken anbringen, in die Schlange der Gepäckaufgabe mussten wir uns dennoch einreihen… Da die Automaten am Self-DropOff aber sehr leer waren und die Vermutung naheliegt, dass dies nur Wenige in Anspruch nehmen, freute sich die nette Dame am Schalter aber, dass wir das versucht haben...

So… Gepäck war weg, noch knappe zwei Stunden Zeit. Was tun…? Erst mal den Tax-Refund-Schalter heimgesucht und die Steuerrückerstattung der Einkäufe beantragt. Aber nach 2 Minuten war auch das erledigt, so dass wir letztendlich gelangweilt auf den Heimflug gewartet haben. Der Flieger hat pünktlich abgehoben und danach war genügend Zeit, die auf Island gewonnenen Eindrücke sacken lassen und verarbeiten zu können. Mir hat's gefallen, den beiden Mädels auch (zumindest sagten sie mir das), und auch dieses Mal sage ich: das war nicht das letzte Mal!

11 Tage, 3 Personen, 2.533 Kilometer Fahrt, 92 Kilometer Wanderung, 4.200 Fotos, 140 Videos, 14 Eimerchen Skyr, 10 Tüten Zimtschnecken und gefühlte 5 Kilogramm Kartoffeln… das kann getoppt werden. Bis zum nächsten Mal!

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des letzten Tages:.

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Die Sólfarid

Die Sólfarid In der Harpa
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In der Harpa Die Harpa von außen Sicht von der Hallgrímskirkja
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Sicht von der Hallgrímskirkja  Am Tjörnin Teich Street Art
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 Auf dem Weg nach Krýsuvík