09 03 stykkisholmurEntgegen der ursprünglichen Planung haben wir uns frühs zwei Stunden länger Zeit gelassen und haben die Unterkunft erst um 10:00 Uhr verlassen. Nach einem gemütlichen Aufenthalt mit Fensterblick auf den Kirkjufell sind wir auch nicht plangemäß wieder in Richtung Borgarnes zur nächsten Sehenswürdigkeit gefahren, sondern haben die Fahrt erst einmal in Richtung Norden angetreten. Wer den Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ mit Ben Stiller kennt, weiß, dass Teile des Films auf Island spielen. Neben Höfn und Grundarfjörður war unter anderem auch Stykkishólmur Drehort im Film. So war ein gewisser Reiz vorhanden, die 40 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen und dem kleinen Örtchen mit 1.100 Einwohnern einen Besuch abzustatten. Tatsächlich haben wir nach der halbstündigen Fahrt einige der Orte aus den Szenen des Films wiedererkannt und natürlich sofort Fotos davon gemacht. Ein ausgiebiger Besuch in einem Souvenirladen rundete den Besuch ab und wir haben Stykkishólmur mit einem zufriedenen Lächeln verlassen. Dass wir diesen Tag etwas entspannter haben angehen lassen, war der Tatsache geschuldet, dass wir lediglich die Hraunfossar auf dem Tagesplan hatten.

09 09 hraunfossarDie Hraunfossar. Ein Seitenarm des Flusses Hvitá verschwindet einen Kilometer oberhalb im etwa 1.000 Jahre alten Lavafeld „Hallmundarhraun“. Es versickert bis zu einem wasserundurchlässigen Grund aus Basalt und fließt unterirdisch weiter, bis es an den Hraunfossar wieder zutage tritt. Auf eine Breite von 700 Meter fließt und sprudelt das Wasser wieder hervor und hat dabei Fallhöhen von bis zu sechs Metern. Die Hraunfossar (isl. „Lavawasserfälle“) sind sehr gut mit dem Auto erreichbar, wenn auch etwas abgelegen weiter im Landesinneren. Auf einem gut ausgebauten Fußsteg kann nahezu die gesamte Breite mit einem tollen Blick auf die Wasserfälle abgelaufen werden. Am östlichen Ende führt eine Brücke über die Hvitá und man kann einen weiteren Wasserfall, den „Barnafoss“ erblicken. Hinter der Benennung des Falles verbirgt sich eine traurige Geschichte: übersetzt bedeutet dies „Kinderwasserfall“ und der Name verweist auf eine alte Sage. Zwei Kinder spielten auf dem Steinbogen, welcher über den Wasserfall geführt hatte. Dabei sollen sie in die Fluten gestürzt und umgekommen sein. Daraufhin soll die Mutter den Steinbogen zerstört haben lassen, damit sich eine ähnliche Tragödie nicht mehr ereignen kann. Der Barnafoss sieht schon sehr gefährlich aus, stürzen die Wassermassen der Hvitá doch durch einen recht engen Felsbogen, der wie eine Düse sehr starke Stromschnellen generiert. Reinfallen sollte man da wirklich nicht… Dieser Videoclip zeigt die Hraunfossar in Bewegung und auch dieses Filmchen zeigt schön, wie scheinbar aus dem Nichts Wasser hervorkommt.

09 10a unterwegsNach dem Besuch der Hraunfossar machten wir eine Pause im daneben liegenden Restaurant. Meine Wahl fiel auf einen Burger namens „A farmer’s girl’s dream“. Eine interessante kulinarische Komposition mit Speck, Spiegelei, Gemüse und BBQ-Soße auf einem Rindfleisch-Patty. Er war lecker, aber auch teuer: 2.800 ISK, das sind 22 Euro. Zufrieden ob des gut verlaufenen Tages bei perfektem Wetter ließen wir es noch etwas gemütlich angehen und machten uns nach dieser Erholung wieder auf den Weg nach Borgarnes. 60 Kilometer lagen vor uns und wir haben unsere Unterkunft am frühen Abend erreicht. Die Unterkunft „Lambalækur“ ist ein völlig abgelegenes, einzeln stehendes Haus nach alter isländischer Bauweise. Es ist zweistöckig und im 19. Jahrhundert erbaut worden. 10 01 lambalaekurWir haben das Haus betreten und die Holzdielen knarzten. Dementsprechend waren wir froh, dass wir im oberen Geschoss untergebracht waren, denn jeder Schritt im Obergeschoss konnte unten lautstark vernommen werden. Ich muss sagen, dass dies mit Abstand die gemütlichste Unterkunft war. Am Abend haben sich sogar noch Polarlichter am Himmel aufgetan, die aber weit weniger eindrucksvoll waren als die vorherigen Sichtungen. Deshalb ließ ich es auch hier gemütlich angehen, stellte die Spiegelreflexkamera auf ein Stativ ins Freie, verbindete mich mit dem iPhone darauf und steuerte die Kamera fern vom warmen Inneren der Unterkunft heraus. So geht Polarlichtbeobachtung heute...

 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des neunten Tages:

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Stykkishólmur

Stykkishólmur Blick in die Ebene
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Die Hraunfossar Die Hraunfossar Die Hraunfossar
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Die Hraunfossar Der Kirkjufell