03 02 geysirDer Blick auf die Wetterapp hatte Besserung und wolkenfreien Himmel für den Morgen versprochen. Ich selbst bin bereits mitten in der Nacht nochmals zum Strokkur und habe einige Nachtaufnahmen gemacht, ehe ich kurz vor Sonnenaufgang erneut mit Karin und Katrin das Spektakel beobachtet habe. Ein ziemlich kräftiger Wind war zusammen mit den Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nicht gerade der beste Freund der Finger. Da waren die mitgenommenen Handschuhe natürlich ideal. Die aufgehende Sonne kündigte sich an. Schnell spekulierten wir, wo der beste Fotostandort sein würde, um den eruptierenden Geysir mit der orangen aufgehenden Sonne am idealsten in Szene setzen zu können. Mit zunehmender Helligkeit kamen auch immer mehr weitere Fotografen, doch den besten Standort hatten wir uns bereits geschnappt...

Dann linste die Sonne über das weit entfernte Gebirge des Tindfjallajökull und genau im richtigen Moment schoss Strokkur eine hohe Säule in den Himmel, ehe er uns zuvor mit einigen mickrigen Ausbrüchen an der Nase herumgeführt hatte. Das gewünschte Bild war im Kasten, so dass wir das Naturschauspiel auch noch eine Weile ohne Finger am Auslöser genossen haben.

03 03 gullfossNach ein paar Eruptionen haben wir dem Gullfoss noch einen weiteren Besuch abgestattet. Die Sonne wanderte leider in ein Band aus Cirruswolken hinein, so dass das Licht immer fahler geworden ist. Dennoch ist auch der Gullfoss immer einen Besuch wert. Das Wasser der Ölfusá stürzt über zwei senkrecht zueinander stehende Abbruchkanten, die erste ist etwa 11 Meter, die zweite 23 Meter hoch. Mit tosendem Lärm stürzen die Wassermassen hinab und wirbelt eine gewaltige Gischt auf. Bei sonnigem Wetter kommt der Besucher oftmals in den Genuss eines Regenbogens, doch aufgrund fehlender Sonne blieb und das Privileg leider verwehrt. Hier gibt es einen Video-Eindruck der unteren Fallstufe des Gullfoss und hier noch ein weiterer Clip, welcher einen kleinen Schwenk über beide Fallstufen zeigt.

03 06 hjalparfossNach einem kleinen Fußmarsch direkt zum Wasserfall und einigen gemachten Fotos, brachen wir auf in Richtung Hjálparfoss, eine 80 Kilometer lange Fahrt hatte vor uns gelegen, für die wir eine gute Stunde gebraucht haben. Den Hjálparfoss erreichten wir bei bedecktem Himmel. Hin und wieder linste die Sonne durch ein paar blaue Himmelsflecken hindurch. Der Hjálparfoss ist ein Wasserfall, bei welchem das Wasser des Flusses „Fossá í Þjórsárdal“ etwa 9 Meter in die Tiefe stürzt. Dabei wird der Fall von einem Felsen in zwei Hälften gespalten und mündet in eine runde Lagune, ehe das Wasser in südlicher Richtung abfließt. Der Hjálparfoss ist kein großer oder spektakulärer Wasserfall, dafür aber umso schöner und durch die Abgelegenheit bestechende Attraktion. „Hjálparfoss“ bedeutet „Hilfewasserfall“, da die Ströme zu zweit in die Tiefe stürzen. Dort kann man sich lange aufhalten, weil es einfach sehr gemütlich ist. Der Wasserfall liegt etwas abgeschieden ziemlich weit im Landesinneren, an welchen sich die Pauschaltouristen nicht und Individualtouristen nur selten verirren. Das nicht ganz optimale Wetter hinderte uns daran, länger zu bleiben, so dass wir weiter in Richtung Haífoss gezogen sind.

03 09 haifoss20 Kilometer in 40 Minuten sagt Google Maps. Dass es dabei nicht bleiben würde, war mir jedoch vorher schon klar. Die 32er Straße ist asphaltiert und gut befahrbar. Die letzten 8 Kilometer führen jedoch über eine unbefestigte, mit tiefen Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. Größere Steine liegen mitten im Weg, mit einem PKW würde ich mich diese Strecke nicht zu befahren trauen, doch mit dem CX-5 stellte das keinerlei Problem dar. Für die 8 Kilometer lange Strecke benötigten wir eine gute halbe Stunde und wurden dabei ordentlich durchgeschüttelt. Mit einiger Offroad-Erfahrung aus Namibia war ich jedoch zu jeder Zeit sicher. Unterwegs scherzten wir noch, dass ich einen Hunderter springen lassen würde, wenn am Parkplatz am Wasserfall nun ein Smart stehen würde. Tatsächlich ist ein Ford Focus dort gestanden, der die Fahrt gewagt und auch geschafft hatte.

03 08 haifossStarker Wind blies uns schon beim Aussteigen entgegen. Ein etwa dreiminütiger Gang zur Schlucht ließ die Spannung steigen und mit jedem Schritt, mit welchem ich mich der Abbruchkante näherte stieg sie noch weiter. Es war ein unglaublicher Anblick, in die über 130 Meter tiefe Schlucht hinabzublicken. Gegenüber stürzten die Wassermassen der Fossá í Þjórsárdal hinab und erzeugen auch hier eine gigantische Gischt. Mit diesem Videoclip könnt ihr den Gang zur Schlucht vielleicht etwas nachvollziehen und dieses Video verdeutlicht euch vielleicht etwas, wie sehr der Wind gepfiffen hat...! Später schaffte es auch noch die Sonne durch die Wolken und ein Regenbogen gesellte sich zum Wasserfall. Einige Meter weiter nördlich stürzt ein weiterer, kaum kleinerer Fall in die Tiefe. Dieser Wasserfall wird "Granni" genannt, was für isländisch „Nachbar“ steht. Entlang der Schlucht stürzen noch ein halbes Dutzend weiterer kleine Wasserfälle hinab, es ist ein wahrlich beeindruckender Ort. Man kann noch etwas in südlicher Richtung laufen und einen anderen Blickwinkel auf die Wasserfälle erhaschen, so dass man sich an diesem Ort durchaus einige Stunden aufhalten kann.

03 11 thjofafossGeflasht von diesem Naturschauspiel holperten wir über die Schotterpiste zurück auf die 32 und steuerten in Richtung Þjófafoss. Über die 32 und 26 dauert es etwa eine Stunde für die knapp 40 Kilometer. Auch der Þjófafoss liegt etwas abgeschieden und ein paar Kilometer sind Schotterpiste. Jedoch ist diese in einem weitaus besseren Zustand als die Strecke zum Haífoss. Der Þjófafoss an sich bietet einen tollen Anblick, da in Blickrichtung der „Hausberg“ Búrfell gelegen ist und sich so eine malerische Landschaft und ein ideales Fotomotiv ergeben. Die Bezeichnung „Þjófafoss“ bedeutet „Diebeswasserfall“ und rührt daher, dass früher dort verurteilte Diebe in die Lagune bei dem Wasserfall gestoßen worden sein sollen. Der Þjófafoss ist 12 Meter hoch. Auch wenn der Himmel zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend bedeckt war, so bot sich uns durch die cyanblaue Farbe der Lagune dennoch ein toller Anblick. Dies war definitiv einen Abstecher von der Straße wert. Hier könnt ihr in einem Video sehen, wie sich der Mazda auf dem Weg durch eine Pfuddel macht...

03 10a unterwegsSelfoss sollte unser nächstes Unterkunftsziel an diesem dritten Tag sein. Selfoss ist eine kleine Stadt im Süden Islands, welche an der Ringstraße 1, dem sogenannten Þjóðvegur oder Hringvegur, gelegen ist. Mit knapp über 7.000 Einwohnern ist Selfoss für deutsche Verhältnisse eine Kleinstadt und beispielsweise mit Weikersheim vergleichbar. Bemerkenswert ist die Lage der Stadt: in unmittelbarer Nähe liegt der Tafelvulkan Ingólfsfjall, der regelmäßig für stärkere Erdbeben sorgt. Bei Selfoss haben wir uns die nächste Airbnb-Unterkunft gebucht, zuvor haben wir noch "typisch isländisch" im KFC gespeist  und das Auto betankt. In der Unterkunft erwartete uns ein kleines, nicht weit von der Hauptstraße gelegenes Häuschen. Die Eigentümer wohnten augenscheinlich direkt daneben. Die Unterkunft bestand aus einem Vorraum mit Küche und Schlafraum. Es war bereits schön eingeheizt, so dass wir von der 250 kilometrigen Tagesetappe runterkommen konnten. Nach dem Laden der Akkus, der Neuorganisation des Gepäcks und einem kleinen Essen gingen wir dann auch zeitig schlafen. Hin und wieder nutzten wir ein zufälliges Aufwachen des Nachts für einen Kontrollblick nach draußen, ob es nicht Polarlichter am Himmel gegeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt aber noch immer Fehlanzeige…

Hier noch eine weitere Auswahl an Bildern des dritten Tages:.

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Der Gullfoss

Unterwegs zum Hjálparfoss Der Anblick auf den Haífoss
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Blick in die Ferne... Der Þjófafoss