08 01 reykjavik370 Kilometer standen am achten Tag unserer Reise auf dem Plan. Von Flúðir aus, leicht im Landesinneren gelegen, traten wir rechtzeitig die Weiterfahrt an. Auf dem Weg nach Borgarnes hat der Islandreisende zwei Optionen zur Auswahl: fährt er durch den Hvalfjörður Tunnel (den Hvalfjarðargöng), der seit diesem Jahre mautfrei ist oder fährt er einen erheblichen Umweg über den Fjord? Der Tunnel ist knapp 6.000 Meter lang und führt bis 150 Meter unter den Meeresspiegel. Kostete bei meinem letzten Islandaufenthalt eine Durchfahrt noch 1.000 Kronen (8 Euro), so ist dieses nun kostenlos, da nach 20 Jahren Mautbetrieb die Baukosten wieder eingenommen worden sind. Wir haben uns für die Fahrt entlang des Fjordes entschieden. Keine schlechte Wahl, denn das Wetter war gut und wir erhofften uns so das eine oder andere Fotomotiv. Wir wurden nicht enttäuscht und haben die 50 Kilometer an Mehrweg gerne in Kauf genommen. 08 02 hoehleDoch aufgrund des guten Wetters haben wir auch noch entschieden, am Glymur vorbeizuschauen. Das ist ein weiterer Wasserfall, der aber erst nach einer mühsamen Wanderung erreichbar ist. Dass wir den Wasserfall nicht komplett erreichen wollten, war uns schon vorher klar, aber auch sonst bietet diese Gegend zahlreiche Wandermöglichkeiten wie beispielsweise einen tollen Blick den Fjord entlang oder den Aufenthalt und Abstieg in eine Höhle. Um 12:30 Uhr sind Katrin und ich losgewandert, Karin hat auf die Wanderung verzichtet. Nach gut 90 Minuten kehrten wir wieder zum Auto zurück und setzten unsere Reise fort. Die zweite Hälfte des Fjordes lag ja schließlich noch vor uns, nachdem der Glymur genau im Scheitelpunkt des Fjordes gelegen ist.

08 04a budirNach einem kurzen Halt in Borgarnes (der Kartoffel, Skyr- und Zimtschneckenvorrat musste wieder aufgefüllt werden) ging es weiter nach Búðir mit der dazugehörigen schwarzen Kirche. Die Búðakirkja ist eine schwarze, alleinstehende Kirche unweit des Atlantiks und stellt ein tolles Fotomotiv dar. Lange haben wir uns dort nicht aufgehalten, da der nächste Stopp in Arnarstapi etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte. Arnarstapi ist ein kleines Fischerdorf und am Fuße des Snæffelsjökull gelegen. Es ist bekannt für die eindrucksvollen Küstenformationen aus Basaltsäulen. Nach einem kleinen Rundgang und zahlreichen Fotos fuhren wir weiter die Snæffelsnes Halbinsel entlang. Dabei umrundet man den Snæffelsjökull, den Vulkan, an welchem Jules Vernes Helden im Roman ihre Reise zum Mittelpunkt der Erde angetreten hatten. Diese Strecke ist einfach wunderbar, es gibt landschaftlich viel zu sehen. 08 05a arnarstapiDer Vulkan selbst hüllte sich leider in Wolken, doch weitere Fotostopps sorgten schnell für volle Speicherkarten. Unterwegs wurden wir auch Zeuge der Straßenüberquerung einer ganzen Schafsherde. Die Hirtin hatte uns zuvor angehalten und gut Hundert Schafe hüpften graziös über die Straße. Danach ging es dann ohne Zwischenfälle weiter. Wir hatten zwar mit dem Klukkufoss, Kerlingarfoss und Svöðufoss noch drei weitere Wasserfälle auf dem Programm stehen gehabt, doch aufgrund der knappen Zeit (wir wollten zum Sonnenuntergang am Kirkjufell sein) haben wir diese dann doch ausgelassen. Die Fahrt auf dem Snæffelsnesvegur, so heißt die Straße auf der Halbinsel führt am Gufuskálar vorbei, mit 412 Meter Westeuropas höchstem Sendemasten.

08 06 kirkjufellZiel der achten Etappe war Grundarfjörður am nordöstlichen Ende der Snæffelsnes Halbinsel gelegen. Der dort angesiedelte Kirkjufell ist ein eindrucksvoller Berg, dessen Namensgebung auf seine Form zurückzuführen ist. „Kirkjufell“ bedeutet Kirchenberg. Aufgrund des spitzen Aussehens erinnert er entfernt an das Dach eines Kirchturms. Man sagt vom Kirkjufell, dass er Islands fotogenster und am häufigsten fotografierter Berg ist. Ein kurzer Halt, um den Berg bei Tageslicht abzufotografieren und danach ging es erst einmal in die Unterkunft. Direkt an der Grundargata, der Hauptstraße in Grundarfjörður, ist das Guesthouse 43 wirklich toll gelegen. Wir haben uns gleich wie zuhause gefühlt und Sædis, die Gastgeberin, hat uns persönlich empfangen und alles Wissenswerte erklärt.

08 07a grundarfjoerdurKeine zwei Kilometer trennten uns vom Kirkjufell. Grundarfjörður selbst ist mit knapp unter 1.000 Einwohnern ein kleines Örtchen, aber dennoch ist mit Tankstelle, Supermarkt, Apotheke und so weiter alles Nötige vorhanden. Nach Sonnenuntergang sind wir zum Kirkjufell gefahren. Der Himmel war zeitweise stark bewölkt, doch selbst bei diesen widrigen Bedingungen ist der Anblick einfach atemberaubend. Die Kirkjufellsfossar, zwei kleine Wasserfälle, zusammen mit dem dazugehörigen Berg Kirkjufell, lassen das Fotografenherz höher schlagen. Mit zunehmender Dunkelheit machten sich auch Polarlichter bemerkbar. Für wenige Augenblicke waren sie extrem hell. Zu diesem Zeitpunkt waren wir drei allein am Berg. Die Wolken lockerten etwas auf und gaben den Blick auf die Lichter frei. Nach und nach kamen mehr Fotografen hinzu, doch Petrus hatte etwas dagegen und machte den Himmel zu. So waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Frohen Mutes und voller Zufriedenheit sind wir von dannen gezogen und sind zurück in die Unterkunft, wo wir dann doch etwas durchgefroren angekommen und dann gleich schlafen gegangen sind.

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des achten Tages:.

08 02a unterwegs 08 03 budir 08 05b arnarstapi

Schaf-Showeinlage

Die Búðarkirkja Das Portal bei Arnarstapi
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Road to nowhere Der Kirkjufell Aurora über Grundarfjörður
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Aurora über dem Kirkjufell