06 06 unterwegsAm sechsten Tag sollte es erst gegen 09:00 Uhr losgehen, so dass wir mehr oder weniger ausschlafen konnten. Nach einem ausgiebigen und guten Frühstück, packten wir unsere Sachen. Zum Svartifoss, unserer ersten Anlaufstelle, sind es auch lediglich 55 Kilometer. Zügig dort angekommen und nach erfolgreicher Parkplatzsuche, erwartete uns ein Fußmarsch über knapp zwei Kilometer. Zwischendurch ging es auch ordentlich bergauf, besonders anstrengend war der Marsch jedoch nicht. Der Parkplatz war gut gefüllt, aber auch hier hatten sich die Menschenmengen sehr gut verteilt, so dass auf den Wanderwegen nur mäßig Gegenverkehr war. Mittlerweile müssen am Parkplatz 750 ISK (ca. 6 Euro) an Parkgebühren entrichtet werden, diese können bar in der "Vatnajökulsþjóðgarður", einem nahegelegenen Gebäude oder per Internet bezahlt werden.

06 14 svartifossAuch am Svartifoss selbst, dem „schwarzen Wasserfall“, hielten sich die Menschenmengen in Grenzen. Direkt am Wasserfall befindet sich eine Plattform, von welcher aus man den Wasserfall inmitten dunkler Basaltsäulen sehr gut beobachten und fotografieren kann. Sehr zum Ärgernis der Anwesenden jedoch gibt es immer wieder einzelne Touristen, die die Absperrungen nicht respektieren und direkt vor dem Wasserfall posieren und sich gegenseitig fotografieren. Dass dies die Denkwürdigkeit des Orts stört, dürfte klar sein. Diese Art von Menschen gibt es leider überall. Zum Glück hatte sich die Anzahl derer in Grenzen gehalten. Auch am Svartifoss hielten wir uns länger auf. Hier fällt die Stórilækur (zu dt. „großer Bach“) 12 Meter tief und bietet einen eindrucksvollen Anblick, insbesondere bei schönem Wetter. Ich hatte das Glück und konnte auf der Besucherplattform einen guten Platz erwischen. Sitzend bediente ich meine Kamera auf dem Stativ. Bei Wasserfällen mache ich stets Aufnahmen sowohl mit als auch ohne Graufilter. So kann ich zuhause auswählen, welche Art Bilder mir besser gefällt: das fallende Wasser als verschwommene Spur oder eingefroren abgebildet. Das unterscheidet sich bei mir von Motiv zu Motiv und ist auch von meiner Laune abhängig... Hier gibts einen Videoclip zum Svartifoss.

Der Marsch vom Wasserfall zurück gestaltet sich einfacher, da es die meiste Zeit nur bergab geht. Dennoch kommt man etwas ins Pusten und schnell wird man von der Smartwatch alarmiert, dass das Tagesschrittziel erreicht ist. Nachdem die Damen noch einen Abstecher zur Toilette gemacht hatten, brachte uns die Weiterfahrt zum Svínafellsjökull, einer Gletscherzunge des Vatnajökull-Gletschers. 06 16 svinafellsjkullNach etwa sechs Kilometern holpriger Fahrt erreicht man einen Parkplatz. Ein kleiner Fußmarsch bringt den Besucher sehr nahe an die Eismassen der Gletscherzunge. Besonders auffallend ist die absolute Stille. Auch wenn einige weitere Touristen zugegen waren, so wurde ich von der Ruhe beeindruckt. Das blauweiße, von schwarzen Ascheschichten durchzogene Gletschereis im Kontrast zu den graugrünen Bergmassiven unter dem tiefblauen Himmel boten unvergessliche Anblicke und Eindrücke. Ich entschloss mich, so weit wie möglich den Weg in Richtung Gletscher zu gehen, doch nach einigen Hundert Metern habe ich mich einfach nicht weiter getraut, da der Steilhang sehr schroff war und ich einfach nicht im Gletschereis verschwinden wollte. So traurig wie es klingt, an die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, auf ewig im Geltscheis zu verschwinden, wird man anhand einer Gedenktafel in deutscher Sprache erinnert: seit dem Jahre 2007 werden zwei junge Deutsche vermisst. Ein Mahnmal, das weitere Besucher davon abhalten sollte, leichtsinnige Versuche zu unternehmen, sich selbst zu überschätzen und die Natur zu respektieren. In diesem Video vom Svínafellsjökull kommt auch die majestätische Ruhe zur Geltung...

06 17 hofkirkjaNach dem Genuss der Ruhe und der Kraft der Natur, entschlossen wir uns zur Weiterfahrt. Nachdem sich auch bei mir die Blase gemeldet hatte und wir nochmals kurz zum Vatnajökull Besucherzentrum am Svartifoss gefahren sind (sind ja nur sieben Kilometer), hatten wir die Weiterreise in östlicher Richtung aufgebrochen. Ein kurzer Zwischenstopp erfolgte in Hof. Dort gibt es eine kleine, süße und schnucklige Kirche. Die gesamte Kirche ist von Torf bedeckt und im hinteren Teil der Kirche befinden sich Gräber, die zunächst nicht als solche erkennbar sind. Ein idyllischer Ort. Wir haben zwei niederländische Fotografen angetroffen, mit denen wir sofort in ein freundliches Gespräch gekommen sind. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ein ganzer Bus voll Fotofreunde angekommen ist und sich das Areal schnell mit Menschen gefüllt hat. Nachdem wir bei bestem Wetter auch ohne großen Aufwand wirklich schöne Fotos gemacht haben, sind wir auch zügig weitergefahren. Die Hofkirkja, ein empfehlenswerter Zwischenstopp, zumal diese von der Ringstraße aus sichtbar ist und keinen Umweg darstellt.

06 21 joekulsarlonBis zum nächsten Halt war es nicht sehr weit. Gerade mal 40 Kilometer von der Hofkirkja entfernt liegt der bekannte Diamond beach und gegenüber auf der anderen Straßenseite die Jökulsárlón Gletscherlagune. Schon Roger Moore und Pierce Brosnan waren an diesen Orten beim Dreh zu James-Bond-Filmen zugegen. Die Kulisse ist auch wirklich einzigartig: der Breiðamerkurjökull, eine weitere Gletscherzunge des Vatnajökull, mündet hier in einen 18 Quadratkilometer großen See. Regelmäßig brechen hier teilweise hausgroße Eisberge ab und treiben in den See, wo sie schließlich über die Jökulsá, einem nur einen Kilometer langen Fluss, ins Meer münden. Die Jökulsá wird von einer Brücke mit der Ringstraße überspannt. Zu Fuß gelangt man unter der Brücke hindurch zum Diamond beach. Die ins Meer treibenden Eisberge werden vom Ozean durch Wellen zermahlen und landen schließlich zum Teil als Eisbrocken am Strand mit dem schwarzen Vulkansand. 06 28c jkulsarlonWie lupenreine Diamanten auf schwarzem Samt liegen große und kleine Eisbrocken in der Gegend rum. So bieten sich hier zahlreiche Fotomotive, insbesondere im Licht der auf- oder untergehenden Sonne. Wir waren am späten Nachmittag hier angekommen, wissend, dass wir das Licht der Abendsonne für schöne Fotomotive nutzen wollten. Allerdings muss man auch hier sehr auf der Hut vor den Wellen des Atlantiks sein. Nicht selten bekommt man hier bei Unachtsamkeit nasse Füße, wie es mir beinahe wiederfahren ist... ich habs aber noch kommen sehen, siehe dieses Video hier. Auch Todesopfer hat es hier schon gegeben, wenn unaufmerksame Touristen von den Wellen überrascht und ins Meer hinaus gezogen werden.

06 28b jkulsarlonAuch an der Gletscherlagune kann man imposante Eindrücke sammeln. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs setzte gerade die Flut ein und drückte das Wasser der Jökulsá zurück in Richtung See und Gletscher. So schoben sich die Eisberge zusammen und rempelten unter Knarren aneinander vorbei. Hin und wieder sind auch Stücke abgebrochen und ins Wasser gefallen. Auf jeden Fall ist die Jökulsárlón Gletscherlagune ein absolutes Muss einer jeden Islandreise. Es waren viele weitere Touristen zugegen und der wachsenden Beliebtheit schenkt die isländische Regierung bzw. die Vatnajökulsþjóðgarður Beachtung und hat Parkflächen erweitert und aufgerüstet.

06 28e unterwegsKurz vor Sonnenuntergang starteten wir und steuerten unsere nächste Unterkunft an: Bjarnanes bei Höfn im Guesthouse H17 bei Heiða. Dort war ich bereits im letzten Jahr und lernte mit Heiða eine sehr nette und hilfsbereite Isländerin kennen. Auch das Haus selbst ist sehr schön, so dass ich mich gerne an das H17 erinnerte und die Unterkunft sofort erneut gebucht hatte. 70 Kilometer Strecke sind es bis Bjarnanes. Der wolkenlose Himmel und die einsetzende Dämmerung zuzüglich der eingehenden Warnung der Polarlicht-App „AuroraFcst“ sorgten bei uns für gute Stimmung. Nach einigen Fotostopps –die Dämmerung verzauberte die einzige am Himmel stehende Lenticulariswolke in ein intensiv erscheinendes Ungetüm- erreichten wir Bjarnanes. Ich hatte es sofort wieder gefunden, auch ohne Navigationssystem. Heiða öffnete uns die Tür und freute sich sehr. Die Freude war auch auf unserer Seite, waren wir nach 200 Kilometern Fahrt doch ziemlich ausgepowert. Heiða informierte uns auch gleich, dass wir uns gar nicht erst auszuziehen brauchen, da intensive Polarlichter angekündigt sind. Sie erzählte uns auch gleich von ihrem persönlichen Platz, von welchem sie die Aurora immer beobachtet. Nach ein paar Momenten des Runterfahrens in den Ruhemodus machten wir uns auch gleich auf zu Heiðas persönlichem Aurora-Platz, bewaffnet mit Kamera und Stativ.

06 30 bjarnanesSchon auf dem Weg dorthin explodierte der Himmel in grünen, gelben und violetten Farben. Dabei war es noch nicht einmal völlig dunkel, die Dämmerung war noch immer sichtbar. Mit jedem Schritt aus Bjarnanes heraus (Bjarnanes besteht lediglich aus vier Straßen) und weg von der Straßenbeleuchtung wurde der Anblick und Eindruck der Polarlichter intensiver. Dann erreichten wir die Wiese, die Heiða uns erklärt hatte. Schnell gesellten sich auch weitere Polarlichtsüchtige hinzu, teilweise ebenfalls mit Kameras bewaffnet. Ich suchte mir noch ein geeignetes Vordergrundmotiv und schließlich konnte es losgehen: die erste richtige Nacht mit Polarlichtern. Leider dauerte das Schauspiel nicht sehr lange und nach einer knappen Stunde ließ die Intensität nach. Hier habe ich noch ein Must-See-Videoclip, welcher die Aurora als Zeitraffer am Himmel tanzen lässt! Wir entschlossen uns, in die Unterkunft zu gehen. Wir haben noch beraten, was wir am nächsten Morgen unternehmen würden. Da in unmittelbarer Nähe die Stokksnes liegt, eine Halbinsel mit einem bemerkenswerten Bergmassiv, wollten wir vor Sonnenaufgang dort sein. Dies hatte zur Folge, dass wir bereits um 06:30 Uhr in Richtung Stokksnes aufbrechen würden, der Wecker musste dementsprechend früh gestellt werden... 

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des sechsten Tages:.

06 01 nacht 06 02a dalshfdi 06 02 daemmerung

Sehr dunkler Sternhimmel

Die Morgendämmerung... Eine Torfhütte...
06 03 morgen 06 04a unterwegs 06 05 moos
Torfhütte im Morgenlicht Isländisches Moos Isländisches Moos
06 08 skaftafell 06 09 skaftafell 06 10 skaftafell
Der Skaftafell Spiel mit der Schärfentiefe... Svínafellsjökull
06 11 hundafoss 06 12 aussicht 06 13 svartifoss
Der Hundafoss Blick in die Weite Der Svartifoss
06 15 svartifoss 06 16a svinafellsjkull 06 18 joekulsarlon
Der Svartifoss Svínafellsjökull Jökulsárlón
06 19 joekulsarlon 06 20 joekulsarlon 06 22 joekulsarlon
Jökulsárlón Jökulsárlón Jökulsárlón
06 24 joekulsarlon 06 25 joekulsarlon 06 27 joekulsarlon
Wellen am Diamond beach Diamond beach Diamond beach
06 28 joekulsarlon 06 29 bjarnanes 06 31 bjarnanes
Diamond beach Aurora borealis Aurora borealis
06 32 bjarnanes 06 33 bjarnanes  
Aurora borealis Aurora borealis